Kategorien
Aktuelles Allgemein

#NOEXTRADITION – Gegen die Auslieferung von Antifaschist:innen

Wir unterstützen die folgende Erklärung der WSAL-Kampagne:

Mehreren Antifaschist:innen droht aktuell die Auslieferung nach Ungarn. Ein Land, das seit Jahren in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen steht und wiederholt für seine politisch einseitige Justiz gerügt wurde. Mit der Kampagne “#NOEXTRADITION – Keine Auslieferung von Antifaschist:innen” wollen wir dies verhindern.

Hintergrund der drohenden Auslieferung sind Ermittlungen gegen mehrere Antifaschist:innen, denen vorgeworfen wird, an Auseinandersetzungen mit Neonazis im Februar 2023 in Budapest beteiligt gewesen zu sein. Dort findet jedes Jahr der sogenannte “Tag der Ehre” statt, ein internationales Großtreffen von Neonazis. Die Veranstaltung dient dem geschichtsrevisionistischen Gedenken an einen Ausbruchsversuch von SS-Truppen und Wehrmachtssoldaten kurz vor der Befreiung Budapests durch die Rote Armee.

Im Dezember 2023 wurde Maja im Kontext dieses Ermittlungsverfahrens festgenommen und befindet sich aktuell in Untersuchungshaft. Nach einem Antrag auf Auslieferung durch die ungarischen Justizbehörden wurde ein entsprechendes Verfahren am Kammergericht Berlin eingeleitet, bei dem in den kommenden Wochen eine Entscheidung über die Auslieferung ansteht. Gleichzeitig wartet Gabriele in Mailand im Hausarrest auf die Entscheidung über seine Auslieferung. Währenddessen suchen die Behörden in diesem Zusammenhang nach mindestens zwölf weiteren jungen Personen, denen dasselbe Szenario drohen könnte.

Kein fairer Prozess

Ungarn wird mittlerweile selbst vom EU-Parlament nicht mehr als vollwertige Demokratie betrachtet, sondern als “Wahlautokratie”, welche systematisch und vorsätzlich die vereinbarten grundlegenden Werteuntergräbt, die Meinungs- und Pressefreiheit massiv einschränkt, demokratische Kontrollinstanzen ausschaltet und politische Gegner:innen kriminalisiert. 2022 wurden Milliardenzahlungen der EU an Ungarn eingefroren , da sich das Land nicht an vereinbarte rechtsstaatliche Reformen gehalten hat. Viele EU-Abgeordnete fordern außerdem, dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán das Stimmrecht im Rat zu entziehen, weil Ungarn trotz jüngster Reformen nicht die europäischen Standards bei der Unabhängigkeit seiner Justiz erfülle.

Sowohl Amnesty International als auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kritisieren die zunehmende Einschränkung der richterlichen Unabhängigkeit in Ungarn. Die rechtspopulistische ungarische Regierung unter Viktor Orbán hat wiederholt unliebsame Richter:innen und Staatsanwält:innen mit Disziplinarmaßnahmen und Suspendierungen eingeschüchtert. Ein Beispiel für die politische Einseitigkeit des Landes ist die Begnadigung eines verurteilten Rechtsterroristen durch die ungarische Staatspräsidentin im vergangenen Jahr. Selbst die Organisatoren der neonazistischen “Tag der Ehre“-Veranstaltung werden durch die Regierung finanziell mit Mitteln der Tourismusförderung unterstützt.

Reporter ohne Grenzen bemängeln zudem eine Medienlandschaft unter Kontrolle der Regierung. Nach dem Erlass eines neuen Mediengesetzes 2010 wurden große Teile der Fernseh- und Radiolandschaft zentralisiert. Eine wenig später geschaffene, durch die Regierung besetzte Medienbehörde macht es möglich, Medien zu kontrollieren und abzustrafen. In der Konsequenz findet kritischer und investigativer Journalismus in Ungarn so gut wie nicht mehr statt und die großen Tageszeitungen und Fernsehsender wiederholen lediglich staatliche Narrative. Dementsprechend ist die Berichterstattung aufgrund der fehlenden Unabhängigkeit und der staatlichen Kontrolle stark rechtskonservativ geprägt.

In Anbetracht der genannten Tatsachen und der politischen Lage in Ungarn müssen wir davon ausgehen, dass die betroffenen Antifaschist:innen im Falle einer Auslieferung kein unabhängiges Verfahren erwartet.

Überzogenes Strafmaß und menschenunwürdige Haftbedingungen

Bereits im Februar 2023 wurden zwei Antifaschist:innen aufgrund derselben Ermittlungen in Budapest inhaftiert. Nun soll ihnen ab Ende Januar 2024 in Ungarn der Prozess gemacht werden. Im Falle der inhaftierten italienischen Antifaschistin Ilaria fordert die Staatsanwaltschaft aktuell eine Haftstrafe von bis zu 16 Jahren. Sollten Maja oder andere Antifaschist:innen ausgeliefert werden, droht ihnen ein Strafmaß von bis zu 24 Jahren Freiheitsstrafe und eine Untersuchungshaft, die sich nahezu unbegrenzt verlängern lässt. Die erwarteten Haftstrafen sind somit um ein Vielfaches höher als in Deutschland, bei inhumanen Bedingungen. Menschenrechtsorganisationen wie etwa das Helsinki Committee for Human Rights machten schon in der Vergangenheit auf die katastrophalen Bedingungen in ungarischen Haftanstalten aufmerksam.

Auch die bereits in Ungarn inhaftierte Antifaschistin Ilaria berichtet von menschenunwürdigen Bedingungen und Schikane. So durfte Ilaria die ersten 6 Monate ausschließlich mit ihrem Anwalt kommunizieren und hatte keinen Kontakt zu Angehörigen. In einem 18-seitigen Brief berichtet sie mitunter von 23 Stunden Einschluss in einer nur dreieinhalb Quadratmeter großen Zelle und von Verhören ohne Verteidiger:in oder Dolmetscher:in, von Unterernährung und katastrophalen hygienischen Bedingungen. Neben unzureichender Belüftung im Sommer und Kälte im Winter sind die Zellen von Mäusen, Kakerlaken und Bettwanzen befallen.

Falls einer Auslieferung stattgegeben wird, bedeutet das für Maja, Gabriele und alle anderen Betroffenen womöglich eine Haftstrafe im zweistelligen Bereich, unter menschenunwürdigen Haftbedingungen und Untersuchungshaft über 1000 Kilometer entfernt von Familie und Freund:innen.

Vorverurteilung der Beschuldigten

Das Ermittlungsverfahren der ungarischen Behörden gegen die beschuldigten Antifaschist:innen wurde von Anfang an durch eine mediale Berichterstattung großer ungarischer Tageszeitungen begleitet, welche die Teilnehmer:innen an den Veranstaltungen rund um den “Tag der Ehre” als einfache Tourist:innen und die Beschuldigten als brutale Gewalttäter:innen darstellte.

Während in Italien der Fall der inhaftierten Antifaschistin Ilariamittlerweile Gegenstand einer großen kritischen Öffentlichkeit ist, wurde in Deutschland die einseitige Berichterstattung der ungarischen Medien zum Verfahrenskomplex bisher nicht hinterfragt und zum Teil wortwörtlich übernommen.

Dabei fand neben der Übernahme rechter Narrative eine massive Vorverurteilung der Beschuldigten statt. Auch Vertreter deutscher Sicherheitsbehörden betonten in Interviews immer wieder die vermeintliche Gefährlichkeit der jungen Antifaschist:innen.

All dies geschieht zu einer Zeit, in der Faschist:innen europaweit an Land gewinnen, in der auch in Deutschland eine faschistische Partei bald wieder mit einer Mehrheit in Parlamente einziehen könnte und sich mit gut vernetzten Neonazis organisiert, um die Deportation großer Teile der Bevölkerung zu planen. Es muss sich wieder bewusst gemacht werden, welchen Stellenwert Antifaschismus in unserer Gesellschaft haben sollte. Eine derartige Kriminalisierung von Antifaschist:innen vor dem Hintergrund einer erstarkenden neuen Rechten, deren Inhalte zunehmend salonfähig werden, verschleiert die reale Bedrohung für die Gesellschaft.

Daher fordern wir:

Eine klare Absage an die Auslieferung der Beschuldigten nach Ungarn – egal ob aus Deutschland oder Italien!

Die sofortige Rücküberstellung der dort Inhaftierten in ihre Heimatländer!

Die Chance auf ein faires Verfahren für alle Betroffenen!


Wenn ihr die Erklärung selbst unterzeichen wollt, dann sendet uns einfach eine Mail mit eurem persönlichen vollständigen Namen oder den Namen eurer Gruppe, Laden, Band etc.

wir-sind-alle-linx@systemli.org

Unseren Schlüssel könnt ihr hier abrufen.

Kategorien
Aktuelles

Grusel-Kabinett – Antifaschist*innen berichten: Wie (über) leben unter einer faschistischen Regierung?

Es ist schaurig: Jeden Tag eine Umfrage darüber wie viele Menschen sich in Kaltland eine Regierung mit Faschisten und Neonazis wünschen. Mit den Landtagswahlen im nächsten Jahr in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gibt es die reale Möglichkeit, dass bereits im nächsten Jahr diese gruselige Vorstellung Realität werden kann – Gerade vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Wahlen in Hessen und Bayern in diesem Monat und den Ergebnissen der parlamentarischen Rechten und der Faschisten.

Um sich auf diese mögliche Horrornacht am 1. September 2024 vorzubereiten, wurden Menschen für ein Podium eingeladen, die darüber berichten können wie das Leben unter faschistischen Regierungen sich verändert hat und wie Antifaschist*innen darauf reagiert haben. Im Anschluss nach dem Podium wollen wir euch jedoch nicht geschockt und entmutigt nach Hause gehen lassen, sondern noch etwas zusammen bleiben, bei Musik und Getränken weiter sprechen, vielleicht etwas tanzen und einen schönen Abend zusammen verbringen. Verkleidet euch also gerne, es ist Halloween!

31.10.2023 um 19:30 Uhr im Conne Island

Die Halloween-Veranstaltung wird unterstützt und gestaltet von: “Rassismus tötet!” – Leipzig, Offenes Antifa Treffen, Ladenschlussbündnis Leipzig und Endfame (“Engagierte Demokrat*innen für die Amerikanisierung Europas”)

Kategorien
Aktuelles

Gedenken an Kamal Kilade

Der 19-jährige Kamal Kilade wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 2010 im Park am Willy-Brandt-Platz von den Neonazis Marcus E. und Daniel K. durch mehrere Messerstiche ermordet.

Daniel K., der während der Tatnacht sowie bei seiner Verhaftung einen Pullover mit dem Schriftzug „Kick off Antifascism“ trug, hatte Kamal mit einem Pfefferspray die Möglichkeit zur Verteidigung genommen, als dieser einem Freund zu Hilfe kommen wollte. Marcus E., der erst kurz zuvor aus der Haft entlassen worden war, nutzte die Situation aus und stach Kamal nieder. Marcus E. wurde wegen Mordes zu 13 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung, Daniel K. wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haftstrafe, verurteilt. Mittlerweile befindet sich Daniel K., der Sohn eines Leipziger Kriminalbeamten, wieder auf freiem Fuß.

An einem aktiven Gedenken, an diesen rassistisch motivierten Mord, hat sich die Stadt Leipzig lediglich bei der Einweihung des Gedenksteins an Kamal beteiligt. Die Errichtung dessen wurde behördlich eher behindert als aktiv gefördert. Der Initiative von Kamals Familie, Gruppen und Einzelpersonen ist es zu verdanken, dass dieser Gedenkstein initiiert werden konnte.

Solch ein Mord aus “niederen Beweggründen”, wie der zuständige Richter diesen in der Urteilsverkündung klassifizierte, geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem gesellschaftlichen Klima, das sich durch rassistische Mobilisierungen immer weiter verschärft.
In Leipzig wurden seit 1990 mindestens acht Menschen Todesopfer rechts-motivierter Gewalt; hinzu kommen zwei Verdachtsfälle – bundesweit gab es seitdem über 200 weitere Morde.

Wir wollen, dass Menschen wie Achmed Bachir. und Kamal Kilade nicht vergessen werden, Menschen, die nicht ins Weltbild von deutschen TäterInnen passten und deshalb ihr Leben lassen mussten.

Aus diesen Gründen gedenken wir erneut Kamal Kilade am 24.10.2023 ab 18 Uhr am Gedenkstein in der C.W. Müller – Anlage am Leipziger Hauptbahnhof.

Bringt gerne bitte Kerzen und Blumen mit.

Niemand ist vergessen, nichts ist vergeben.

Kategorien
Aktuelles

Gedenken an Achmed Bachir

Der aus Syrien kommende Asylsuchende Achmed B., 30 Jahre alt, wird am 23. Oktober 1996 von zwei jungen Nazis, Daniel Z. (20) und Norman E. (18), erstochen. Nachdem die Täter stundenlang faschistische und rassistische Parolen grölend durch die Stadt gezogen sind, betreten sie am Abend ein Gemüsegeschäft in der Leipziger Südvorstadt. Zunächst beschimpfen sie die Verkäuferinnen rassistisch und drängen sie an eine Wand. Als Achmed B. seinen Kolleginnen zur Hilfe kommen will, wird er angegriffen. Nachdem es ihm gelingt, die beiden Angreifer aus dem Geschäft herauszubewegen, sticht einer der beiden auf Achmed B. ein.

Der Mord mit rassistischem Hintergrund wird von Vertreter_innen der Stadt zum Teil verharmlost. So behauptet der damalige Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube: „ein rechtsextremes Potenzial ist mir hier nie begegnet“ und Leipzigs „Ausländerbeauftragter“ Stojan Gugutschkow pflichtet ihm bei: „Es hätte auch irgendeinen Deutschen treffen können“. Z. und E. werden wegen „Mordes aus niedrigen Beweggründen“ angeklagt. Etwa ein Jahr später fällen die Richter des Landgerichts Leipzig das Urteil: Daniel Z.wird zu neuneinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt, sein Mittäter Norman E. erhält wegen Beihilfe viereinhalb Jahre Gefängnis. Laut Staatsanwaltschaft gebe es „keine Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen Hintergrund“, stattdessen handle es sich um eine „spontane Tat“.

Erst 15 Jahre nach der Ermordung von Achmed B., wurde die Tat als rassistisch motiviert anerkannt.

Gedenken am 23. Oktober 2023 um 18 Uhr Karl-Liebknecht Ecke Schletterstr. Bringt bitte Kerzen und Blumen mit.

Kategorien
Aktuelles

Wer Gewalt sät – Von Brandstiftern und Biedermännern

Vom 22. bis zum 26. August 1992 fand das rassistische Pogrom von Rostock-Lichtenhagen statt, im letzten Jahr gab es am 27. August 2022 eine Gedenkdemonstration in Rostock, an der sich auch Antifaschist*innen aus Leipzig beteiligten. Am Vorabend dieser Demonstration wurde ein Brandanschlag in Leipzig auf die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Liliensteinstraße in Grünau verübt, zu diesem Zeitpunkt lebten 180 Menschen in dem Gebäude. Bis heute wurde dieser Versuch eines rechten Brandanschlags auf ein Wohnhaus nicht aufgeklärt.

Ab den 21. August 2015 tobte der rassistische Mob im sächsischen Heidenau und ab den 26. August 2018 in Chemnitz. All diesen Ereignissen ist gemeinsam, dass nicht nur offene Rassist*Innen und Neonazis auf der Straße waren, die versuchten Menschen zu verletzten und zu töten, sondern auch die so genannten “Biedermänner” diese Situationen möglich machten und forcierten.

“Wer gegen die Nazis kämpft, der kann sich auf den Staat überhaupt nicht verlassen.” Esther Bejarano

Ein Satz, der seit vielen Jahren zitiert wird, aber was für Schlüsse und Konsequenzen werden daraus eigentlich gezogen? Was folgt gerade für Antifaschist*innen in Sachsen aus dieser Erkenntnis und den rassistischen Angriffen und Anschlägen der vergangenen Jahre?

Samstag, den 19. August 2023, um 17 Uhr (Einlass ab 16:30 Uhr) im Café des Conne Island  (Koburger Str. 3, 04277 Leipzig)

Kategorien
Aktuelles Allgemein

Vortrag: NS-Verherrlichung stoppen! Geschichtsrevisionistische Aufmärsche und faschistisches Gedenken in (Süd-) Osteuropa

Vortrag am 16. Dezember 2022 um 19:30 Uhr im Plaque (Industriestraße 101)

Anfang Februar versammeln sich jährlich mehrere tausend Neonazis aus ganz Europa in der ungarischen Hauptstadt Budapest zum so genannten “Tag der Ehre”, um dort der Waffen-SS und ihren ungarischen Verbündeten zu gedenken.

Auch im lettischen Riga wird jedes Jahr am 16. März ein Gedenkmarsch zur Ehrung der lettischen Waffen-SS durchgeführt. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia findet der jährliche Neonaziaufmarsch zu ehren des NS-Kollaborateurs Hristo Lukov statt und im österreichischen Bleiburg/Pliberk versammeln sich jährlich zehntausende Menschen zum Gedenken an die kroatischen Faschisten der Ustaša.

Die Verherrlichung des Nationalsozialismus und seiner Verbündeten und die Relativierung und Leugnung des Holocaust sind zentralen Themen der extremen Rechten nach 1945, nicht nur in Deutschland. Besonders in einigen postsozialistischen Staaten Ost- und Südosteuropas haben sich seit den 1990er Jahren geschichtsrevisionistische und NS-verherrlichende Veranstaltungen etabliert, an denen sich Neonazis und Nazis aus ganz Europa beteiligen.

Die Kampagne “NS-Verherrlichung stoppen” hat sich zum Ziel gesetzt die geschichtsrevisionistischen Aufmärsche in Europa zu stoppen!

Der Vortrag wirft Schlaglichter auf die NS-Kollaboration in (Süd-) Osteuropa, zeichnet die Entwicklung der Geschichtsrevisionistischen Aufmärsche nach und stellt die Kampagne “NS-Verherrlichung stoppen” vor.

Kategorien
Aktuelles Allgemein

Antifaschistische Kaffeefahrten in Sachsen

Im Oktober wird es in Sachsen antifaschistische Kaffeefahrten geben, für den Raum Leipzig könnt ihr euch neben der im Aufruf angegebenen Mail-Adresse auch an uns wenden, gerade wenn es um verschlüsselte Mails geht, wir könnten eure Anfragen weiterleiten an die Initiative antifaschistische Kaffeefahrten.


Verbindungen stärken, an Betroffene rechter Gewalt erinnern & Neonazis aus der Deckung holen!

Liebe Genoss*innen, Gefährt*innen und Freund*innen,

an den letzten beiden Oktober Wochenenden veranstalten wir zwei antifaschistische Kaffeefahrten. Am 22.10.2022 (Start 10:00) soll es an verschiedene Orte im Raum Leipzig gehen. Der Fokus liegt dabei auf Netzwerken der extremen Rechten über die wir informieren werden, um Akteur*innen aus der Deckung zu holen und ein Zeichen antifaschistischer Praxis zu setzen. Eine Woche später, am 29.10.2022 (Start 11:00) werden wir im Raum Chemnitz unterwegs sein. Hier soll es besonders um eine Stärkung der Verbindungen zu unseren Genoss*innen in den umliegenden lokalen antifaschistischen Strukturen gehen. Dafür wollen wir in einen Austausch untereinander kommen und auch hier gemeinsam an relevante Lokalitäten der rechten Szene vor Ort fahren. Für die Chemnitz-Tour am 29.10.2022 ist es möglich bereits in Leipzig und Dresden in die Busse zuzusteigen (Start 9:30).

Die Fahrten werden ca. 8-10 Stunden dauern. An den Stationen gibt es Kundgebungen mit wechselnden Inhalten wie Vorträge, Küfa und Redebeiträge. Genauere Informationen zu den konkreten Orten, den Treffpunkten für die Abfahrten und einen kleinen Packzettel gibt es beim Kauf der Bustickets. Diese sind in Leipzig im No Borders Shop und El Libro in Connewitz, Locations in Chemnitz zum Kauf eines Tickets werden nachträglich in den Kommentaren ergänzt. Falls es euch nicht möglich ist diese abzuholen, schreibt eine verbindliche Anmeldung an: antifa-kaffeefahrt@riseup.net.

Die vergangenen drei Jahre waren für viele von uns mit großen Herausforderungen verbunden. Im Zuge der seit 2020 kaum abreißenden verschwörungsideologischen Coronaproteste schaffte es die extreme Rechte große gesellschaftliche Gruppen zu mobilisieren und für sich zu vereinnahmen. Die Woche für Woche stattfindenden und sich schnell auf diverse Kleinstädte ausbreitenden Aufmärsche, waren und sind für antifaschistische Interventionen schwer zu erreichen. Sie erzeugen für alle, die von rechter Gewalt bedroht und betroffen sind, Angsträume und Innenstädte, die man besonders Montags lieber meidet. Die brutalen Angriffe in Taucha(1) und jüngst in Leipzig(2) sind Ausdruck dieses neuen Selbstbewusstseins der rechten Szene.

Rechte Netzwerke und Übergriffe sind dabei weder als spontan, noch als singulär zu betrachten. Sie entspringen einer Kontinuität die immer wieder zum Vorschein kommt. So wollen wir mit unseren Kaffeefahrten auch einen Blick auf die nähere Vergangenheit richten und an Todesopfer rechter Gewalt, wie Kamal K. erinnern, der 2010 im Oktober von den Neonazis Marcus E. und Daniel K. am Leipziger Hauptbahnhof ermordert wurde. Während die Ermittlungsbehörden nichts ungeschehen ließen, um eine Aufklärung der rassistischen Tat zu verhindern, hielt die Staatsanwaltschaft ein rassistisches Motiv nicht für erwiesen – ein Verhältnis zwischen Staat und Rechten, welches ebenfalls struktureller Art ist.

So erreichen in Zeiten von Hanau, Halle und Kassel die staatlichen Angriffe gegen die organisierte Linke eine neue Dimension. Unzählige Hausdurchsuchungen, Strukturermittlungen und der größte Prozess gegen die militante antifaschistische Linke seit Jahrzehnten, sollen für Einschüchterung und Verunsicherung sorgen. Wo in Schwarzberg ein gegen eine Einzelperson gerichteter Vorwurf der Sachbeschädigung ausreicht, um ein linkes Hausprojekt vollständig zu durchsuchen(3), können sich die Angreifer von Fretterode(4) oder Wurzen(5) auf ihre Kameraden in Ermittlungsbehörden und Justiz verlassen und nachlässige Ermittlungen und milde Urteile erwarten.

All diese Angriffe auf uns und unsere Strukturen treten in unterschiedlicher Gestalt auf. Doch unabhängig von Groß- oder Kleinstadt, Autonomes Jugendzentrum oder Kulturverein, Gruppe oder Einzelperson – gemeint sind wir alle. Lasst uns zusammenkommen und gemeinsame Perspektiven antifaschistischer Praxis entwickeln. Hören wir den Betroffenen rechter Gewalt zu und holen die rechten Täter*innen aus der Deckung.

Quellen:
1) https://saft.noblogs.org/post/2022/06/26/massiver-rechter-uebergriff-in-taucha-am-22-06-2022/
2) https://www.l-iz.de/leben/faelle-unfaelle/2022/09/rechte-montagsdemonstrationen-2-der-ueberfall-am-26-september-2022-474254
3) https://de.indymedia.org/node/186808
4) https://www.belltower.news/skandal-urteil-aeusserst-milde-strafen-im-fretterode-prozess-139241/
5) https://www.ndk-wurzen.de/aktuelles/rassistischer-angriff-in-wurzen-endet-ohne-verurteilung1/

Kategorien
Aktuelles Allgemein

UPDATE Kundgebung: Niemand wird vergessen – für ein aktives Gedenken

Kundgebung: 23. Oktober 2021 um 15:30 – 16:30  Uhr Karl-Liebknecht-Straße / Schletterstraße

Für die Kundgebung wurde uns von der Versammlungsbehörde mitgeteilt, dass nur 100 Menschen daran teilnehmen dürfen. Auch die Uhrzeit wurde vorverlegt auf 15:30 Uhr.

Wir streben noch einen weiteren Austausch über diese Auflagen an und informieren euch hier, ob sich daran etwas ändert. Schaut bitte hier noch einmal nach, bevor ihr zur Gedenkkundgebung kommt.

23.10.: Es bleibt bei 15:30 Uhr für die Gedenkkundgebung. Bringt gerne Kerzen und Blumen mit.

Vor 25 Jahren, am 23. Oktober 1996, wird der 30 Jahre alte aus Syrien kommende Achmed B. von Rassisten in Leipzig ermordet. Nachdem die Täter stundenlang faschistische und rassistische Parolen grölend durch die Stadt gezogen waren, betreten sie am Abend ein Gemüsegeschäft in der Leipziger Südvorstadt. Zunächst beschimpfen sie die Verkäuferinnen rassistisch und drängen sie an eine Wand. Als Achmed B. seinen Kolleginnen zur Hilfe kommen will, wird er angegriffen. Nachdem es ihm gelingt, die beiden Angreifer aus dem Geschäft herauszubewegen, sticht einer der beiden auf ihn ein.

Der Mord aus rassistischem Motiven wird von Vertreter*innen der Stadt zum Teil verharmlost. So behauptet der damalige Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube: „Ein rechtsextremes Potenzial ist mir hier nie begegnet“ und Leipzigs „Ausländerbeauftragter“ Stojan Gugutschkow pflichtet ihm bei: „Es hätte auch irgendeinen Deutschen treffen können“. Die Staatsanwaltschaft verkündete: „Aus irgendeinem ausländerfeindlichen Ausdruck könne man nicht auf eine ausländerfeindliche Grundhaltung schließen.“

So verwundert es nicht, dass die Täter zwar verurteilt werden, aber der rassistische Mord offiziell nicht als “Todesopfer rechter Gewalt” anerkannt ist. Es wird bis zur Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) dauern, bis sich dies ändert. Erst nach der Selbstenttarnung, im Jahre 2012, untersuchen die Behörden noch einmal die Fälle, bei denen eine rechte Motivation wahrscheinlich erscheint, was dazu führte, dass der Mord an Achmed B. in die Aufzählung von Todesopfern rechter Gewalt aufgenommen wurde.

Wir wollen am 23.Oktober um 15:30 Uhr am Tatort (Karl-Liebknecht-Straße / Schletterstraße) zusammen kommen um unsere Wut und Trauer über den Mord zweier deutscher Rassisten an Achmed B. deutlich zu machen.

Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freund*innen des Ermordeten in Syrien und hier in Leipzig. Unsere Wut und unser Hass gelten den Tätern und allen, die ähnliche Taten begehen oder solche Taten bejubeln oder sie stillschweigend dulden. Unsere Verachtung denen, die immer erst dann entsetzt sind, wenn dabei tatsächlich einmal ein Mensch ums Leben kommt, die aber immer wegsehen, wenn in ihrer eigenen Umgebung Menschen aus rassistischen Motiven bedroht oder diskriminiert werden. Es gibt einen unlösbaren Zusammenhang zwischen dem alltäglichen Rassismus der Stammtische und Morden wie diesem! Es gibt nur eine Entscheidung, nie aber eine Entschuldigung oder gar einen Grund für Rassismus. Es gibt nur eine Entscheidung, nie aber eine Entschuldigung oder gar einen Grund fürs Morden. Denn Rassismus tötet schon da, wo er noch nicht das Messer gezückt hat, wo er „noch ganz normal“ ist.

Kategorien
Aktuelles Allgemein

Nazihools – Die längste letzte Reihe der Welt

Mehrere Hundert Kamerad:innen aus der Provinz und der großen Stadt auf der Suche nach dem „roten Viertel“ von Sachsen, dem »Mythos Connewitz«. Sie bleiben fast alle auf der Auerbachstraße hängen. Mit ihrer Naivität werden sie von der sächsischen Justitia äußerst milde bedacht. Ein absurdes Theater, ein Drama über die »sächsische Demokratie«, über Verharmlosung und Ignoranz, zum Lachen und Weinen, zum Verzweifeln – und zum Nachdenken über sich selbst.


16. Januar um 14 Uhr auf der Wolfgang-Heinze-Str. / Mathildenstr. in Connewitz.


 

Kategorien
Aktuelles

Kreativ und aktiv gedenken an Todesopfer rechter Gewalt!

10. Todestag von Kamal K.

Am 24. Oktober 2010 wurde Kamal K. von zwei Neonazis in dem Park vor dem Leipziger Hauptbahnhof ermordet. Seine Mörder waren überzeugte Rassisten, der eine Täter ist Sohn eines Leipziger Polizisten, der sich ebenfalls rassistisch auf seinen social Mediaaccounts äußerte. Vor Gericht versuchte der Polizistensohn sich als Szene-Aussteiger zu präsentieren, der betrunken, aber nicht politisch motiviert gehandelt habe. Dabei trugen beide Täter in der Tatnacht eindeutige Klamotten aus der neonazistischen Szene. Ihre Körper sind übersät mit faschistischen Tätowierungen. Mittlerweile ist der Polizistensohn wieder frei – und wieder in der Neonaziszene unterwegs. Von einem Ausstieg also keine Spur.

Vom Gericht wurde die Tat als rassistisch motivierter Mord bewertet. Die Leipziger Staatsanwaltschaft sieht jedoch bis heute keine rassistische Motivation der Täter oder Mordmerkmale als erfüllt an. Es war der Nebenklageanwalt Sebastian Scharmer der Familie von Kamal, der alle wichtigen Anträge vor Gericht einbringen musste und den rassistischen Mord aufklären konnte.

All das ist jetzt nun 10 Jahre her. In diesen 10 Jahren ist viel dafür getan worden, dass die rechte Ideologie der Täter nicht mehr geleugnet wird und dass der Mord nicht in Vergessenheit gerät. Und so liegt es auch in diesem Jahr nicht beim Staat, sondern bei aktiven Antifaschist*innen, das Gedenken an Kamal K. und allen weiteren Todesopfern rechter Gewalt in Leipzig und Deutschland lebendig zu halten.

Aufruf zu Solidaritäts-Aktionen – bundesweit!

Wir wollen dazu beitragen, Schweigen, Wegschauen, Leugnen und Verharmlosen des Rassismus und der rechten Gewalt in diesem Land zu beenden. Menschen wie Kamal dürfen nicht vergessen werden.

Deswegen laden wir euch ein, mit uns am 24. Oktober wieder auf die Straße zu gehen – nicht nur in Leipzig. Aufgrund der Coronapandemie gehen wir davon aus, dass nicht so viele Menschen aus anderen Städten nach Leipzig fahren werden. Wir begreifen das wiederum als Chance, um auf andere Aktionsformen zu setzen um auf rechtsmotivierte Morde und Gewalt aufmerksam zu machen. Wir rufen darum im Oktober zu einer Straßen- und Onlinekampagne auf. Tragen wir Kamals Namen und jener weiteren Todesopfer des rechten Terrors in Deutschland in die Straßen unserer Städte, so dass es jede*r sieht.

Dieser Aufruf richtet sich an all unsere Freund*innen, in allen Städten der Republik. Wir richten uns an alle Menschen die kreativ aktiv sind. Geht sprühen, plakatiert euer Viertel, hängt Banner auf, malt etwas, schreibt ein Gedicht, rappt etwas.

Wenn es eure Aktionsformen und die Zeit hergeben, dann thematisiert auch den Hintergrund des Mordes oder die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die derlei rechte Taten begünstigen. Wenn ihr verständlicherweise nicht zur Demonstration kommen könnt, bitten wir euch um Solidaritäts-Aktionen in anderen Orten: Mit Kundgebungen, Demonstrationen oder Streetart und vielem mehr können Alltagsrassismus und rechte Strukturen kritisiert und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Wir zählen auf euch!

Darum: Heraus zu den Gedenk-Aktionswochen

• 24. Oktober 2020 – Demonstration in Leipzig „Niemand ist vergessen, Nichts ist vergeben!
Treff: 16.30 Uhr, Südplatz

• Oktober 2020 – Aktionswochen in Gedenken an Kamal K.

• Macht Bilder eurer Aktionen und Beiträge und veröffentlicht sie auf de.indymedia.org und Social Media. Nutzt die Hashtags #NiemandIstVergessen, #KamalK #le2410

• Schickt Fotos und Videos eurer Aktionen an niemandistvergessen@riseup.net und initiativkreis@riseup.net

Für den Upload von Bildern etc. empfiehlt sich die Seite share.riseup.net.

Eure Bilder werden dann auf unseren Websites und unseren Socialmedia-Kanälen gespiegelt und erscheinen in einem gemeinsamen Video.

Zusammen gegen rechte Gewalt und Rassismus!

Netzwerk »Niemand ist vergessen!« und „Rassismus tötet!“ – Leipzig


Hintergründe zum Mord:
– Artikel: https://www.inventati.org/leipzig/?p=3520
– Artikel: www.chronikle.org/dossier/todesopfer-re…
____________________________

Social Media:
instagram.com/rassismus_toetet_leipzig
instagram.com/niemandistvergessenberlin
twitter.com/RASSISMUSTOETET
twitter.com/nivberlin
facebook.com/niemandistvergessenberlin