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150 Menschen bei WM-kritischer Kundgebung in Leipzig

* Gedenken an Nuno Lourenço +++ Partypatriotismus schafft Ausgrenzung und Rassismus +++ Solidarität mit Protestierenden in Brasilien +++*

Am Montag, dem 16. Juni 2014, führte die Initiative “Love Football – Hate the World Cup!” in Kooperation mit der der Gruppe “Rassismus tötet!”-Leipzig eine Kundgebung in der Kochstraße, in Höhe der Südbrause (Connewitz), durch. Anlass der Aktion war die beginnende Fußballweltmeisterschaft der Herren sowie das erste Spiel des deutschen Teams gegen das portugiesische.

„150 Personen solidarisierten sich mit unserem Vorhaben und setzten damit ein Zeichen gegen den so genannten Partypatriotismus und seinen menschenverachtenden Auswüchsen.“, so Gretel Bergmann von der Initiative “Love Football – Hate the World Cup!”. Mit der Kundgebung wurde auch an Nuno Lourenço gedacht, den Neonazis während WM 1998 ermordeten, nachdem das deutsche Team gegen Kroatien ein Spiel verlor.

Der portugiesische Zimmermann Nuno Lourenço wurde am 4. Juli 1998 während der Weltmeisterschaft von acht 15- bis 21-jährigen Neonazis angegriffen, nachdem die deutsche Elf gegen die kroatische ein Spiel verlor. Die Angreifer wollten aus Rache für den Ausgang des Spiels „Ausländer hacken“ gehen. Der damals 49-Jährigen wurde mit einer Eisenkette geschlagen und gewürgt, bis er am Boden lag. Dann traten sie mit Springerstiefeln weiter auf ihn ein. Nuno Lourenço wurde mit schweren Verletzungen und inneren Blutungen in ein Leipziger Krankenhaus gebracht. Am 29. Dezember 1998 starb Nuno Lourenço in Folge des Angriffs an seinen schweren Verletzungen in Portugal.

Bergmann: “Die Täter wurden zwar gefasst, aber das Landgericht erkannte kein rassistisches Motiv und wertete die Tat lediglich als Körperverletzung mit Todesfolge. Auch im weiteren zeigt das Landgericht sowie der zuständige Richter, Norbert Göbel, wie bedeutungslos ihnen der Fall war: Sie setzten keinen Termin für den Haftantritt fest, unterließen es „versehentlich“ über die Kosten der Nebenklage zu entscheiden, aber verzichteten darauf, den verurteilten Neonazis die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Damit verschuldete sich die Witwe Noemia Lourenço mit über 17.500 Euro.”

Dieser „Fehler“ ist bis heute nicht behoben.

hate-wm-2Der Mord an Nuno Lourenço ist dabei nur das krasseste Beispiel, wohin die Identifizierung mit einer Nation führen kann. Seit mehreren Jahren wird der schwarz-rot-goldene Taumel als „unverkrampfter” Partypatriotismus gefeiert und verharmlost. Dadurch werden die unzähligen menschenverachtenden Exzesse, die während internationaler Fußballturniere auftreten, verschwiegen.”, so Gretel Bergmann.

Mit der Kundgebung solidarisierten sich die Teilnehmenden mit den Protestierenden in Brasilien. Diese treten unter dem Motto „Ohne Rechte wird es keine WM geben” für den freien Zugang zu qualitativ-besserer Bildung, zum Gesundheitssektor, zu bezahlbaren öffentlichen Personenverkehr und das Recht, auch weiterhin in der Stadt leben zu können, ein. Viele der der Demonstrant_innen wurde mit der Austragung der WM sozialer Aufstieg versprochen, erhalten haben sie hingegen schlechte Bezahlung, die Verdrängung aus ihrem Wohngebieten , die Zwangsräumung aus ihren Hütten und Häusern sowie Kriminalisierung und Stigmatisierung marginalisierter Bevölkerungsgruppen sowie jener, die an den Protesten teilnehmen.

“Mit der Annahme”, so Bergmann abschließend, “sportliche Großereignisse seien ein Vorteil für die gesamte Bevölkerung des gastgebenden Landes, muss Schluss sein. Die derzeitigen Zustände in Brasilien zeigen so deutlich wie nie, dass diese Aussage falsch ist. Politiker_innen glänzen mit der Durchführung der Spiele und überspielen dabei soziale Probleme bzw. bekämpfen die Betroffenen. Ökonomisch-benachteiligte Menschen werden und bleiben immer von diesen Events sowie versprochenen sozialen Aufstieg ausgeschlossen.”

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Leipzig: LOVE FOOTBALL – HATE THE WORLD CUP! – Kundgebung am 16.06. in Connewitz

In Gedenken an Nuno Lourenço – 1998 in Leipzig während der WM von Faschisten ermordet

In den letzten Jahren packen “die Deutschen” anlässlich internationaler Fußballturniere der deutschen Herren gerne wieder in Massen das schwarz-rot-goldene Banner aus und freuen sich lauthals darüber, “Deutsche” zu sein. In der bürgerlichen Öffentlichkeit wird das Spektakel als “unverkrampfter” Partypatriotismus gefeiert, der negative Auswirkungen nicht kennt.

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Redebeitrag auf der Demo „Refugees welcome“ am 24.5.2014

Seitdem im September 2013 der Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde bekannt wurde, regt sich in Leipzig Protest aus der Neonazi-Szene, aber auch aus der bürgerlichen Ecke. Einwände, wie „der Islam gehört nicht zu Deutschland“, eine vermeintliche drohende Überfremdung der Stadt, inner-islamische Auseinandersetzungen oder aber die Ungeeignetheit des Standortes im Leipziger Ortsteil Gohlis heizen die Stimmung an.

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Antirassistische Aktionstage vom 10.-24.05. in Leipzig

Wie auch im letzten Jahr organisieren wir gemeinsam mit anderen Gruppe im Mai antirassistissche Aktionstage.

Mobivideo

http://www.youtube.com/watch?v=UWe8qz8fALQ&feature

Flyer

Antirassistische Aktionstage 2014

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Vortrags- & Diskussionangebot: Strategien gegen den rassistischen Mob

Rassismus tötet! Leipzig kommt auf Anfrage gern zu euch: Vortrag & Diskussion zu rassistischen Mobilisierungen und antirassistischen Interventionen

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22.03. Europäischen Nazikongress verhindern!

JN-Europakongress verhindern!
Für den 22. März 2014 mobilisieren die Jungen Nationaldemokraten (JN) zu einem Europakongress, mit dem sie den „Schulterschluss der europäischen Nationalen“ forcieren wollen. Eingeladen sind dazu Jungfaschist_innen und -nationalist_innen aus ganz Europa, mit denen zukünftige Kooperationen abgesteckt werden sollen. Die Jugendorganisation der NPD läutet damit den Europawahlkampf ein, den die Partei erstmals mit realistischer Aussicht auf Mandate bestreiten wird.

Nicht mit uns! Auch wir mobilisieren für den 22. März – mit dem klaren Ziel das Treffen der europäischen Nazis zu verhindern!

Unseren Aufruf findet ihr hier und hier gibt es das Mobimaterial. Wenn ihr uns kontaktieren wollt, findet ihr E-mailadresse und PGP-Schlüssel hier .

Noch ist nicht klar, wo genau die Nazis sich treffen werden, eingeladen wird derzeit diffus für den ‘Großraum Leipzig’. Sobald wir genauere Infos haben, findet ihr sie ebenfalls auf dieser Seite.

Stay tuned!

Infos unter: http://fackelnaus.noblogs.org/

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15.03. Nazidemo in Bautzen verhindern

Für Samstag den 15.03. wird auf Facebook durch die Seite “Bautzen wehrt sich gegen Asylmissbrauch” zu einer Demonstration gegen “Asylmissbrauch” (sic!) aufgerufen. Beginn ist 18 Uhr am Postplatz.

Diese Demonstration reiht sich in die verstärkten bundesweiten rassistischen Mobilisierungen und Brandanschläge seit dem letzten Jahr ein. Einen Überblick dazu gibt’s auf Dok-MAAR. In vielen Fällen sind die sogenannten “Bürgerinitiativen” von Neonazis initiiert oder werden zumindest von ihnen unterstützt – so auch in Bautzen.

Wir wollen Nazis und Rassist_innen an diesem Tag nicht mit ihrer Hetze die Straße überlassen und rufen deshalb dazu auf den Aufmarsch zu verhindern.

Zu diesem Zweck wird es u.a. aus Leipzig und Dresden eine koordinierte Anreise geben:

Leipzig, Busanreise: Bustickets im Lazy Dog (Wolfgang-Heinze-Straße 20) und im El Libro (Bornaische Straße 3d), den Treffpunkt erfahrt ihr beim Kauf eines Tickets.

Dresden, Treffpunkt zur Anreise mit dem Zug: 14:15Uhr pünktlich hinter dem Bahnhof Dresden-Neustadt im Park.

Den Aufruf zu den Gegenprotesten könnt ihr hier lesen.

Ticker, Infotelefon, EA und weitere Infos folgen zeitnah. Stay tuned!

Infos unter: http://refugeeswelcome.blogsport.eu/

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Veranstaltungen zur Buchmesse

Im Rahmen und Umfeld der Leipziger Buchmesse finden diverse Lesungen und Veranstaltungen, welche sich mit dem Thema Rassismus beschäftigen, statt. Hier ein Überblick (Ergänzungsvorschläge per mail an initiativkreis@riseup.net).

Lesung aus „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“

Wann: 12.03.2014, ?? Uhr

Wo: Plaque, Industriestraße 97

Buchvostellung mit dem Autor Lucuis Teidelbaum

Obdachlose sind die vergessenen Opfer der Gesellschaft. Sie werden von Staat und Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen. Rechte TäterInnen praktizieren gegen obdachlose Menschen einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes vorbereitet wird.

Die MörderInnen eines Obdachlosen 2000 in Ahlbeck waren der Meinung, »Asoziale und Landstreicher hätten im schönen Ahbeck nichts zu suchen«. Die MörderInnen eines Obdachlosen in Greifswald gaben an, ihre Opfer angegriffen zu haben, weil »so einer […] dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt«. Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Obdachlose bzw. sozial Marginalisierte und dem gesellschaftlichen Klima der (kapitalistischen) Verwertbarkeit der Menschen. Das brutale Ergebnis sind nach unterschiedlichen Statistiken weit über 100 ermordete Obdachlose seit 1990.
Lucius Teidelbaum stellt in seinem neuen transparent-Band diese Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen dar, analysiert und benennt die Ursachen.

Lesung aus „Sarrazin Correctness“

Wann: 13.03.2014, 21 Uhr

Wo: Plaque (Industriestraße 97)

Buchvorstellung mit dem Autor Andreas Kemper

Thilo Sarrazins Buch Vom neuen Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland erschien Ende Februar 2014. Darin wird er seine bereits in Vorträgen dargelegten Thesen zur Meinungsfreiheit in einem Rundumschlag gegen Political Correctness gewinnbringend vermarkten.
Politisch absolut ›unkorrekt‹ steht Sarrazin dabei in der ideologischen Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen. Wer von Gutmenschen und Tugendterror spricht, will die Primärtugenden der Menschlichkeit durch angebliche Tugenden der Korrektheit ersetzen. Sarrazin stellt sich gleichermaßen als Rebell gegen Political Correctness wie als Opfer von Zensur dar. Er lenkt damit ab von der Tradition der Korrektions-Anstalten und der eugenischen Bevölkerungskorrekturen, deren Ideologie er vertritt.
Thilo Sarrazin zeigt, dass sich noch immer die Ideologie des Forderns und Förderns mit Fragen der qualitativen Bevölkerungspolitik verbindet. Die modernisierte Variante dieser Ideologie besetzt in den Auseinandersetzungen um emanzipatorische Kämpfe das Schlagwort Political Correctness. Mit diesem Trick wendet er den antiquierten Mief der Korrektheit gegen emanzipatorische Meinungen und Gruppen. Er dreht den Spieß des Bürgertums um und lässt ihn gegen sich gerichtet erscheinen.

Die Lesung findet ebenfalls direkt auf der Buchmesse statt: 13.03.2014, 15–15.30 Uhr, Halle 5, Stand C404

Buchvorstellung „Sprache-Macht-Rassismus“

Wann: 13.03.2014, 20 Uhr

Wo: Conne Island, Koburger Str. 3

Die in dem Band versammelten Beiträge fragen danach, welche Perspektiven und Ansätze die aktuelle Rassismus- und Kritische Weißseinsforschung für rassismuskritische Lehr- und Lebensräume bieten kann. Zugleich werden grundlegende Begrifflichkeiten sowie aktuelle Tendenzen der Rassismusforschung vorgestellt. Der Band ist eine Zusammenfassung von Beiträgen der Tagung „Sprache-Macht-Rassismus“, die im Mai 2013 in Fulda stattfand. Die Refentin Magdalena Marsovszky (Kulturwissenschaftlerin, Ungarn/ Deutschland) wird Grundzüge der Publikation vorstellen und den Fokus auf die Antiziganismusforschung legen.

veranstaltet von amnesty international Stadtgruppe Leipzig, Initiative Leipzig Korrektiv und Buchhandlung el libro

Lesung aus „Realität Einwanderung – Kommunale Möglichkeiten der Teilhabe, gegen Diskriminierung“

Wann: 14.03.2014, 20 Uhr

Wo: LinXXnet (Bornaische Str. 3d)

Buchvorstellung mit den Autor*innen Koray Yılmaz-Günay und Freya-Maria Klinger

Mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 hat die Bundesrepublik auch offiziell die Einwanderungsrealität anerkannt. Fragen von Asyl, die Zugänglichkeit von Verwaltung, die Planung von partizipativen Instrumenten, die Stadt- und Raumplanung oder aber das soziokulturelle Angebot sind von jeher auch kommunale Themen, die aktiv gestaltet werden können. Gerade den Städten und Kommunen kommt die Aufgabe zu, gleiche Teilhabe zu ermöglichen und emanzipatorische öffentliche Räume zu schaffen. Die Autor*innen sensibilisieren für ausschließende Strukturen und gibt Beispiele für und Hinweise auf gelingende Ansätze für ein gleichberechtigtes Zusammenleben: für Teilhabe aller, gegen Rassismus und Diskriminierung.

veranstaltet von: el libro und linXXnet e.V.

Die Lesung findet ebenfalls direkt auf der Buchmesse statt: 14.03.2014, 17.30–18 Uhr, Halle 5, Stand C404

Podiumsdiskussion Deutsche Dörfer: Comeback der 90er?

Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime

Wann: 15.03.2014, 19.30 Uhr Einlass, 20 Uhr Beginn

Wo: Conne Island (Koburger Str. 3)

Eintritt: 4€ (Im Eintrittspreis ist die nachfolgende Disco inklusive)

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert.

Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtligspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?

Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Jan-Georg Gerber, Felix Fiedler, Jennifer Stange und Daniel Steinmaier (Pro Asyl). Moderation: Ivo Bozic

Ein umfassenden Überblick über einerseits interessante linke Verlage und Veranstaltungen sowie andererseits neonazistische und rechtspopulistische Stände und Veranstaltungen auf der Buchmesse, haben die Genoss_innen vom Projekt „Antifa in Leipzig“ erstellt. Es lohnt sich regelmäßig auf dieser Seite vorbeizuschauen, da hier regelmäßig über diverse Themen linker Politik berichtet wird.

 

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15.02. Demonstration Magdeburg: „Kein Freispruch für Nazis und Justiz!“

Kein Freispruch für Nazis und Justiz – Rassismus und Faschismus bekämpfen, auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!

Am 21.9.2013 griffen neun Neonazis einen Menschen in Bernburg aus rassistischen Motiven an. Der Mann wurde beim abschließen seiner Gaststätte rassistisch beschimpft, danach mit Bierflaschen zu Boden geprügelt. Er erlitt lebensbedrohliche Schädelbrüche und lag lange Zeit auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Die Verletzungen sind so stark, dass der Betroffene, nach Auskunft der Ärzte, bleibende Schäden davon getragen hat. Am 20. Februar 2014 wird der Prozess gegen die Täter eröffnet. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg tut sich wie so oft schwer damit ein rassistisches Tatmotiv zu erkennen – zum Nachteil des Betroffenen und im Sinne der Täter.

Die Täter, einschlägige Nazis

Die Angreifer sind bekannte Nazis aus der Schönebecker Kameradschaftsszene, die seit Jahren mit brutalen Übergriffen in der Region auf sich aufmerksam machen. Francesco L., eine zentrale Figur dieser Gruppe, hat dabei eine einschlägige Vorgeschichte.

Ein Übergriff unter seiner Beteiligung am 9. Januar 2006 macht dabei überregionale Schlagzeilen. Gemeinsam mit drei weiteren Rechten hatte Francesco damals den 12-jährigen Kevin in Pömmelte (in der Nähe von Schönebeck) über eine Stunde lang gedemütigt und körperlich misshandelt. Der Junge wurde mehrfach mit einer Gasdruckpistole bedroht, massiv getreten und geschlagen. Ihm wurde eine Zigarette auf dem Augenlid ausgedrückt und er wurde von der Gruppe gezwungen, auf Fragen mit “Jawohl, mein Führer” zu antworten. Eine Antifa-Demonstration im Februar 2006 in Schönebeck, die auf die Nazistrukturen und die Täter aufmerksam machen wollte, wurde von Nazis aus einem leerstehenden Haus mit Feuerwerkskörpern und Farbe angegriffen. Im Laufe des Tages kam es zu mehreren Angriffen von Nazis auf AntifaschistInnen in der Stadt. Francesco L. wurde als Haupttäter des Angriffs in Pömmelte zu 3 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Kevin verstarb im Jahr 2008 aus ungeklärter Ursache, ob es Spätfolgen des Übergriffs waren ist nicht bekannt.

Im gleichen Jahr wurde die frühzeitige Haftentlassung von Francesco genehmigt. Im Januar 2011 griff er erneut, mit mindestens drei weiteren Nazis, einen Imbiss in Schönebeck an. Mit den Worten: „Du bist kein Deutscher!” schlugen sie mit Schlagstöcken und Stuhlbeinen auf den Inhaber sowie auf Gäste des Lokals ein. Alle Betroffene erlitten Verletzungen und Hämatome am Kopf, im Gesicht und am Oberkörper. Francesco erhielt wiederrum eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

Im Jahr 2012 griff Francesco wieder mit seinen Kameraden zwei Jugendliche an. Dieses Mal sollte er dafür auch ins Gefängnis, doch er ging in Revision. Im September 2013 hätte er diese Haft antreten müssen. Jedoch zog er noch einmal mit seinen Kameraden durch die Region und griff in Bernburg den 34-jährigen Imbissbesitzer an.

Nach dem lebensbedrohlichen Angriff in Bernburg, nahm die Polizei drei der Täter in Untersuchungshaft. Jedoch wurden Familienmitglieder des Betroffenen in Bernburg nach der Tat wiederholt zum Ziel rassistischer Angriffe. Der Neffe wurde zwei Wochen später mit Softair-Waffen beschossen, als er die Tür seines Restaurants in Calbe verschließen wollte. Dem Vater wurde am selben Wochenende der Briefkasten seiner Wohnung gesprengt. Eine Woche später wurden an die Garage der Schwägerin rassistische Parolen und ein Hakenkreuz gesprüht. Die verantwortliche Polizeibehörde will zwischen den Vorfällen jedoch keinen Zusammenhang sehen – rassistischer Terror unter Duldung der Behörden.

Verschweigen und wegschauen hat in Sachsen-Anhalt lange Tradition

In Sachsen-Anhalt wird sich seit mehr als 20 Jahren schwer damit getan gegen rechte Schläger, Nazis und auch Mörder in Uniform zu ermitteln. Viel mehr bestimmen vertuschen, verschweigen und wegschauen die Praxis von Polizei und Politik im Land. Die Liste ist lang und hier nur Bruchstückhaft wiedergegeben. Angefangen im Jahre 1992 als 60 Nazis eine Party von Punks überfielen und den 23-jährigen Torsten Lamprecht ermordeten. Die Polizei schaute damals nur zu wie die Nazis mit Baseballschlägern, Stahlrohren und Signalmunition die Punks angriffen. Lediglich ein Nazi wurde verurteilt, wer Torsten ermordete ist bis heute ungeklärt.

Am 12. Mai 1994 sorgten die so genannten „Himmelfahrtskrawalle“ für internationales Aufsehen. Stundenlang konnten Nazis und Hooligans MigrantInnen durch die Stadt jagen und angreifen. Auch hier schaute die Polizei nur zu. Wenn sie eingriff, dann meistens um MigrantInnen zu verhaften, die sich gegen die Angriffe der Nazis verteidigen. Außerdem gab es massive Vorwürfe, dass die Polizei mit den Tätern sympathisierte und die Angegriffen beleidigte und geschlagen hätte. Farid Boukhit wird von Nazis an jenem Tag mit Holzknüppeln so schwer verletzt, dass er später stirbt.

Am 23. Januar 1993 wurde Lorin Radu in Staßfurt von einem Polizisten im Hof des Polizeireviers erschossen. Der 21-jährige Asylsuchende hatte gegen die Residenzpflicht verstoßen. Der Polizist wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der bekannteste Fall sorgt seit Jahren für Proteste. Am 7. Januar 2005 wird Oury Jalloh widerrechtlich festgenommen und im Dessauer Polizeirevier an Händen und Füßen gefesselt und in dieser Situation in der Polizeizelle angezündet. Bis heute unternimmt die Polizei und Justiz alles dafür um ihre These vom angeblichen Selbstmord Ourys aufrechtzuerhalten. Seit letztem Jahr liegt ein Gutachten vor, welches darlegt, dass Oury Jalloh nur mit einer größeren Menge an Brandbeschleuniger ermordet worden sein kann. Kaum jemand rechnet noch damit, dass der Mord an Oury Jalloh nach 9 Jahren aufgeklärt wird und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Denn auch zwei weitere Todesfälle, die sich im Dessauer Polizeirevier „ereigneten“, wurden bis heute nicht aufgeklärt, geschweige denn ernsthaft untersucht.

Justiz, Polizei & politische Einordnung

Menschen die für die Anerkennung der Opfer rassistischer und rechter Gewalt und Mordverbrechen kämpfen, müssen sich aus der bürgerlichen Ecke immer wieder anhören, dass das Strafrecht keine politischen Straftaten kenne. Mithin wird der absurde Vorwurf erhoben, dass man ein Gesinnungsstrafrecht einfordere, oder die juristische Urteilsfindung vorweg nehmen würde, wenn man auf die oft offensichtliche rassistische Motivation der TäterInnen hinweist.

Wer allerdings die Augen vor der politischen Durchdrungenheit der Justizorgane verschließt, ist idealistisch bis naiv: Sowohl RichterInnen als auch StaatsanwältInnen sind DienerInnen des bürgerlichen Staates. Sie sind dabei nicht nur dessen Regeln unterworfen, sondern sind auch diejenigen, die sie im staatlichen Interesse betätigen und durchsetzen. Es gibt aber kein „neutrales“ staatliches Interesse: Das Strafgesetzbuch ist so wenig wie das Grundgesetz eine unabänderliche Tatsache, sondern wird durch darauf bezogene Entscheidungen juristisch und politisch ausdefiniert. In diesem Sinne kann der Umgang der Justiz nicht frei von politischen Deutungen und der gesellschaftlichen Situation sein. Die oft sehr vorschnelle Feststellung, es läge kein rassistisches Motiv vor, ist bereits eine solche politische Deutung – wohlgemerkt seitens der Anklage.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass auf der institutionellen Seite kein Interesse vorliegt, die rassistischen Motive solcher Taten anzusprechen. Dies entspricht dem politischen und gesellschaftlichen common sense, menschenfeindliche Einstellungen nicht oder gar als Produkt der Verhältnisse anzuerkennen. Wir allerdings wollen diese Angriffe in einen gesellschaftlichen Kontext einordnen und vor diesem Hintergrund politisch bewerten. Dieser Hintergrund wird nicht dadurch „neutral“, dass man ihn für unpolitisch erklärt. Rassismus verschwindet nicht, indem man ihn wegdefiniert. Denn ohne diese entscheidende politische Komponente würde es nicht zu solchen Übergriffen kommen.

Es hat sich nichts geändert

Auch im aktuellen Fall von Bernburg will die Staatsanwaltschaft trotz eindeutiger Aussagen der Täter zur Tatzeit und ihrer Vergangenheit kein rassistisches Motiv beim Angriff auf den Betreiber des Imbiss erkennen.

Diese Linie entspricht im Grunde genau der Art und Weise, wie die deutsche Gesellschaft seit mehr als 60 Jahren mit ihren Verbrechen umgeht. Mit allen Mitteln wird verleugnet, dass die Täter aus den eigenen Familien, aus den eigenen rassistischen Reihen kamen und kommen.

So auch heute: wenn Deutsche so genannte „Ausländer“ angreifen oder ermorden, soll das nichts mit ihrem Hass auf diese zu tun haben, sondern eher z. B. mit Alkohol, Angst, Arbeitslosigkeit, Familienkrach, schlechte Laune, schlechtem Wetter. Manche von ihnen sind organisierte Nazis, andere sind es nicht. Manche sind betrunken, andere sind nüchtern. Wenige werden bestraft, unzählige laufen frei herum. Sie wissen, was sie tun, und vor allem wissen sie, wem sie es anzutun haben.

Aber davon wollen Staatsanwaltschaft und weite Teile der deutschen Öffentlichkeit nichts wissen. Es sind dann nur „irgendwelche“ rassistischen Äußerungen, die nicht auf eine menschenverachtende Gesinnung und schon gar nicht auf eine daraus motivierte Mordbereitschaft schließen lassen. Warum auch? Sie müssten ihre eigenen Vorurteile, ihre eigenen Vorstellungen von Nationalismus und von „als fremdartig“ Angesehene überdenken. Wenn sie das täten, würden einige sich vielleicht selbst in den Angreifern wieder entdecken. Dies wollen sie am allerwenigsten.

Und so können sich die Täter auch weiterhin sicher sein, dass sie für ihr Handeln zwar manchmal ins Gefängnis kommen. Im Großen und Ganzen aber mit akzeptierender Sozialarbeit, neuen rassistischen Gesetzen, noch umfassenden Kriminalisierung von MigrantInnen und noch schnelleren Abschiebung jener angeblich „kriminellen Ausländer“ belohnt werden. StaatsanwältInnen und RichterInnen sorgen dafür, dass die Ausblendung des rassistischen deutschen Alltages auch institutionell abgesichert und aktenkundig wird. Wir werden dies vielleicht nicht verhindern können, aber wir können versuchen, dass nicht ein weiteres Mal ein rassistischer Angriff unter den Teppich gekehrt wird.

Deswegen kommt zur Demonstration und besucht den Prozess.
Schafft Öffentlichkeit und zeigt euch solidarisch.
Für eine Gesellschaft ohne Rassismus!

Demonstration 15.2.2014 15 Uhr Hauptbahnhof Magdeburg

Zugtreffpunkte

Leipzip
12:15 Uhr Leipzig HBF in der Nähe des Infopoints

Berlin
13:00 Berlin Hbf Gleis 14. Abfahrt 13.11

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Kundgebung gegen Nazi-Aufmarsch am 03.02. in Schönefeld

AKTUALISIERT (31.01.): NEUER KUNDGEBUNGSORT
Die Kundgebung findet ebenfalls an der Ecke Löbauer Straße / Volksgartenstraße statt, jedoch südlich der Löbauer Str., genauso wie bereits zu den Solidaritätskundgebungen im Dezember.

Flyer für den 03.02.

Nachdem die Stadt Leipzig im November 2013 die Eröffnung einer Asyl-Notunterkunft in Leipzig-Schönefeld bekanntgab, kam es zu Protesten durch die NPD und rassistisch-eingestellte Bürger_innen, die gegen die Einrichtung sowie Asylsuchende selbst mobilisierten. Sie störten mit ihrer Anwesenheit nicht nur eine Veranstaltung der Stadtverwaltung, die über die Situation Asylsuchender sowie die Unterkunft informieren wollten, sondern marschierten auch mehrmals vor der Unterkunft auf. So versammelten sie sich letztmalig in den Abendstunden des 18.12.2013 scheinbar spontan mit Fackeln vor der Einrichtung. Bei der Hetze gegen die Asyl-Unterkunft spielte eine so genannte Elterninitiative eine tragende Rolle, an welcher jedoch auch Nazis beteiligt waren.

Für kommenden Montag, den 03.02., 19:00 Uhr, plant ein so genanntes Bündnis „Leipzig steht auf“ einen Aufmarsch direkt gegenüber der Asyl-Notunterkunft (Löbauer Straße / Volksgartenstraße). Das selbsternannte Bündnis ruft unter dem Motto „Leipzig steht auf – gegen Minderheiten-Politik im Rathaus“ dazu auf.

Hinter dem so genannten Bündnis verbirgt sich jedoch die NPD. So bewirbt bereits kurz nach Bekanntgabe des Aufmarsches der NPD Sachsen-Vize und designierte Vorsitzende der NPD Leipzig, Maik Scheffler, die Aktion, die für ihn im Zusammenhang mit dem Agieren der NPD steht. Doch auch die weiteren Themen des „Bündnisses“ ähneln denen der Leipziger NPD stark, sind vielmehr identisch. Bereits im vergangenen Jahr thematisierten Leipziger NPD-Akteure die drei Orte – Gohlis, Reudnitz und und Schönefeld – auf diversen Facebook-Seiten. Anfang des Jahres 2014 taucht das vermeintliche Bündnis „Leipzig steht auf“ mit Website und Facebook-Gruppe auf und bringt die Orte mit den dafür notwendigen (Wahlkampf)Themen in Verbindung. So wird in Gohlis gegen den geplanten Moschee-Bau gehetzt, in Reudnitz gegen den geplanten Bau einer Forensischen Ambulanz mobilisiert und in Schönefeld richtet sich ihr Hass gegen die Asyl-Notunterkunft und deren Bewohner_innen.

Der Aufmarsch am kommenden Montag, 03.02., kann somit als Wahlkampfauftakt der Leipziger NPD angesehen werden und steht damit in direkter Linie mit neonazistischen und rassistisch-motivierten Aufzügen, die am vergangenen Samstag, den 25.01., in Chemnitz, Schneeberg und Borna durch NPD-nahe Bürger/innen-Initiativen vor Asyl-Unterkünften durchgeführt wurden.
Die menschenfeindliche Agitation und Hetze gilt es, ob in Leipzig oder anderswo, zu stoppen und auch zukünftig zu unterbinden. So ruft das neonazistische Bündnis auch für den jeweils ersten Montag im Monat zu weiteren Versammlungen auf. Dies gilt es zu verhindern!

Kommt daher am Montag, dem 03.02., ab 17:30 Uhr zur Gegenkundgebung nach Leipzig-Schönefeld. Die Kundgebung findet ebenfalls an der Ecke Löbauer Straße / Volksgartenstraße statt, jedoch südlich der Löbauer Str., genauso wie bereits zu den Solidaritätskundgebungen im Dezember.

Aufgrund der Erfahrung der letzten Male bitten wir euch, Bezugsgruppen zu bilden bzw. euch Bezugsgruppen anzuschließen. Reist mit ihnen an und ab, so seid ihr vor Nazi-Angriffen geschützt, könnt aber auch bei Polizei-Willkür solidarischer handeln. Vergesst auch nicht, euch warm anzuziehen.

Es gilt an diesem Tag der NPD sowie ihrem Anhang deutlich zu machen, dass ihre Hetze nicht unwidersprochen bleibt. Zeigt euch daher solidarisch und kommt zur Kundgebung von „Refugees Welcome! Leipzig“

Unsere Solidarität gilt den Bewohner_innen der Asyl-Notunterkunft! Gegen jede rassistische Mobilisierung!! NPD und Rassist_innen stoppen!!! Für eine solidarische Gesellschaft!!!!