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Veranstaltungsreihe „Auf gute Nachbarschaft in Leipzig-Schönefeld“

„Auf gute Nachbarschaft!“ ist eine Veranstaltungsreihevon Januar bis April 2014 in loser Reihenfolge Lesungen, Filmvorführungen und Informationsabende in Schönefeld zu den Themen Flucht, Migration und Rassismus organisiert werden. Hintergrund ist die seit Dezember 2013 bestehende Notunterkunft für Asylsuchende in der Löbauer Straße.

Film “Can’t be Silent”
Zeit: 29.01., 19 Uhr
Ort: CVJM (Schönefelder Allee 23a)

Bei einer Tour mit Auftritten in verschiedenen Asylunterkünften entstand die Band “Strom und Wasser feat. the refugees”, die der Dokumentarfilm begleitet. Einige der Protagonisten stehen abends auf der Bühne, am nächsten Morgen kehren sie in die Isolation des Alltags von Geflüchteten in Deutschland zurück. Die Unterkünfte liegen oft abgelegen am Rand der Städte und die Asylsuchenden dürfen sich oft nicht ohne Erlaubnis frei innerhalb Deutschlands bewegen. Der Film zeigt die Musiker bei dem Versuch, sich von ihren verordneten Plätzen zu lösen – durch die so simple wie machtvolle Geste, die eigene Stimme zu erheben.

Begegnung Schaffen – Informationsveranstaltung zu Asyl in der BRD
Zeit: 19.02., 19 Uhr
Ort: CVJM (Schönefelder Allee 23a)

Statt nur über sie zu reden, haben wir Menschen eingeladen die selbst fliehen mussten und uns von ihren Erfahrungen der Flucht und dem Leben im deutschen Asylsystem erzählen. Vorab wird Amnesty International eine kurze Einführung in das deutsche Asylrecht geben. Im letzten Teil der Veranstaltung soll es die Möglichkeit geben Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Antirassistisches Argumenationstraining
Zeit: 01.03., 14-18 Uhr
Ort: kath. Gemeindehaus (Ossietzkystraße 60)

In diesem Seminar geht es in erster Linie um die Entkräftung gängiger Argumente wie sie in der Debatte um die Unterbringung von Geflüchteten in Schönefeld und auch darüber hinaus immer wieder auftauchen. Ziel ist es, nach dem Seminar auf Aussagen wie “Wir haben ja nichts gegen Asylsuchende, aber doch nicht hier” und das Reden über Kriminalität in Verbindung mit den Asylsuchenden reagieren zu können. Zu dieser Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich. Bitte melden Sie sich hierfür unter menschen.wuerdig@googlemail.com an oder sprechen Sie uns
auf den anderen Veranstaltungen an. Für das Seminar wird es aus Verbindlichkeitsgründen weiterhin ein Teilnahmebeitrag von 6€ erhoben

Theater – Bühne für Menschenrechte zeigt: Die Asylmonologe
Zeit: 07.04. 18.30 Uhr
Ort: Gesellschaftshaus Schönefeld (Ossietzkystraße 1), Großer Saal

Im Zentrum des Theaterstücks stehen Ali aus Togo, von Freunden liebevoll „Präsident“ genannt, Felleke aus Äthiopien, der erst willensstark Abschiebeversuche verhindern muss, um dann einen Menschenrechtspreis überreicht zu bekommen, und Safiye, die nach Jahren der Haft in der Türkei und einer absurden Asylablehnung sich für das Lebensbejahenste überhaupt entscheidet: Sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben. Die Asyl-Monologe erzählen von Schritten hin zu Gerechtigkeit, indem sie nicht nur die Werdegänge von Flüchtlingen und Asylsuchenden
inklusive der zunächst‚normalen’ Lebensläufe in ihrer Heimat, der Fluchtursachen und ihrer Erfahrungen mit dem deutschen Asylsystem darstellen, sondern vor allem Geschichten von Trennungslinien und Koalitionen, von Feigheit und Mut, von Konflikten und Solidarität sind.
Mit Übertiteln in englischer Sprache. Im Anschluss an das Theaterstück findet ein Publikumsgespräch mit Aktivist_innen statt.

Stadtteilforum
Zeit: 27.04., 14 Uhr
Ort: CVJM (Schönefelder Allee 23a)

Zu dem Stadtteilforum wollen wir alle Interessierten einladen noch einmal gemeinsam über die vergangenen Monate zu diskutieren. Welche Formen der Informationspolitik, des Kontakts, des Protests, der Unterstützung gab es und wie wurde mit diesen Umgegangen. In dieser Runde kann auch über eine Weiterführung der begonnen Projekte nachgedacht und Ideen und Wünsche für die Zukunft formuliert werden.

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Podiumsdiskussion „Refugees welcome? Die Proteste gegen Asylunterkünfte und mögliche Gegenstrategien in Leipzig und Umland“

05.02., 19 Uhr, Uni Leipzig, Seminargebäude, Raum S 202
Podiumsdiskussion „Refugees welcome? Die Proteste gegen Asylunterkünfte und mögliche Gegenstrategien in Leipzig und Umland“

Im Jahr 1993 wurde das Grundrecht auf Asyl in Deutschland radikalen Einschränkungen unterworfen. Viele der politisch Verantwortlichen begründeten diesen Schritt damit, dass das damals hochaktuelle Problem des Rassismus und der Übergriffe auf Nicht-Deutsche abnehmen werde. Denn die Ursache für den Rassismus in Deutschland nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde in der Zahl der  Asylbewerber*innen gesucht. Nach der Asylrechtsänderung sank diese Zahl um ein Vielfaches. Doch kann die Ursache für den Rassismus nicht in den Zahlen der von ihm Betroffenen zu finden sein. Denn obwohl die Zahl der Asylsuchenden im Jahr 2013 die der 1990er Jahre bei weitem nicht erreicht, hat es in den zurückliegenden Monaten erneut einen enormen Anstieg rechter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Auch in Leipzig schlugen rassistische Mobilisierungen spätestes mit den Vorschlägen für eine dezentralere Unterbringung von Asylsuchenden in unterschiedlichen Stadtteilen, hohe Wellen.
Die Vergleiche mit den Angriffen auf Asylunterkünfte aus den 1990er Jahren drängen sich schnell auf. Doch im Unterschied zu den 1990er Jahren organisieren sich als Reaktion auf die Angriffe auf vielfältigen Ebenen Unterstützergruppen vor Ort, die Geflüchtete in ihrer Stadt willkommen heißen wollen.
Einige solcher Gruppen aus Leipzig und dem Leipziger Umland haben wir zu einem Diskussionsabend eingeladen. Aus den verschiedenen Perspektiven sollen sie darüber diskutieren, welche Möglichkeiten es aus ihrer Sicht gibt, auf die ablehnenden Proteste zu reagieren und wie Asylsuchende respektvoll unterstützt werden können. Außerdem fragen wir, wie Asylsuchende selbst ihre Situation in den Asylunterkünften sehen und welche Unterstützung sie sich wünschen. Moderiert werden soll der Abend vom Mobilen Beratungsteam Leipzig (Kulturbüro Sachsen e.V.), das seit Jahren solche Prozesse unterstützt und wissenschaftlich begleitet.

Gäste:
Refugees Welcome! Leipzig
Willkommens-Initiative Schönefeld
Asylsuchender aus Leipzig
Asylsuchender aus Borna
Bon Courage e.V., Borna
Michael Marschall, Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes
Delitzsch/Eilenburg

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Veranstaltungsreihe zum NSU und Rechtsterrorismus

Rassismus tötet! Leipzig präsentiert: Veranstaltungsreihe zum NSU und Rechtsterrorismus

NSU und Rechtsterrorismus

Vortrag und Gespräch mit Andrea Röpke

Wann: 15.01., 20 Uhr Vokü, 21 Uhr Veranstaltungsbeginn
Wo: Stockartstraße

Andrea Röpke arbeitet als freie Journalistin und betreibt bundesweite Recherche zu Naziaktivitäten und rechter Gewalt. Desweiteren begleitet sie den NSU-Prozess als Beobachterin. Bei der Veranstaltung wird sie Einblicke in ihr neustes Buch mit dem Titel ‘Blut und Ehre, Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland’ geben. Weiterhin stehen Hintergründe des NSU und eine historische Einordnung von Rechtsterrorismus innerhalb der deutschen Geschichte im Fokus.

Lesung aus Semiya Simseks „Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater“

Wann: 01.02., 16 Uhr
Wo: Meuterei (Zollschuppenstraße 1)

Am 9. September 2000 brach für Semiya Simsek eine Welt zusammen: ihr Vater, Enver Simsek, wurde erschossen. Zu diesem Zeitpunkt war sie vierzehn Jahre alt. Über eine lange Zeit wurden sie und ihre Familie von den Ermittlungsbehörden verdächtigt, bedrängt und ausspioniert. «Elf Jahre durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein», sagt Semiya Simsek. Sie erzählt ihre bewegende Geschichte: die einer jungen Frau und ihrer Familie, deren Leben durch einen Terrorakt zerstört, durch Vorurteile weiter zerrüttet wurde und die dennoch stark blieb. In dem Buch schildert sie die Hintergründe des Verbrechens, der Ermittlungspannen und -irrwege. Eine Darstellung über einen der größten politischen Skandale der letzten Jahrzehnte und das aufwühlende Schicksal einer Familie.
Da Semiya Simsek in der Türkei lebt, werden wir in einer gemütlichen Wohnzimmerathmosphäre selbst aus dem Buch vorlesen.

Filmabend “Der NSU-Prozess” – eine szenische Lesung des Prozesses

Wann: 19.02., 20 Uhr Vokü, 21 Uhr Veranstaltungsbeginn
Wo: Stockartstraße

Am 6. Mai 2013 begann in München der größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Eine Frau und vier Männer werden beschuldigt, die Terrororganisation NSU gegründet oder unterstützt zu haben – eine neonazistische Gruppe, die zehn Menschen ermordet, zwei Sprengstoffanschläge verübt und 15 Raubüberfälle begangen haben soll. Das Verfahren wird mindestens zwei Jahre dauern, mehr als 600 Zeug_innen und Sachverständige sind vorgesehen.
Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat einen der wenigen Plätze im Gerichtssaal erhalten und die Verhandlung vom ersten Tag an verfolgt. Aus täglichen Mitschriften ist ein umfassendes Protokoll entstanden. Es handelt sich um Originaltöne aus der Verhandlung, die gekürzt, aber sonst unverändert wiedergegeben werden. Durch die Stimmen des Richters, der Zeug_innen, der Sachverständigen, der Anwälte und der Angeklagten entsteht ein Gesamtbild von zehn Jahren Terror, dem nicht endenden Schmerz der Opfer, dem eiskalten Vorgehen der Täter_innen, dem Dilettantismus der Ermittler und der schwierigen Suche nach der Wahrheit, die doch so offensichtlich zu sein scheint. Die ersten 71 Tage des NSU-Prozesses – ein Stück deutscher Geschichte.

Auf dem Prüfstand: Aufarbeitung der Morde des Nationalsozialistischen Untergrund

Podiumsdiskussion mit Petra Pau (Mitglied des Deutschen Bundestages, Ob-Frau im NSU-Untersuchungsausschuß), Sebastian Scharmer (Nebenklagevertreter im NSU-Prozess) und Kutlu Yurtseven (engagierter Künstler, u.a. Microphone Mafia, angefragt)

Wann: 24.02., 17.30 Uhr
Wo: UT Connewitz (Wolfgang-Heinze-Straße 12a)

Im August 2013 wurde der Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages vorgelegt. In 47 gemeinsamen Empfehlungen werden in diesem Bericht Konsequenzen aus der rassistischen Mordserie gezogen. Diese reichen von der Aufforderung, dass die Polizei bei Gewalttaten gegen Migranten immer auch einen möglichen rechtsextremen Hintergrund „eingehend“ prüfen soll, bis zum Vorschlag, dass der NSU-Ausschussbericht zum Unterrichtsstoff in der Polizistenausbildung werden soll.
Trotz großer Einmütigkeit konnten sich die Fraktionen nicht zu gemeinsamen Empfehlungen in Bezug auf den Verfassungsschutz einigen. Der Geheimdienst hat eine entscheidende Rolle am NSU-Desaster, verharmloste er doch systematisch die Neonazi-Gefahr und schoss mit dem V-Leute-Konzept sogar noch Ressourcen in die Szene.
NebenklagevertreterInnen von Hinterbliebenen der NSU-Opfer kritisieren zudem, dass im Bericht das zentrale Problem nicht benannt wird, nämlich der institutionelle Rassismus, der die Behördenstrukturen durchzieht und (in den fatalen) durch fatale Fehleinschätzungen in den Ermittlungen zu den NSU-Morden führte.
Über zwei Jahre nach Aufdecken des NSU ist die öffentliche Debatte über die Dimension neonazistischer Gewalt de facto verebbt. Der laufende Prozess gegen Beate Zschäpe und weitere UnterstützerInnen sorgt nur noch aus Sensationsgründen für Aufsehen.
Weder ist der Täter_innenfokus durchbrochen (worden), noch ist die tiefe Verankerung von Rassismus in Behörden und Gesamtgesellschaft ausreichend als Grundproblem thematisiert, geschweige denn angegangen worden.
In der Podiumsdiskussion soll über die Konsequenzen aus dem NSU-Abschlussbericht, den Verlauf des NSU-Prozesses und gesellschaftliche Implikationen diskutiert werden.

Veranstaltet von: linXXnet e.V.

Eine Einschätzung zum Umgang der Mehrheitsgesellschaft und der politischen Linken zum NSU

Wann: 05.03.
Wo: Linxxnet (Bornaische Straße 3d)

Durch das Auffliegen vom NSU zeigte sich wieder wie Medien das Bild der Mehrheitsgesellschaft beeinflussen. So wurde von „Dönermorden“ und „kriminellen Ausländern“ berichtet ohne wirklich die Quellen zu hinterfragen oder objektive Recherche zu betreiben.
Mit dieser Veranstaltung wollen wir mit euch Kritik und Konsequenzen aus der Blindheit oder dem fehlenden Willen, nicht nur der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch der politischen Linken analysieren und somit auch auf unsere eigenen Fehler aufmerksam machen. Die Veranstaltung wird vom Apabiz vorgestellt.

Workshop Rechtsterrorismus, Mediale Berichterstattung und politische Konsequenzen aus dem NSU

Wann: 15.03., 15 Uhr
Wo: Linxxnet (Bornaische Straße 3d)

Der NSU stellte laut Aussagen vieler Politiker_innen eine neue Qualität rechter Gewalt in Deutschland dar. Eine Vielzahl neonazistische Anschläge und rechtsterroristische Gruppen der deutschen Geschichte belegen die Falschheit dieser Aussage. Der Workshop will zeigen, dass Rechtsterrorismus in Deutschland eine lange Tradition hat. Weiterhin sollen die (rassistische) mediale Berichterstattung während und nach der Morde und Taten beleuchtet werden. Letzter Schwerpunkt sind bisher diskutierte und umgesetzte politische Konsequenzen, welche aus einer antirassistischen und antifaschistischen Perspektive analysiert und bewertet werden sollen.
Der Workshop wird gegen 20 Uhr enden. Für Essen wird gesorgt sein. Bitte meldet euch verbindlich unter initiativkreis@riseup.net an.

Die Veranstaltungsreihe wird organisiert von Rassismus tötet! Leipzig. Weitere Info’s unter www.rassismus-toetet-leipzig.org

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Leipzig-Schönefeld: Solidarität mit den Geflüchteten & Gegen jeden Rassismus!

Wir sind Teil des neu gegründeten Solidaritätsbündnisses „Refugees Welcome! Leipzig“ und unterstützen die Kundgebung am Mittwoch dem 04.12 und die Proteste gegen den Naziaufmarsch am 07.12. Weitere Infos gibt’s unter http://refugeeswelcome.blogsport.eu/

Kommt zur Solidaritätskundgebung für die Geflüchteten in Schönefeld am Mittwoch ab 9 Uhr bis Abends // Am Samstag, den 4.12. ab vormittags: Naziaufmarsch verhindern! // Aufruf: Solidarität mit den Geflüchteten & Gegen jeden Rassismus! // Flyer zum Downloaden, Ausdrucken & Verteilen// Infoveranstaltung Freitag, den 6.12. 13 Uhr, am StuRa auf dem Centralcampus // refugeeswelcome.blogsport.eu // facebook.com/refugees.welcome.leipzig // @refugeeswlcm_le

 

Nach dem Bekanntwerden der Eröffnung der Unterkunft kam es in den vergangenen drei Wochen zu Protesten durch die NPD und rassistisch eingestellte Bürger_innen, die gegen die Einrichtung sowie Asylsuchende selbst mobilisierten. So kam es schon am 18. November zu einer NPD-Kundgebung direkt neben dem ehemaligen Gymnasium, bei dem bekannte NPD-Kader und rassistische Bürger_innen gegen die Einrichtung, die Stadtverwaltung und die Geflüchteten hetzten. Der Höhepunkt dieser menschenfeindlichen Stimmungsmache war die Mobilisierung der Rassist_innen am darauf folgenden Montag, dem 25. November. Im Vorfeld einer Informationsveranstaltung der Stadt kam es nicht nur zu einer kurzfristigen Mahnwache der NPD, sondern auch zu einem Fackelmarsch, einer angeblichen Elterninitiative, an dem sich ca. 100 Personen beteiligten. Bei der Informationsveranstaltung kam es zu massiven rassistischen Ausfällen gegen Geflüchtete, verbaler Bedrohung seitens der anwesenden Rassist_innen gegenüber Vertreter_innen der Stadt und gegenüber anwesenden Unterstützer_innen für Refugees.

In den kommenden Tagen wird in Leipzig-Schönefeld viel passieren, informiert euch hier:

4.12. – 9 Uhr bis Abends – Solidaritätskundgeung mit den Geflüchteten

Ab Mittwoch, dem 04. Dezember, wird das Bündnis “Refugees Welcome! Leipzig”, an dem sich eine Vielzahl antirassistischer und antifaschistischer Initiativen beteiligen, eine Kundgebung auf der Grünfläche gegenüber der temporären Asylsuchenden-Unterkunft (ehemaliges Fechner-Gymnasium, Löbauer Str. 46) durchführen. Ab 9 Uhr werden wir mit einem Informationszelt vor Ort sein, das bis in die späten Abend bestehen soll. Außerdem wird für heißes Essen und Getränke gesorgt sein. Wir begrüßen außerdem, dass sich die “Willkommensinitiative Schönefeld”, ein Zusammenschluss bestehender Strukturen des Stadtteils, unserer Aktion angeschlossen hat.

Wir wollen den Einzug der Asylsuchenden am 4. Dezember zum Anlass nehmen, um diese willkommen zu heißen und die Bürger_innen des Stadtteils über das Asylsystem der BRD zu informieren. Wenn in den folgenden beiden Wochen (am 11. Dezember sowie am 18. Dezember) die Ankunft weiterer Menschen erwartet wird, werden wir ebenfalls präsent sein. Die Veranstaltung soll ein Initiative für ein Klima des Willkommens sein und deutlich machen, dass wir uns für ein Recht auf menschenwürdiges sowie selbstbestimmtes Leben einsetzen. Gleichzeitig dient die Kundgebung als Anlaufpunkt für alle, die sich der rassistischen Hetze vor Ort entgegenstellen wollen. Wir werden nicht noch einmal zulassen, dass sich rassistische Bürger_innen zusammen mit der NPD versammeln und Geflüchtete gefährden. Zur Durchführung der Veranstaltungen ist Support notwendig, kommt daher zur Kundgebung oder informiert euch im Vorfeld darüber, wie ihr helfen könnt!

7.12. LE-Schönefeld: Naziaufmarsch verhindern! Refugees Welcome & Gegen jede rassistische Mobilisierung.

Nach dem Bekanntwerden der Eröffnung der Unterkunft kam es in den vergangenen drei Wochen zu Protesten durch die NPD und rassistisch eingestellte Bürger_innen, die gegen die Einrichtung sowie Asylsuchende selbst mobilisierten. So kam es schon am 18. November zu einer NPD-Kundgebung direkt neben dem ehemaligen Gymnasium, bei dem bekannte NPD-Kader und rassistische Bürger_innen gegen die Einrichtung, die Stadtverwaltung und die Geflüchteten hetzten. Der Höhepunkt dieser menschenfeindlichen Stimmungsmache war die Mobilisierung der Rassist_innen am darauf folgenden Montag, dem 25. November. Im Vorfeld einer Informationsveranstaltung der Stadt kam es nicht nur zu einer kurzfristigen Mahnwache der NPD, sondern auch zu einem Fackelmarsch, einer angeblichen Elterninitiative, an dem sich ca. 100 Personen beteiligten. Bei der Informationsveranstaltung kam es zu massiven rassistischen Ausfällen gegen Geflüchtete, verbaler Bedrohung seitens der anwesenden Rassist_innen gegenüber Vertreter_innen der Stadt und gegenüber anwesenden Unterstützer_innen für Refugees.

Für den kommenden Samstag hat die NPD nun eine Demonstration unter dem Motto „Kinderschutz vor Asylrecht“ angemeldet, deren Route um 12 Uhr am Stannebeinplatz beginnt und über die Gorkistraße in Richtung der Asylsuchendenunterkunft führen soll. Dabei zielt die rassistische Hetze der NPD und der angeblichen “Elterninitiative” wiederholt darauf, die Schüler_innen der angrenzenden Grundschule für die Verbreitung rassistischer Stereotype gegen Asylsuchenden zu benutzen.

Den kompletten Aufruf zu den kommenden Aktionen findet ihr hier.

Flyer zum Downloaden, Ausdrucken & Verteilen findet ihr hier.

Am Freitag wird es noch eine kurze Infoveranstaltung zu den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am Samstag geben. Alles dazu und weitere Demotipps gibt es hier.

Außerdem noch einmal der Hinweis auf unsere ausführlichen Pressespiegel und die Pressemitteilungen des Bündnisses “Refugees Welcome! Leipzig”.

Quelle und weitere Infos: http://refugeeswelcome.blogsport.eu/

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16.11. Refugees welcome! – Gegen den rassistischen Mob in Schneeberg und überall! II

Wir unterstützen den Aufruf für die bundesweite antirassistische Demonstration am 16.11.13 in Schneeberg. Infos unter http://refugeeswelcome.blogsport.eu/

Bereits zum zweiten mal in Folge zogen am 2. November 2013 tausende Menschen durch die sächsische Stadt Schneeberg, um mit einem Fackelmarsch, den sie “Lichtellauf” nennen, gegen ein Erstaufnahmelager für Asylsuchende vor den Toren der Stadt zu demonstrieren. Angemeldet und organisiert wurde der Aufmarsch, wie bereits zuvor, von lokalen NPD-Kadern, um die Nazis Stefan Hartung und Rico Illert.

Wir sind entsetzt! Doch wir werden nicht tatenlos zusehen, weil wir nicht warten dürfen, bis sich das Unfassbare wiederholt. Weil wir nicht warten dürfen, bis die Rassist_innen ihren Worten Taten folgen lassen, und der Hass wieder in Gewalt umschlägt. In diesem Moment ist es die verdammte Pflicht eines jeden Menschen, der auch nur einen Funken Anstand in sich trägt, sich an die Seite derer zu stellen, die mit der Fackel bedroht werden. Und es ist unsere Pflicht all jene mit allen Mitteln in die Schranken zu weisen, die mit verachtenswertem Hass geistige oder tatsächliche Feuer legen. In Rackwitz. In Berlin-Hellersdorf. In Greiz. Und jetzt auch in Schneeberg!

“Schneeberg kommt nicht zur Ruhe”: So, oder so ähnlich titelte eine sächsische Regionalzeitung in den Tagen nach dem zweiten Schneeberger “Lichtellauf”. Über 2.000 Bürger_innen, organisierte und unorganisierte Nazis, also doppelt so viele wie noch zwei Wochen zuvor, zogen mit Fackeln bewaffnet und unter “Wir sind das Volk!”-Rufen durch die Straßen der Stadt im Erzgebirge. Sie waren erneut dem Ruf der NPD gefolgt, die seit Wochen mit Hilfe der Bürgerinitiative “Schneeberg wehrt sich!” rassistische Hetze gegen die in der ehemaligen “Jägerkaserne” untergebrachten Menschen betreibt. Diese wurden in die einstige Bundeswehrkaserne gebracht, nachdem es in der “Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge”, kurz ZASt, in Chemnitz, aufgrund unmenschlicher Bedingungen und heilloser Überfüllung, zu Auseinandersetzungen kam.
Gestört wurde die Ruhe von einigen hundert Antifaschist_innen und Antirassist_innen, die sich das unsägliche Treiben in Schneeberg nicht länger tatenlos anschauen wollten. Doch nicht einmal das Bedürfnis nach Ruhe, das in Städten wie Schneeberg besonders ausgeprägt zu sein scheint, hält Teile der Bevölkerung davon ab, sich mit den Nazis gemein zu machen. Dementsprechend ruft die Bürgerinitiative für den 16. November ein weiteres Mal zum Fackelmarsch auf.

Die Bürgerinitiative betreibt ihre menschenfeindliche Stimmungsmache jedoch nicht allein auf Fackelmärschen, sondern vor allem über eine Vernetzung auf der social-media-Plattform Facebook. In der Gruppe “Schneeberg wehrt sich!”, die mittlerweile über 3.000 Mitglieder zählt, werden rege Gerüchte und Lügen ausgetauscht, die in erschreckender Weise an die 1992 verbreiteten “Geschichten” um die ZASt in Rostock-Lichtenhagen erinnern. Gleichzeitig wird sich über vermeintliche Intransparenz und angebliche Verschleierungstaktiken beschwert und man rückt überhaupt ganz nah zusammen gegen all jene, die die eigenen rassistischen Ressentiments nicht teilen oder ihnen gar zu widersprechen versuchen. Aus dieser Stimmung im Ort und in der Facebook-Gruppe heraus brüstet sich die NPD damit, einen Bürger_innen-Entscheid herbeiführen zu wollen. Sie weiß doch den rassistischen Mob hinter sich. So gelingt es der NPD die rassistischen Ressentiments der Schneeberger Bürger_innen zu bedienen und sich gleichzeitig als friedliebende, demokratische und besorgte Bürger_innen-Vereinigung zu inszenieren. Bislang scheinen Hartung und Illert dieses Bild auch aufrecht erhalten zu können, da sie ihre Fußtruppen, die aus ganz Sachsen nach Schneeberg reisen, ganz gut im bürgernahen Griff haben. Die Frage ist allerdings: Wie lange noch? In der Zwischenzeit gründete sich bei Facebook eine weitere Gruppe, die, nach eigenem Bekunden, den Asylsuchenden im nächsten Monat noch deutlicher zeigen will, dass sie in Schneeberg nicht toleriert werden.

Während der rassistische Protest immer weiter anwächst, sich in seinen Protestformen sogar ausdifferenziert, stehen Lokalpolitik und -presse immer noch vor der Frage, warum sich niemand von der Bürgerinitiative abwendet, wo doch mittlerweile klar sein sollte, dass es sich um eine von der NPD organisierte Vereinigung handelt. Dabei reicht ein Blick in die jüngere deutsche Geschichte im Allgemeinen und in die der Stadt Schneeberg im Besonderen um zu erkennen, dass es noch nie der Hilfe rechter Parteien bedurfte um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Wort und Tat sich Bahn brechen zu lassen. Bereits im Jahr 2010, als die “Jägerkaserne” schon einmal zeitweilig als Lager für Geflüchtete aus Mazedonien diente, formierte sich rasch Widerstand auf breiter Front: “Besorgte Bürger_innen”, Nazis und NPD sowie der damalige wie heutige CDU-Bürgermeister Schneebergs, Frieder Stimpel, standen schon damals Seite an Seite gegen die Asylsuchenden. Stimpel, der heute aus Angst um den Ruf seiner Stadt zu Besonnenheit und Menschlichkeit mahnt, warnte damals vor steigender Kriminalität und finanziellen Schäden für den Wirtschaftsstandort Schneeberg. Ganz so, wie es heute Hartung und Konsorten tun.

Doch auch wenn die Situation in Schneeberg, in der Größe des Fackelmarsches und in ihrer Nähe zu offensichtlichen Nazis, eine besondere ist: Schneeberg ist kein Einzelfall. Nachdem in Deutschland die Aufnahmekapazitäten für Asylsuchende, basierend auf dem damaligen Tiefststand von 2007, drastisch reduziert worden sind, eröffneten in der vergangenen Zeit vermehrt neue oder schon einmal genutzte Unterkünfte für Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen wollen. Dieser Umstand löste in vielen Bereichen eine, an die 1990er Jahre erinnernde, “Das Boot ist voll”-Rhetorik aus. In diesem Moment des bisher latenten, aber jetzt offen zu Tage tretenden Rassismus, sind sich NPD und andere Rassist_innen an vielen Orten einig. Ihre Strategie ist dabei stets dieselbe. Unter dem, mehr oder weniger gut zur Tarnung geeigneten, Deckmantel einer Bürgerinitiative machen Nazis gegen eine Asylunterkunft mobil und bedienen im Internet und bei Bürgerversammlungen die Ressentiments derer, die sich bis dahin dem gesellschaftlichen Tabu allzu offener Menschenfeindlichkeit unterworfen haben. Gegenargumente und Rufe zur Besonnenheit werden dann, mit dem Verweis auf “Volkes Stimme”, niedergeschrien, und als Lösung des Problems wird, wie in Rackwitz oder Berlin-Hellersdorf, schon mal das Niederbrennen der betreffenden Gebäude angeboten.

Diese Proteste sind, in all ihrer Widerwärtigkeit, leider nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Der strukturelle und institutionelle, der alltägliche Rassismus, der die Praxis der sogenannten Ausländerbehörden bestimmt, ist die Grundlage für das, was in Greiz, in Luckenwalde, in Essen, was gerade überall in Deutschland geschieht. Menschen, die in Deutschland um Asyl bitten, werden in alte Schulen, verlassene Kasernen, an entlegene Orte geschafft. Mit Unterkünften, die Gefängnissen gleichen, wird klar gemacht, dass man hier alles andere als willkommen ist. Dass sich die autochthone Bevölkerung, mit ihrem kleinstädtischen Charakter in Kopf und Vorgarten, gegen diese Menschen wendet, ist dabei vielleicht gewünschter, mindestens aber geduldeter Nebeneffekt. Alternative Konzepte wie die dezentrale Unterbringung oder gar ein selbstbestimmtes Wohnen schon während des Asylverfahrens kommen so selten oder nie zur Anwendung. Zu groß scheint die Gefahr, dass sich andere Menschen mit den Geflüchteten anfreunden, ihnen Rechtsbeistand verschaffen, versuchen ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen, kurz sich mit ihnen solidarisch zeigen.

In der Gesamtheit der Vorgänge, die sich gegen Asylsuchendenheime richten, zeigt sich ein unverkennbares Bedrohungspotential. Ob als Brandanschlag, als Demonstration und Fackelmarsch, oder in Form von Politiker_innen, die von Kapazitätsgrenzen und unzumutbaren Belastungen reden: Überall da wo sich ein Anlass bietet, bricht sich im Jahr 2013 die hässliche Fratze des Rassismus bahn. Und angesichts der Menge und der Artikulationsformen kommen wir kaum umhin, Parallelen zu den 1990er Jahren der Nachwendezeit zu ziehen, als anfängliche Proteste sich zu einem Flächenbrand entwickelten und schließlich in den Pogromen und tödlichen Brandanschlägen von Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Solingen, Mölln, Leipzig und all den anderen Städten mündeten. Und deren Ergebnis die faktische Abschaffung des Asylrechts war. Ganz ähnlich dem, was gerade zu befürchten ist, wenn Sachsens Innenminister Markus Ulbig, als Reaktion auf die rassistischen Proteste, sich für eine restriktivere Handhabung des Asylverfahrens stark macht, und sich damit wieder einmal dem Druck der Straße beugt.

So wichtig es ist, in Schneeberg ein deutliches und konsequentes Zeichen gegen den rassistischen Mob zu setzen, um zu verhindern, dass das Schneeberger Beispiel Schule macht und sich die aktuelle Situation endgültig zu einem Flächenbrand entwickelt: Wir dürfen dabei nicht stehen bleiben! Unser Kampf muss all jenen gelten, die – ob in den Amtsstuben mit dem Stempel oder auf der Straße mit der Fackel in der Hand – den Einzelnen ihre Chance auf ein gutes Leben verweigern wollen. Aus diesem Grund rufen wir für Samstag, den 16. November 2013 zu einer bundesweiten Demonstration nach Schneeberg auf. Um uns dem rassistischen Mob in den Weg zu stellen. Und um deutlich zu machen, dass wir einer weiteren Verschärfung des Asylrechts nicht tatenlos zusehen werden.

Deshalb fordern wir selbstbestimmtes Wohnen für Asylsuchende und ein Bleiberecht für Alle! Die bundesweite Abschaffung der Residenzpflicht, des Arbeitsverbots und des Gutscheinzwangs. Ein Ende der Kriminalisierung von Antirassist_innen und der Solidaritätsarbeit. Eine deutliches Zeichen der Solidarität mit allen Geflüchteten und Schluss mit der rassistischen Hetze!

Bundesweite Demonstration
Samstag, 16.11.2013, 15:00 Uhr
Kobaltstraße Ecke Karlsbader Straße
Schneeberg/ Sachsen

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Vorlesungsreihe: Flucht und Asyl

Wir wollen an dieser Stelle auf die interessante Vorlesungsreihe der Hochschulgruppe Amnesty International hinweisen:

Flucht und Asyl werfen nicht erst seit dem Ertrinken Hunderter Flüchtlinge vor Lampedusa drängende Fragen auf. Die Hochschulgruppe von Amnesty International bietet zu dem Thema eine Vorlesungsreihe an:

(Alle Veranstaltungen finden im Hörsaal 5 der Uni Leipzig statt)

04.11.13 19 Uhr (HS 5): Situation Asylsuchender in Leipzig und Sachsen Residenzpflicht, Heimunterbringung, Gutscheinversorgung und menschenunwürdige Sozialleistungen sind Instrumente der Ausgrenzung mit denen Asylsuchende in Sachsen und Leipzig konfrontiert werden. Die willkürliche Verteilung auf die Landkreise und somit die Entscheidung, mit welchen Lebensbedingungen sich geflüchtete Personen zwangsweise arrangieren müssen, prägt die Situation dieser Menschen oft jahrelang. Dabei kommen verschiedene Fragen auf: Wie sieht die behördliche Praxis in den einzelnen Landkreisen aus? Wie werden die Lebensbedingungen der Flüchtlinge vor Ort durch Behörden und deren MitarbeiterInnen beeinflusst? Was erwartet AsylbewerberInnen, die in Leipzig untergebracht werden? Wie gestaltet sich der Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Bildung oder zum Arbeitsmarkt? VertreterInnen des Sächsischen Flüchtlingsrates und Leipziger AktivistInnen werden in ihren Vorträgen diese und weitere Themen betrachten und somit einen Einblick geben, inwieweit Sachsen und Leipzig ihren humanitären und menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommen.

11.11.13 19 Uhr (HS 5): Traumatisierung und Identitätsentwicklung in der Fremde. Interkulturelle Psychotherapie mit Flüchtlingen und MigrantInnen Referentin: Priv.-Doz. Dr. med. Iris Tatjana Graef-Calliess Flüchtlinge und Asylsuchende sind aufgrund ihrer Erfahrungen im Heimatland oft emotional schwer belastet. Gewalt, Verfolgung und Krieg zwingen sie häufig zur Flucht aus ihrer Heimat und können zu gravierenden seelischen Traumatisierungen führen. Oftmals ist das Aufnahmeland jedoch kein Ort der Sicherheit und Erholung, sondern belastet die Geflüchteten zusätzlich. Ein unsicherer Aufenthaltsstatus, Arbeitsverbot, sprachliche Barrieren, prekäre Bedingungen in Lagern bzw. Gemeinschaftsunterkünften, Residenzpflicht und soziale Isolation führen zu einer weiteren Destabilisierung und unter Umständen sogar Retraumatisierung. So bedeutet die anhaltende Unsicherheit im Erleben der MigrantInnen gerade bei traumatischen Erfahrungen oft einen Verbleib in der bedrohlichen, traumatisierenden Situation, der nicht entkommen werden kann. Das wiederum schränkt die subjektiven Handlungsmöglichkeiten massiv ein und verstärkt die sowieso schon objektiv vorhandenen Einschränkungen deutlich. Gegenüber diesen Problemen fühlen sich die Flüchtlinge meist ohnmächtig und hilflos. Die Vorlesung gibt einen Einblick in die interkulturelle Psychotherapie von Asylsuchenden und Menschen mit Migrationshintergrund und ihre spezifischen Besonderheiten.

18.11.13 19 Uhr (HS 5): Festung Europa?! Europäische Grenzschutzpoitik Referent: Bernd Kasparek Immer wieder berichten die Medien von Flüchtlingsströmen nach Europa. Warum kommen so viele von ihnen erst spät, oder nie an ihrem erhofften Fluchtziel an? Wie sieht eigentlich das europäische Asylsystem aus? Wie ist das europäische Grenzregime darin einzuordnen und welche Rolle spielen Frontex, die Dublin II-Verordnung und das Schengen-Abkommen? Diese und viele weitere Fragen wird Bernd Kasparek, Spezialist auf dem Gebiet „Europäische Grenz- und Migrationsregime“ zu beantworten versuchen.

25.11.13 19 Uhr (HS 5): Europäische Asylpolitik Referent: Wolfgang Grenz Angesprochen werden insbesondere Fragen nach der Zukunft des Rechts auf Asyl in Europa: Wie steht es zum Beispiel um die Verwirklichung eines „einheitlichen europäischen Asylsystems“, jüngste Reformen und die Wechselwirkung zwischen europäischer Politik und Gesetzgebung und dem deutschen Asylverfahren?

09.12.13 19 Uhr (HS 5): Klimaflüchtlinge als Paradox internationaler Politik Referent: Chris Methmann Die Forschung ist sich einig: Eigentlich ist es unmöglich, Migration und Flucht auf klimatische Veränderungen zurückzuführen. Dennoch haben die „Klimaflüchtlinge“ eine steile Karriere hingelegt. So wurden sie zum Beispiel mehrfach im UN-Sicherheitsrat thematisiert. Der Vortrag widmet sich drei Fragen: Was wissen wir über Klimaflucht und -migration? Wie erklärt sich die Themenkonjunktur? Und was sind ihre politischen Auswirkungen?

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02.11. Refugees welcome! – Gegen den rassistischen Mob in Schneeberg und überall!

Wir unterstützen den Aufruf für eine antirassistische und antifaschistische Intervention in Schneeberg am 02.11.2013.

Am Abend des 19. Oktober zog eine Demonstration aus Bürger_Innen, organisierten und unorganisierten Nazis durch die sächsische Stadt  Schneeberg, um gegen eine Erstaufnahmestelle für Asylsuchende zu  protestieren. Angaben über die Größe des „Lichtellauf“ genannten Fackelmarsches schwanken zwischen 800 und 1500 Teilnehmer_innen. Doch die tatsächliche Größe des Aufmarsches spielt im Grunde genommen gar keine Rolle. Viel zu viele Bürger_innen und Nazis – Schwestern im  Geiste – zogen Seite an Seite nachts durch die Straßen um mit der symbolischen Fackel in der Hand, keinen Zweifel daran zu lassen, zu  welchen Untaten sie bereit sind. Wir sind entsetzt und wütend!

Doch wir werden nicht tatenlos zusehen, weil wir nicht warten dürfen, bis sich das Unfassbare wiederholt. Weil wir nicht warten dürfen, bis die  Rassist_innen ihren Worten Taten folgen lassen, und der Hass wieder in Gewalt umschlägt. In diesem Moment ist es die verdammte Pflicht eines  jeden Menschen, der auch nur einen Funken Anstand in sich trägt, sich schützend vor jene zu stellen, die mit der Fackel bedroht werden. Und es ist unsere Pflicht all jene mit allen Mitteln in die Schranken zu  weisen, die mit verachtenswertem Hass geistige oder tatsächliche Feuer legen. In Rackwitz. In Berlin-Hellersdorf. In Greiz. Und jetzt auch in Schneeberg!

Es ist schlimm genug, dass die gängige Praxis, Asylsuchende auf entlegene Orte zu schaffen, nur vereinzelte und deshalb leise Kritik nach sich zieht. Dabei ist es genau diese Praxis, die – in  den Amtsstuben erdacht- verhindern soll, dass sich andere Menschen mit  den Geflüchteten solidarisieren, sich mit ihnen anfreunden, ihnen ein  anständiges Leben ermöglichen. Stattdessen ist es vielleicht  gewünschter, mindestens aber geduldeter Nebeneffekt, dass die  Bevölkerung vor Ort sich gegen die Heimbewohner_innen wendet und im  schlimmsten – dem Schneeberger Fall – zur Fackel greift und zur Tat  schreitet. Die Menschen, die in der Schneeberger „Jägerkaserne“ unter  menschen- unwürdigen Bedingungen leben müssen, und gegen die sich der  Protest richtet, sind also nicht allein. Sie teilen das Schicksal mit  Geflüchteten in ganz Deutschland. Doch was derzeit in Schneeberg  geschieht hat eine besondere Qualität. Hinter der Initiative „Schneeberg  wehrt sich“ stecken führende NPD-Kader aus der Region. Auf Facebook verbreitet die mittlerweile fast 3.000 Mitglieder starke Gruppe  Gerüchte und Lügen, die in erschreckender Weise an die 1992 verbreiteten  „Geschichten“ um die ZAST in Rostock-Lichtenhagen erinnern. Gleichzeitig brüstet sich die Gruppe damit einen Bürgerentscheid herbeiführen zu wollen. So gelang es der NPD und den anderen  Rassist_innen die Ressentiments der Menschen vor Ort zu bedienen und sich gleichzeitig als friedliebende, demokratische und besorgte Bürgervereinigung zu inszenieren. Dass sich die Initiative mittlerweile gar nicht mehr darum bemüht das Offensichtliche zu verheimlichen und sich die Schneeberger Bürger_innen immer noch nicht von der Gruppe um die NPD-Nazis Stefan Hartung und Rico Illert distanzieren, ist entlarvend. Denn wenn Nazis den Bürgerentscheid fordern und sich für die Demokratie stark machen, dann nur, weil sie den rassistischen Mob hinter sich wissen.

Für den kommenden Samstag hat die NPD nun einen neuerlichen Fackelmarsch angemeldet und es ist zu erwarten, dass sich noch mehr Rassist_innen und Nazis zusammenfinden werden, um ihr menschenverachtendes Weltbild auf die Straße zu tragen. Für uns heißt es  deshalb, sich dem Schneeberger Treiben entgegenzustellen und unsere Solidarität mit den Geflüchteten deutlich zu machen. Um Schlimmeres zu verhindern. Weil Rostock nicht vergessen ist!

Deshalb fordern wir  die dezentrale Unterbringung aller Asylsuchenden und ein Bleiberecht für Alle! Die bundesweite Abschaffung der Residenzpflicht, des  Arbeitsverbots und des Gutscheinzwangs. Ein Ende der Kriminalisierung von Antirassist_innen und der Solidaritätsarbeit. Eine deutliches  Zeichen der Solidarität mit allen Geflüchteten und Schluss mit der rassistischen Hetze!

Samstag, 02.11.2013, 16:30 Uhr
Antirassistische Demonstration
Hundshüblerstr. Ecke Eibenstockstr.
Schneeberg/ Sachsen

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„Sachsen braucht eine neue Unterbringungspolitik – keine neuen Heime!“

Ge­mein­sa­me Stel­lung­nah­me des In­itia­tiv­krei­ses: Men­schen.Wür­dig. aus Leip­zig und des Netz­werks Asyl Mi­gra­ti­on Flucht Dres­den (NAMF) zur der­zei­ti­gen Dis­kus­si­on um die Un­ter­brin­gung von Asyl­su­chen­den und die ras­sis­ti­schen Pro­tes­te gegen Asyl­su­chen­de und Heime in Sach­sen

Auf­grund glo­ba­ler Kon­flik­te steigt die Zahl der Men­schen, die flie­hen müs­sen und an­ders­wo Asyl be­an­tra­gen, in den letz­ten Jah­ren er­heb­lich. Laut Mel­dun­gen der Leip­zi­ger Volks­zei­tung wer­den bis zu 42 neue Heime in Sach­sen be­nö­tigt, um die Zahl zu­ge­wie­se­ner Asyl­su­chen­der un­ter­brin­gen zu kön­nen. Die Re­ak­tio­nen in Deutsch­land sind zu­meist ge­prägt von Pro­tes­ten gegen neue Un­ter­künf­te und von Reden vom so­ge­nann­ten „Asyl­miss­brauch“. Die Ab­leh­nung wird dabei von brei­ten Schich­ten der Be­völ­ke­rung ge­tra­gen

„Die Kom­mu­nen schei­nen dar­auf schlecht vor­be­rei­tet zu sein. Dies über­rascht, weil die Ent­wick­lung der An­trags­zah­len vor­her­seh­bar war. Die Ver­ant­wor­tung dafür liegt auch bei der Un­tä­tig­keit des Frei­staa­tes. Kom­mu­nen und Län­der hät­ten früh­zei­ti­ger re­agie­ren und an­ge­mes­se­ne Un­ter­künf­te be­reit­stel­len kön­nen. So aber su­chen sie der­zeit pa­nisch nach den un­at­trak­tivs­ten Orten. Am Ende wer­den wie­der Mas­sen­un­ter­künf­te ent­ste­hen, die jed­we­der Men­schen­wür­de ent­ge­gen­ste­hen.“, so Ste­fan Stein vom Dres­dner Netz­werk Asyl Mi­gra­ti­on Flucht (NAMF).

Heime und Mas­sen­un­ter­künf­te sind auf­grund ihrer räum­li­chen Iso­la­ti­on immer An­griffs­ob­jekt von Vor­ur­tei­len, Ge­rüch­ten, Ras­sis­men und tät­li­chen An­grif­fen ge­gen­über Be­woh­ne­rIn­nen. Be­reits 1979 wurde im Land­tag von Ba­den-Würt­tem­berg fest­ge­stellt, dass eine Heim­un­ter­brin­gung „so­wohl zu er­heb­li­chen Schwie­rig­kei­ten in­ner­halb des Wohn­heims als auch zu Stö­run­gen im Zu­sam­men­le­ben mit der deut­schen Be­völ­ke­rung füh­ren [kann]. (…) Die zen­tra­li­sier­te Un­ter­brin­gung (…) führt zu einem ge­stei­ger­ten sub­jek­ti­ven Si­cher­heits­be­dürf­nis der Be­völ­ke­rung.“

„Es ver­wun­dert daher nicht, wenn NPD, Freie Kräf­te und an­de­re ras­sis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen mobil ma­chen und gegen Asyl­su­chen­de und die Un­ter­künf­te het­zen. Sie sto­ßen damit auf of­fe­ne Ohren und geben Bür­ge­rIn­nen die Mög­lich­keit, ihren Ras­sis­mus aus­zu­le­ben.“, so Stein.

Die der­zei­ti­ge Lage bun­des­weit wie re­gio­nal ist er­schre­ckend: Es ver­geht kaum ein Tag in der Bun­des­re­pu­blik, ohne dass in der Pres­se von An­grif­fen auf oder Auf­mär­schen vor zu­künf­ti­gen Hei­men zu lesen ist. Bei­spie­le dafür sind Leip­zig-Wah­ren, Rack­witz sowie die Fa­ckel­mär­sche in Schnee­berg oder auch Greiz. Gegen diese Ent­wick­lung gilt es end­lich aktiv zu wer­den.

„Die Pro­ble­me be­ste­hen je­doch nicht nur au­ßer­halb der Un­ter­künf­te in Form ras­sis­ti­scher Mo­bi­li­sie­rung“, so Stein, „Auch in­ner­halb gibt es auf­grund der men­schen­un­wür­di­gen und ge­sund­heits­schäd­li­chen Un­ter­brin­gung Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Asyl­su­chen­den. Heime waren und sind – neben der Auf­nah­me – auch zur Ab­schre­ckung Asyl­su­chen­der ge­dacht. Eine so­ge­nann­te In­te­gra­ti­on und der damit ver­bun­de­ne Aus­tausch mit der ört­li­chen Be­völ­ke­rung wird mit der Un­ter­brin­gung in Hei­men ver­hin­dert.“, so Stein wei­ter.

„Diese Spi­ra­le wird sich so lange wei­ter dre­hen, bis sich ein grund­le­gen­der Wan­del in der Un­ter­brin­gungs­po­li­tik Asyl­su­chen­der in Sach­sen ein­stellt.“, so Kim Schö­nerg vom In­itiait­v­kreis: Men­schen.Wür­dig. in Leip­zig. „Nur ein von den Asyl­su­chen­den selbst­be­stimm­tes Leben in Woh­nun­gen kann dem oben skiz­zier­ten Kreis­lauf ein Ende be­rei­ten. Dabei kann auf be­währ­te Kon­zep­te zu­rück­ge­grif­fen wer­den.“, so Schön­berg wei­ter.

So sind bei­spiels­wei­se in Le­ver­ku­sen bis zu 70 % der Asyl­su­chen­den in ei­ge­nen Woh­nun­gen un­ter­ge­bracht. Diese Woh­nungs­un­ter­brin­gung för­dert den Sprach­er­werb und die In­te­gra­ti­on in das neue Le­bensum­feld sowie den Ar­beits­markt. In­ner­halb die­sen Kon­tak­tes wird der Zu­ge­winn der Zu­wan­de­rung auf per­sön­li­cher Ebene sicht­bar, fern­ab der ma­te­ri­el­len Nutz­bar­ma­chung, wie sie dem säch­si­schen In­nen­mi­nis­ter Mar­kus Ulbig durch die An­er­ken­nung hoch­qua­li­fi­zier­ter Ge­flüch­te­ter vor­schwebt.

„Der Aus­sa­ge des säch­si­schen Aus­län­der­be­auf­trag­ten Mar­tin Gillo kann nicht zu­ge­stimmt wer­den: Sich „wie nor­ma­le Mit-Ein­woh­ner [zu] füh­len und sich genau so [zu] ver­hal­ten“, kann nicht in einer Un­ter­kunft von 50 bis 100 Per­so­nen er­reicht wer­den. Die­ses Ge­fühl ist nur in­ner­halb einer an­säs­si­gen Nach­bar­schaft und in einer ei­ge­nen Woh­nun­gen zu er­lan­gen.“, so Schön­berg.

Um die Un­ter­brin­gung in Woh­nun­gen zu ge­währ­leis­ten, müs­sen Kom­mu­nen, So­zi­al­äm­ter, Ord­nungs­be­hör­den, die Lan­des­re­gie­rung und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu­sam­men­ar­bei­ten. Der Rich­tungs­wan­del ist jetzt mehr als not­wen­dig. Ge­scheh­nis­se wie in Schnee­berg, Gro­ßen­hain oder in Greiz soll­ten uns eine War­nung sein, um Po­gro­me wie An­fang der neun­zi­ger Jahre zu ver­hin­dern und das Leben der Asyl­su­chen­den men­schen­wür­dig zu ge­stal­ten.

In­itia­tiv­kreis: Men­schen.Wür­dig. Leip­zig und Netzwerk Asyl Migration Flucht Dresden, 29.10.2013
29.10.2013

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800 Menschen erinnern an rechte Gewalt und den Mord an Kamal K.

Mehr als 800 Menschen nahmen am Samstag, dem 26.10.2013, an der von der Gruppe “Rassismus tötet!”-Leipzig organisierten Gedenkdemonstration “Remembering means fighting” teil. Die Demonstration fand zwei Tage nach dem dritten Jahrestag des Mordes an Kamal K. statt. Mitglieder der Familie und Freund_innen führten die Demonstration an.  

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Eröffnung des ersten Gedenkortes für Opfer rechter Gewalt in Leipzig

Fast hätte die Ästhetik der Politik einen Strich durch die Rechnung gemacht: Der erste Entwurf für einen Gedenkstein, mit dem im Dr.-Müller-Park gegenüber des Hauptbahnhofs in Leipzig an einen rassistischen Mord und dessen Opfer erinnert werden sollte, wurde von den Denkmalschützern abgelehnt.

Der Park, in dem in der Nacht des 24. Oktober 2010 der junge Iraker Kamal K. von zwei Neonazis erstochen wurde, ist als Denkmal geschützt; der Stein, der ein aufgeschlagenes Buch zeigen sollte, wurde als unpassend erachtet.

Nun wurde, rechtzeitig zum dritten Jahrestag des Mordes, am Donnerstag doch ein Gedenkstein eingeweiht: ein weniger auffälligerer Findling mit einer Glasplatte. Der Text darauf zitiert die Mutter des damals 19 Jahre alten Kamal, eines koptischen Christen, der nach Deutschland geflohen war. Sie habe stets um ihre Söhne gebangt und diese etwa gemahnt, Straßen vorsichtig zu queren, erinnert sich die Frau in rührenden Worten. Statt dessen sei Kamal Opfer einer »rassistischen Ideologie« geworden. »Mir fehlen«, schließt der Text, »sein Lachen und seine Träume.«

Der Gedenkstein, der am Fußweg zwischen Bahnhof und Innenstadt steht, ist hartnäckigem Engagement einiger Leipziger Bürger und Initiativen geschuldet. Zunächst hatte das Rathaus auf vorhandene Erinnerungsorte für NS-Opfer verwiesen. Eine »AG Erinnerungspolitik« hielt das nicht für ausreichend. Das Gremium, in dem der Migrantenbeirat und die Opferberatung sowie das städtische Zentrum für demokratische Bildung mitarbeiteten, entwickelte Ideen für einen eigenen Gedenkort. Kamals Familie sei einbezogen worden, sagt Juliane Nagel, Stadträtin der LINKEN.

Ein Bildhauer setzte den Entwurf schließlich um – der dann indes von der AG »Kunst am Bau« als nicht passend eingestuft wurde. Einen Durchbruch brachte erst ein Gespräch von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit der Familie im September. Nur vier Wochen später wurde jetzt der Erinnerungsort eingeweiht.

Neben Kamal K., dessen Mörder 2011 zu drei und 13 Jahren Haft verurteilt wurden, starben seit 1990 in Leipzig fünf weiteren Menschen nach Übergriffen von Neonazis. Die offizielle Statistik verzeichnet nur drei rassistische Morde. Daneben mussten aber ein Wohnungsloser, ein Homosexueller und ein sozial benachteiligter Mann ihr Leben lassen.

Darüber hinaus verweist die Kampagne »Rassismus tötet« auf weitere drei Verdachtsfälle. Sie sieht Leipzig damit bundesweit auf Platz zwei der Statistik rechter Morde. Die Einweihung des Gedenkortes sei »ein wichtiger, jedoch nur ersten Schritt auf dem Weg zur Etablierung einer eigenen Erinnerungskultur«, sagt daher Maximilian Schmidt, Sprecher der Kampagne, die für Samstag um 14 Uhr zu einer Demonstration aus Anlass des Todestages aufruft.

Ähnlich sieht man das bei der »AG Erinnerungspolitik«. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, nun auch Erinnerungsorte für die fünf weiteren Naziopfer zu schaffen: »Wir wollen ihnen Gesicht und Namen geben«, sagt Juliane Nagel.

von Hendrik Lasch, Neues Deutschland vom 26.10.2013