Mindestens 150 Menschen haben in Deutschland seit 1990 ihr Leben durch rechte und rassistische Gewalt verloren. Einschüchterung und Bedrohungen sind insbesondere in Sachsen Alltag für die, die nicht ins Weltbild von RassistInnen, SozialdarwinistInnen, Homophoben und AntisemitInnen passen. Die offizielle Politik allerdings tut sich schwer bei der Anerkennung der von Gewalt betroffenen. In Polizeibehörden, Rathäusern und Gerichtssälen herrscht auch nach Öffentlichwerden der Gewalttaten des NSU eine Mentalität der Bagatellisierung- und Vertuschung vor.
In der Veranstaltung wird der Frage nachgegangen warum und wie die politisch Verantwortlichen und Behörden sich darin üben rechte und rassistische Gewalt unter den Teppich zu kehren. Ausserdem werden die rechtsmotivierten Morde in Leipzig beleuchtet.
In der Gesellschaft ist der Aufschrei, den die Zwickauer Neonazi-Zelle nach sich zog, verhallt. Doch wie konnte es soweit kommen? Die Blutspur des braunen Terrors führt bis ins Jahr 1980 zurück. Damals zündet die “Wehrsportgruppe Hoffmann” auf dem Oktoberfest eine Bombe (13 Tote). Nach dem Mauerfall folgen fremdenfeindliche Anschläge in Rostock, Solingen und Mölln. Die Doku zeichnet die Geschichte rechtsextremer Gewalt seit den 1980er-Jahren nach.
Am 27.10.2012 findet in Leipzig eine Demonstration unter dem Motto “Never Forgive Never Forget – Remembering means fighting” statt. Sie ist Teil der Rassismus Tötet! Kampagne, die auch in Leipzig zu Rassismus und dem Gedenken der Opfer von rechter Gewalt arbeitet. Mit der Demonstration wollen wir an die von Nazis ermordeten Menschen erinnern und die rassistische Durchdringung dieser Gesellschaft kritisieren. Der Vortrag versucht die Situation in Leipzig und in Sachsen in den Kontext der deutschen Zustände zu setzen.
Am 29. Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Körper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumänische Staatsbürger handelt. Sie werden bei dem Versuch, die europäische Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen. Diese geben an, die Menschen mit Wildschweinen verwechselt zu haben. Vier Jahre später beginnt der Prozess. Welcher der Jäger den tödlichen Schuss abgegeben hat, lässt sich nie beweisen. Das Urteil: Freispruch. dpa meldet: „Aus Rumänien ist niemand zur Urteilsverkündung angereist.“
In den Akten stehen die Namen und Adressen von Grigore Velcu und Eudache Calderar. Ihre Familien wussten nicht, dass jemals ein Prozess stattgefunden hat.
Mit REVISION wird ein juristisch abgeschlossener Kriminalfall einer filmischen Revision unterzogen, die Orte, Personen und Erinnerungen miteinander verknüpft und ein fragiles Geflecht aus Versionen und Perspektiven einer „europäischen Geschichte“ ergibt.
| Leipzig | Cineding | 27.09.-3.10.2012 | |||||
| Leipzig | Schaubühne | 20.09.-26.09.2012 |
http://www.realfictionfilme.de/filme/revision/index.php
Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler Bürger_innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im ostsächsischen Hoyerswerda an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis schließlich alle Heimbewohner_innen aus der Stadt gebracht wurden. Die Ausschreitungen von Hoyerswerda waren das erste rassistisch Pogrom nach der Wende und gelten als Startpunkt für zahlreiche rassistische Ausschreitungen, u.a. in Rostock und Mannheim sowie die Verschärfung des staatlichen Rassismus.
Das Gros der Stadtpolitik und -bevölkerung von Hoyerswerda verweigert auch heute einer kritischen Aufarbeitung der Ereignisse von 1991 und einer Würdigung der Betroffenen. Ehemalige Bewohner_innen der Heime, die die Orte des Geschehens im vergangenen Jahr besuchten, waren mit rassistischen Pöbeleien und sogar einem Übergriff konfrontiert.
Zur Unterstützung der Bemühungen um eine kritische Aufarbeitung des Progroms von 1991 und einer Auseinandersetzung mit Ignoranz und rassistischen Einstellungen von heute findet in Hoyerswerda am 22.9.2012 eine antifaschistische Demonstration statt. Auch aus Leipzig soll diese Demo, mit der u.a. ein Denkmal und die Entschädigung der Betroffenen gefordert wird, unterstützt werden.
Dafür gibt es eine gemeinsame Zug-Anreise. Der Treffpunkt ist 12:45 Uhr am Gleis 1 Hauptbahnhof Leipzig.
Kein Frieden mit den rassistischen Zuständen.
Infos unter: pogrom91.tumblr.com
Keine Ruhe für Hoyerswerda! – Gegen rassistische Zustände!
Im September 1991 fliegen Flaschen und Steine gegen die Unterkünfte von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im sächsischen Hoyerswerda. Eine Mob belagert über 5 Tage das Wohnheim und attackiert es diverse Male unter rassistische Parolen. Nach einigen Tagen werden die Betroffenen evakuiert und Nazis rühmen Hoyerswerda als “erste ausländerfreie Stadt” Deutschlands.
Die Stadt setzte alles daran die Demo und die antifaschistischen Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahtestages des Pohroms zu behindern, u.a. durch Raumabsagen, Auflagen und Routenänderungen. Hoyerswerdas Oberbürgermeister setzte die Antifas mit Nazis gleich und behauptete die Ereignisse von 1991 seien kein Pogrom gewesen. Rund 40 Neonazis störten die Gedenkminute vor der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft. Antifasschist_innen, die sich die Hand vor’s Geisicht hielten, um von den Rechten nicht fotografiert zu werden, haben nun Strafbefehle wegen Vermummung erhalten. Außerdem wurden drei ehemalige Betroffene des Pogroms erneut bedroht und beleidigt.
Am 30. August kam es zu einem Angriff und Bedrohungen gegen Mitglieder der Linksjugend [solid.]
Für ein Denkmal und die Entschädigung der Betroffenen des Pogroms von 1991! – Für die Einstellung der Verfahren gegen die betroffenen Antifaschist_innen!
Aufruf lesen | FACEBOOK-VERANSTALTUNG (ladet Leute ein)
Eine gemeinsame Aktion der Initiativen “Pogrom 91″ und “Rassismus tötet!”
Demo: 22. Sept. 2012 | Hoyerswerda
14.00 Uhr | Bahnhofsvorplatz
Video-Kundgebungen: 17. Sept. 2012 | überregional
–> Organisiert Videokundgebungen und/oder Filmabende in eurer Region. Material gibt es demnächst unter www.rassimus-toetet.de
Berlin: Freidrichshain: 20.00 Uhr | Boxhagener Platz // Wedding: 20:00 Uhr | Leopoldplatz
Dresden: 17.09 2012| 15-19 uhr | Altmarktgalerie | uradresden.noblogs.org
Anreise zur Demo:
Zug: Berlin: Ostbahnhof – Treff: 10.15 Uhr / Abfahrt: 10.44 Uhr
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Hintergrundinfos zum Pogrom 1991 in Hoyerswerda
- Texte:
Interviews
mit dem Uwe-Karsten Heye: “Als aus Parolen Brandsätze wurden”
mit zwei Asylbewerbern von 1991: “Viele habe ich erkannt”
- Filme:
Kurz-Doku
“Viele habe ich erkannt” (BRD / 1992 / 25 min)
Produktion.: autofocus Videowerkstatt Realisation: Helmut Dietrich, Julia Oelkers, Lars Maibaum
Ansehen >>>
“Das Hoyerswerda Syndrom” (Fr / 1996 / 52 min)
Mogniss H. Abdallah, Yonas Endrias
Ansehen >>>
20 Jahre Hoyerswerda
– 20 Jahre Hoyerswerda – Was hat sich seitdem verändert (Cosmo TV) Ansehen >>>
– Vor 20 Jahren Ausländerfeindliche Übergriffe in Hoyerswerda (MDR) Ansehen >>>
Video-Schnipsel
– Pogrom von Hoyerswerda und die Aslydebatte (ZDF) Ansehen >>>
– Ausschnitt aus “Nach Hitler Radikale Rechte rüsten auf” (ARD) Ansehen >>>
– Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen und die CDU (ARD) Ansehen >>>
- Audios:
– Vor 20 Jahren – rassistisches Pogrom in Hoyerswerda (08.08.2012, Freies Radio) Anhören >>>
– Hoyerswerda, alles wie immer – Pogrom91 (12.09.2012, Radio Corax) Anhören >>>
Info-Veranstaltung
Alltagsrassismus und Rechtsdurchsetzung am Beispiel diskriminierender Einlasskontrollen an Leipziger Clubs
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen auf Grund eines diskriminierenden Merkmals im Arbeitsleben und allgemeinen Zivilrechtsverkehr verhindern und beseitigen. Die Theorie geht: Werde ich diskriminiert, kann ich vor Gericht gehen und setze mein Recht durch.
Am konkreten Beispiel der Erfahrungen zum Thema rassistischer Einlasskontrollen in Leipzig geben Daniel Bartel (Antidiskriminierungsbüro Sachsen) und Jakob Simon (Rechtsanwalt) ein Einblick in die Praxis: Welche Möglichkeiten und welche Probleme entstehen, wenn Rassismus vor Gericht verhandelt wird?
Eine Vortragsreihe der Kritischen Jurist_innen Leipzig
27.09.2012, 19:00 Uhr, Seminarraum 210 (Uni Campus), Leipzig
Am 11.September um 20Uhr im Fischladen (Wolfgang-Heinze-Straße 22)
Die Öffnung der rechten Szene für Einflüsse aus fremden Subkulturen hat zu einer Erweiterung ihres Betätigungsfeldes geführt. Neonazis haben erkannt, dass der Anschluss an Jugendliche nicht mehr allein durch klassischen Rechtsrock und der Aussicht auf politische Aktionen funktionieren kann. Durch den strategischen Zugriff auf fast alle Sparten subkultureller Szenen erhofft man sich einen Zugewinn neuer Sympathisant_Innen. So wie sich im Hardcore der NSHC und im Metal der NSBM etablierte, kommt es nun zu einer eigenen NS-HipHop-Szene.
Während der Veranstaltung werden ausgewählte rechte und neonazistische HipHop-Projekte vorgestellt. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, worin die Anknüpfungspunkte für die Neonazis bestehen könnten.
Referent_innen: North-East Antifascists [NEA]
Am 11.September um 20Uhr im Fischladen (Wolfgang-Heinze-Straße 22)
Die Öffnung der rechten Szene für Einflüsse aus fremden Subkulturen hat zu einer Erweiterung ihres Betätigungsfeldes geführt. Neonazis haben erkannt, dass der Anschluss an Jugendliche nicht mehr allein durch klassischen Rechtsrock und der Aussicht auf politische Aktionen funktionieren kann. Durch den strategischen Zugriff auf fast alle Sparten subkultureller Szenen erhofft man sich einen Zugewinn neuer Sympathisant_Innen. So wie sich im Hardcore der NSHC und im Metal der NSBM etablierte, kommt es nun zu einer eigenen NS-HipHop-Szene.
Während der Veranstaltung werden ausgewählte rechte und neonazistische HipHop-Projekte vorgestellt. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, worin die Anknüpfungspunkte für die Neonazis bestehen könnten.
Referent_innen: North-East Antifascists [NEA]
Veranstaltung: Motiv „Penner klatschen“ – Über Obdachlosen-Feindlichkeit am 6.9.2012 um 19Uhr im Interkulturellen Konversationscafé (Emilienstraße 17)
Obdachlose sind die vergessenen Opfer der Gesellschaft. Sie werden von Staat und Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen. Rechte Täter_Innen praktizieren gegen obdachlose Menschen einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes vorbereitet wird. Die Mörder_Innen eines Obdachlosen 2000 in Ahlbeck waren der Meinung, dass „Asoziale und Landstreicher hätten im schönen Ahlbeck nichts zu suchen“. Die Mörder_Innen eines Obdachlosen in Greifswald gaben an, ihre Opfer angegriffen zu haben, weil „so einer … dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt“. Offenbar steht die Gewalt gegen Obdachlose und sozial Schwache im unmittelbaren Zusammenhang mit gesellschaftlichen Klima und der kapitalistischen Maxime von der Verwertbarkeit der Menschen. Das brutale Ergebnis sind nach unterschiedlichen Statistiken von 33 bis zu über 100 ermordete Obdachlose seit 1990.
Und auch in Leipzig und Sachsen ist das Thema virulent: In Leipzig prügelte ein 18-jähriger Neonazis im August zwanzig Mal auf den obdachlosen Karl-Heinz Teichmann, der auf eine Parkbank am Schwanenteich lag, ein und schrie dabei „Du hast hier nicht zu pennen!“. Teichmann starb am 6.9.2008 an den Folgen der Mißhandlung. Knapp drei Jahre später traf es Andre K. in Oschatz. Der 50-jährige Obdachlose wurde von einer Gruppe getreten und geschlagen und starb am 1.6.2011 infolge dieses Gewaltaktes.
Der Vortrag soll versuchen die Gewalt gegen sozial Benachteiligte in ihrer unterschiedlichen Form darzustellen, zu analysieren und die Ursachen zu benennen.
Referent: Lucius Teidelbaum, Historiker, Betreiber des Blogs