Rassismus tötet! Leipzig

Demo 28.3.: Kamal K. von Rassisten ermordet! Nazis keine Ruhe lassen!

Kamal K. von Rassisten ermordet! – Nazis keine Ruhe lassen! – Nichts wird vergessen, nichts ist vergeben!

Am 24.10.2010 ermordeten die Neonazis Daniel K. und Marcus E. den 19-jährigen Kamal K. am Leipziger Hauptbahnhof.
Das Urteil im Prozess um den Mord ist bemerkenswert. Nach fünf Verhandlungstagen kam die Schwurgerichtskammer am Landgericht Leipzig zu der Überzeugung, dass die beiden Angeklagten »nicht wahllos irgendein Opfer« gesucht hätten, »um Aggressionen abzubauen«. Vielmehr hätten sie »ein in ihr Welt- und Feindbild passendes Opfer gesucht und in Kamal K. gefunden«.

Den »Ausländerhass« des bekennenden Neonazis Marcus E., der erst zehn Tage vor dem Angriff auf Kamal aus der Haft entlassen worden war, hielt das Landgericht Leipzig für das »tragende Motiv« für die tödlichen Messerstiche – auch wenn während der Tat an sich keine rassistischen Beleidigungen gefallen sein sollen. Entsprechend wurde der einschlägig vorbestrafte Marcus E. am 8. Juli 2011 dann auch wegen Mordes zu dreizehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sein Mittäter Daniel K. kam dagegen mit drei Jahren Haft wegen vorsätzlicher Körperverletzung glimpflich davon, obwohl er es gewesen war, der den Angriff auf Kamal begonnen hatte. Mit dem Urteil setzte sich die Kammer gleich in zweifacher Hinsicht über die Staatsanwaltschaft Leipzig hinweg: Diese hatte ein politisch rechtes und rassistisches Motiv bis heute in allen öffentlichen Stellungnahmen und in der Anklageschrift konsequent verneint und für den Haupttäter lediglich auf eine Verurteilung wegen Totschlags plädiert.

Zum Tathergang stellte das Gericht fest, dass sich die Täter am Abend des 24. Oktober 2010 mit einem ehemaligen Kameraden auf Sauftour begeben hatten, um die Haftentlassung von Marcus E. zu feiern. Am Ende der Nacht ließen sich die beiden bewusst auf der Suche nach »Feinden wie Junkies oder Ausländern« – so der Vorsitzende bei der Urteilsverkündung – von ihrem Begleiter zu einem kleinen Park am Leipziger Hauptbahnhof fahren. Dort wurden die beiden Neonazis auf Kamal wohl deshalb aufmerksam, weil der sich gerade mit seiner Freundin unterhielt, während ein jüngerer Freund etwas abseits auf einer Parkbank das Gespräch abwartete. »Gibt es ein Problem?« soll der 19-jährige Kamal seinen Freund noch freundlich gefragt haben, als er sah, dass die beiden Neonazis zunächst auf seinen Freund einredeten. »Jetzt ja«, antwortete Daniel K. nach Überzeugung des Gerichts und ging dann direkt mit Faustschlägen auf Kamal los und setzte anschließend noch Pfefferspray ein. Kamal konnte sich nicht mehr wehren. Währenddessen hatte Marcus E. zunächst noch den 17-jährigen Freund von Kamal bedroht und stach schließlich mit einem Messer auf Kamal ein.

Neonazi-Hegemonie in Knästen

Anhand der knapp zwei Jahrzehnte umfassenden Knastkarriere des 1978 in Erfurt geborenen Marcus E. wird u.a. deutlich, wie wirkungslos die akzeptierende Sozialarbeit der frühen 1990er Jahre war und wie umfassend die Hegemonie der extremen Rechten in vielen Jugendknästen und Haftanstalten in Thüringen und Sachsen seit Jahren ist. Der von Kopf bis Fuß mit Naziparolen, wie »White Power« und Symbolen, wie Hakenkreuzen und SS-Runen tätowierte Marcus E. schloss sich bereits als Dreizehnjähriger der rechten Szene in Erfurt an. Erste Straftaten führten dann u.a. dazu, dass er – unterbrochen von Jugendhaftanstalten – in ein Erfurter Jugendwohnheim zog und von dort aus im Rahmen einer »erlebnispädagogischen Maßnahme« auf eine neunmonatige begleitete Schiffsreise ins Mittelmeer starten durfte. Von 1998 bis zum 14. Oktober 2010 war er ununterbrochen in Haft.

Die Haftzeit nutzte Marcus E. vor allem dazu, sich fester an die Neonaziszene zu binden. In einem angehaltenen Brief aus der Haftanstalt Waldheim berichtete er, einerseits Unterstützung von »Kameraden« zu erhalten und andererseits viel »patriotische Musik« zu hören. Des Weiteren befände er sich seit ca. »acht Jahren in der Bewegung«. Während seiner Haftzeit in der thüringischen Jugendstrafanstalt Ichtershausen wurde er von der verbotenen neonazistischen »Hilfsorganisation für nationale Gefangene und deren Angehörige« (HNG) in deren monatlicher »Gefangenenliste« aufgeführt. Im Jahr 2007 wurden während seiner Inhaftierung in der JVA Tonna, in seiner Zelle eine Bauanleitung für einen Brandsatz und eine schwarz-weiß-rote Fahne beschlagnahmt. Andere Mithäftlinge, die nicht in sein faschistoides Weltbild passten, erniedrigte und misshandelte er. So wurde er in dieser Zeit drei Mal wegen Vergewaltigung, fünf mal wegen gefährlicher Körperverletzung und zwei mal wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Sodass sich seine Gesamtfreiheitsstrafe bis zum Oktober 2010 auf achteinhalb Jahre verlängerte.

Bereits wenige Tage nach seiner Haftentlassung hatte sich Marcus E. eigens in einem Erfurter Waffengeschäft ein Messer mit einer 8,5 cm langen Klinge und ein Pfefferspray besorgt. Kurz darauf begab er sich auf Besuchsreise bei »Kameraden«. Die erste Station dieser Reise war Leipzig. Dort wollte er seinen Knastkameraden Daniel K. besuchen, den er in der JVA Waldheim kennengelernt hatte.

Unter Neonazi-Schlägern

Daniel K.,Sohn eines sächsischen Polizeibeamten mit enger Elternbindung, fand seinen Weg in die Neonaziszene bereits als junger Mensch in seiner Geburtsstadt Leipzig. Im Jahr 2001 folgte ein Umzug nach Aachen, wo er sich der Kameradschaft Aachener Land (KAL) anschloss. Dort fiel er vor allem als brutaler Schläger gegen Linke und auch durch szeneinterne Gewalttaten auf. Strafrechtliche Konsequenzen hatte sein Verhalten lediglich in drei Fällen:

Im Oktober 2005 hatte Daniel K. in der Nähe von Aachen einen nicht-rechten Jugendlichen u.a. als »Scheiß Zecke« beschimpft und ihn körperlich bedroht. Das Landgericht Aachen verurteilte ihn im Februar 2007 wegen unterlassener Hilfeleistung; er hatte tatenlos zugesehen, als eine junge Frau aus dem Umfeld der KAL von zwei Kameradschaftsaktivisten misshandelt wurde. Im gleichen Jahr verurteilte das Landgericht Aachen ihn wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft. Gemeinsam mit anderen Neonazis hatte er bei einer kameradschaftsinternen Racheaktion zunächst die Schwester eines »Kameraden« entführt und war später über diesen hergefallen. Absitzen musste er die Strafe u.a. in der sächsischen Haftanstalt Waldheim, wo er dann auch Marcus E. kennenlernte. Im April 2010 setzte das Landgericht Chemnitz die Verbüßung seiner Reststrafe auf dessen Antrag hin zur Bewährung aus und bescheinigte ihm trotz fortgesetzter Kontakte zur Neonaziszene eine »günstige Sozialprognose«.

Im späteren Prozess nach der Ermordung von Kamal, vor dem Landgericht Leipzig, bemühte sich der damals 29-jährige Daniel K. sehr, sich als Aussteiger aus der Neonazi-Szene zu präsentieren. So behauptete er beispielsweise nach seiner Haftentlassung im Mai 2010 kein Geld gehabt zu haben, um sich »neutrale« Kleidung zu kaufen. Nur deshalb habe er am Tatabend ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Kick off, Antifascists« sowie eine Thor-Steinar-Jacke getragen. In seinem Teilgeständnis griff er zudem tief in die Mottenkiste der altbekannten Entlastungsstereotype. Er sei am Tatabend betrunken gewesen, Neonazi sei er nur geworden, weil er als Sachse in Aachen keine andere Wahl gehabt hätte, sich irgendwo anzuschließen. Ausländerfeindlich sei er auch nicht, weil er bei seinem Job auch einen kubanischen Kollegen habe. Das Gericht überzeugte er damit zwar nicht, dennoch verzichteten die Richter darauf, der Frage der engagierten und angesichts des staatsanwaltschaftlichen Desinteresses unverzichtbaren Nebenklage nachzugehen, wer seine Wohnung nach dessen Festnahme und vor Eintreffen der Durchsuchungsbeamten »gesäubert« hatte. Dubios auch, dass die durchsuchenden Beamten bei ihm lediglich einige neonazistische Pins feststellten, einschlägige Szenekleidung aber mit dem Hinweis, sie hätten nur nach »verbotenen Symbolen« gesucht, schlichtweg ignorierten.

Kein Szene-Aussteiger

Aktuell ist Daniel K. wieder auf freiem Fuß und wohnt in Taucha. Ausgestiegen aus der Neonaziszene ist er nie. So nahm er beispielsweiße 2014 zusammen mit anderen einschlägigen Neonazis an einem „Rudolf-Hess-Gedenkturnier“ im Vogtland teil. Auch heute noch ist er in Naziklamotten anzutreffen und bekennt sich nach wie vor zur mittlerweile verbotenen >>Kameradschaft Aachener Land<<. Vor dem Hintergrund des Mordes an Kamal und des angeblichen Ausstiegs von Daniel K. ist eine antifaschistische Demonstration in Taucha nur folgerichtig. Neonazis verdienen keine Ruhe. Wir haben nicht vergessen was Daniel K. und Marcus E. im Oktober 2010 getan haben.

Antifaschistische Demonstration am 28. März um 15 Uhr in Taucha (End-Haltestelle Linie 3 “An der Bürgerruhe” in Taucha)

Vortreffpunkt in Leipzig: 14:10 Uhr Haltestelle Goerdelerring


 

Kurzaufruf :

Kamal K. von Rassisten ermordet! – Nazis keine Ruhe lassen! – Nichts wird vergessen, nichts ist vergeben!

Am 24.10.2010 ermordeten die Neonazis Daniel K. und Marcus E. den 19-jährigen Kamal K. am Leipziger Hauptbahnhof. Lange mussten Angehörige der Familie von Kamal und antirassistisch Engagierte öffentlich darum Kämpfen, dass die rassistische Tatmotivation der Mörder benannt und offiziell anerkannt wurde. Marcus E. wurde zu 13 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, Daniel K. bekam 3 Jahre Haft. Dabei war er es, der den Angriff auf Kamal einleitete und suchte. Die Geschichte zu ihm ist aus vielerlei Hinsicht brisant. Daniel K. ist der Sohn eines Leipziger Polizisten, was ihm offensichtlich während der Ermittlung zum Mord an Kamal zu Gute kam. Er galt als ein „Mann fürs Grobe“ in der neonazistischen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL). Diese militante Kameradschaft wurde im Jahr 2012 verboten. 2006 stand er wegen Volksverhetzung vor Gericht, später wegen Körperverletzung und Geiselnahme, ab 2003 gab es in seiner Wohnung regelmäßig größere Nazi-Feiern. Nachbarn beschwerten sich über laute Musik, in der zum Mord an “Juden” und “Türken” aufgerufen wurde.

Daneben nahm er an Naziaufmärschen teil. Fotos zeigen ihn in Marschblöcken vor einem NPD-Plakat mit der Aufschrift „Todesstrafe für Kinderschänder“, ein anderes Mal trug er in vorderster Reihe das KAL-Transparent „Die Wehrmacht kämpfte tapfer und anständig“. Szenekenner beschreiben ihn als „ideologisch außerordentlich gefestigt“. Ein Mitläufer war er nie, auch kein Aussteiger, wie sein Verteidiger vor Gericht verlauten ließ. Dies belegen auch neuere Recherchen. Daniel K. ist wieder aus dem Gefängnis und tummelt sich weiter aktiv in der Naziszene der Leipziger Region.

Wir wollen deutlich machen, dass Neonazis keine Ruhe haben werden. Wir werden nicht vergessen was Daniel K. und Marcus E. Kamal und seiner Familie, sowie FreundInnen angetan haben.

Antifaschistische Demonstration am 28. März um 15:00 Uhr in Taucha (End-Haltestelle Linie 3 “An der Bürgerruhe” in Taucha)

Vortreffpunkt in Leipzig: 14:10 Uhr Haltestelle Goerdelerring

 

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Lokaler Ableger der bundesweiten Kampagne Rassismus tötet