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Podium und Gedenken zum Pogrom 1991 in Hoyerswerda

Neben unserer Veranstaltung im Cineding, gibt es noch weitere Termine zum Pogrom 1991, die wir euch empfehlen möchten:

Dresden Podium: Das Pogrom 1991 – Hoyerswerda wirkt fort
Dienstag, 22. September 2026, 19:00 Uhr im kosmotique e. V.
(Martin-Luther-Str. 13 01099 Dresden)

Vom 17. bis 21.09.1991 kam es in Hoyerswerda zu rassistischen Angriffen auf ehemalige Vertragsarbeiter*innen und Geflüchtete. Die Angriffe bildeten den Anfang einer Reihe weiter rassistischer Gewalttaten in ganz Deutschland. Heute ist die Rede von den sogenannten Baseballschlägerjahren.
Daher wollen wir das 35. Gedenken an das Pogrom in Hoyerswerda zum Anlass nehmen, um auf die Bedingungen dieser Gewalt zu schauen.
Mit Blick auf das Ende der DDR, den Mauerfall und die massiven rassistischen Gewalttaten wollen wir jene Strukturen und Entwicklungen in den Blick nehmen, die bis heute Bestand haben und weiter wirken.

Auf dem Podium: David Begrich, Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e. V. im Gespräch mit Luis Mazuze, Vorstand Afropa e. V. und ehemaliger Vertragsarbeiter, sowie Malena Menezes, Journalistin und Angehörige der zweiten Generation – Tochter einer ehemaligen Vertragsarbeiterin

Pogrom 91


OAT im September: „Pogrom 91 in Hoyerswerda

Mitte September jährte sich zum 35. Mal das rassistische Pogrom von Hoyerswerda. Im September 1991 griff ein Mob von Neonazis und vermeintlich „ganz normalen“ Bewohner*innen der Stadt über mehrere Tage die in Hoyerswerda lebenden DDR-Vertragsarbeiter*innen aus Mosambik und Vietnam sowie Asylsuchenden an. Die Betroffenen erhielten nur wenig Schutz und Unterstützung – sie mussten die Stadt verlassen. Die rechte Szene erklärte Hoyerwerda zu ersten „ausländerfreien Stadt“. Es folgten Pogrome in Mannheim-Schönau und Rostock-Lichtenhagen und viele weitere Angriffe und rechte Morden. Wir wollen uns mit den Ereignissen in Hoyerswerda beschäftigen und darauf schauen ob es einen Wandel des Umgangs mit dem rassistischen Pogrom in der Stadt gegeben hat. Was sind Möglichkeiten und Grenzen linker Erinnerungspolitik, das würden wir gerne mit such diskutieren.

Nächstes OAT am 22. September 2026 um 19 Uhr im Conne Island Vorderhaus (Koburger Str. 3, 04277 Leipzig).


Einweihung eines Gedenksteins in Erinnerung an Mike Zerna am 26.09.2026 in Hoyerswerda

Mike ZernaAm 25. Februar 1993 verstarb Mike Zerna im Alter von nur 22 Jahren infolge eines Überfalls junger Neonazis auf den Club „Nachtasyl“ in Hoyerswerda. Gemeinsam mit Angehörigen und
der Stadt Hoyerswerda laden wir am 26. September 2026 zur feierlichen Einweihung eines Gedenksteins ein, der am damaligen Ort des Geschehens dauerhaft an Mike Zerna und die Umstände seines Todes erinnern wird.

„In Erinnerung an Mike und die Geschehnisse in der Nacht zum 20. Februar 1993“

Einweihung des Gedenksteins für Mike Zerna Samstag, 26.09.2026 um 14:00 Uhr in der Ziolkowskistraße 35, Hoyerswerda

In der Nacht zum 20. Februar 1993 wurde Mike Zerna bei einem rechts-motivierten Angriff auf ein Heavy-Metal-Konzert in der Hoyerswerdaer Neustadt lebensgefährlich verletzt. Wenige Tage später, am 25. Februar 1993, verstarb er im Klinikum Hoyerswerda. Gemeinsam mit Angehörigen lädt SUPPORT zur Einweihung eines Gedenksteins ein, der in unmittelbarer Nähe zum damaligen Tatort an Mike Zerna und den tödlichen rechten Angriff erinnert.

Die Idee für einen dauerhaften Erinnerungsort entstand durch eine Initiative von Angehörigen, Zeitzeug*innen und Unterstützer*innen, die am 30. Todestag von Mike Zerna erstmals zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung in Hoyerswerda zusammen kamen. In Kooperation mit dem Leipziger Bildhauer Simon Barta und der Stadtverwaltung sowie durch die finanzielle Unterstützung des Demokratiezentrums des Landes Sachsen und mehrerer Spenden konnte das Vorhaben in den Folgejahren konzipiert und erfolgreich umgesetzt werden.

Zur Einweihung des Mahnmals sprechen Thorsten Ruban Zeh (Oberbürgermeister Stadt Hoyerswerda), ein Vertreter von SUPPORT (RAA Sachsen e.V.) sowie weitere Gäste. Anschließend gibt es die Möglichkeit, Blumen – gerne Wildblumen – niederzulegen.

 

Zum Hintergrund:

Mike Zerna wurde am 4. Juli 1970 in Altdöbern geboren und wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern in Vetschau auf. Er war ein ruhiger und zugleich lebenslustiger Mensch, der eine enge Beziehung zu seiner Familie pflegte und sich für alternative Musik begeisterte. Er sammelte Schallplatten, besuchte Konzerte und engagierte sich als Fahrer für befreundete Bands. Er hatte die Vision, einen ortsansässigen Schuhmacherbetrieb zu übernehmen und träumte davon, gemeinsam mit seiner Freundin ein eigenes Haus auf dem Land zu beziehen.

Am 19. Februar 1993 begleitete Mike Zerna als Fahrer eine der Bands, die an diesem Abend im Club „Nachtasyl“ in Hoyerswerda auftreten sollten. Bereits zu Beginn des Konzertes kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Gästen und mehreren Neonazis, denen eine Teilnahme verwehrt wurde. Während die Veranstaltung in der Folge störungsfrei beendet werden konnte, sammelten sich weitere Rechte im nahe gelegenen Jugendklubhaus „Ossi“, um sich an den vermeintlichen „Linken“ und „Zecken“ im „Nachtasyl“ zu rächen. Kurz nach Mitternacht überfielen schließlich etwa 20 bis 30 Personen die wenigen Besucher*innen, die sich nach dem Konzertende noch vor Ort aufhielten. Mehrere Gäste wurden während des Angriffs zum Teil schwer verletzt.

Mike Zerna befand sich zum Zeitpunkt des Überfalls gemeinsam mit seinem älteren Bruder vor dem Club, wo sie Musikinstrumente in einen Kleintransporter luden. Auch sie wurden von mehreren heranstürmenden Angreifern attackiert und bewusstlos geschlagen. Anschließend stießen die Täter das Fahrzeug um, sodass Mike Zerna darunter eingeklemmt wurde. Erst etwa eine halbe Stunde später, nachdem die Täter geflohen und endlich Einsatzkräfte am Tatort eingetroffen waren, wurde er von anderen Gästen geborgen und ins Krankenhaus gebracht. Dort verstarb er wenige Tage später.

Mit dem Angriff auf das „Nachtasyl“ erreichte die rechtsmotivierte Gewalt nach den Ausschreitungen gegen die Wohnheime von Vertragsarbeiter*innen und Asylsuchenden im September 1991 auch in Hoyerswerda eine tödliche Dimension. In der gesamten Region hatte sich im Schatten der deutschen Wiedervereinigung eine rechtsradikale (Jugend-)Subkultur etabliert, deren Akteure versuchten, ganze Landstriche zu dominieren. Rassistische Gewalttaten und Angriffe auf Andersdenkende, Linke, Clubs und Diskotheken waren an der Tagesordnung und kosteten im Zeitraum von 1990 bis 2000 allein im Umkreis von 50 Kilometern um Hoyerswerda mindestens sechs weitere Menschen das Leben.

Angemessene Reaktionen auf diese Entwicklungen von Seiten der Politik und Sicherheitsbehörden blieben lange Zeit aus. Rechte Gewalt wurde bagatellisiert und entpolitisiert, Täter nicht konsequent verfolgt, Betroffene und ihre Angehörigen mit den Folgen allein gelassen. Während die rassistischen Angriffe vom Herbst 1991 seit den 2010er Jahren wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und Bemühungen um deren Aufarbeitung unternommen wurden, sind die zahlreichen weiteren Opfer rechter Gewalt in der Region heute nahezu vergessen.

Mit dem Gedenkstein für Mike Zerna entsteht in Hoyerswerda ein konkreter Ort der persönlichen Erinnerung und Anteilnahme, der gleichzeitig Anlass und Anstoß zur weiteren Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den Dimensionen rechter Gewalt in der Region geben soll.

Weitere Informationen zu Mike Zerna und weiteren Todesopfern rechter Gewalt in der Region unter:

https://www.hoyerswerda-1991.de/nach-1991/opfer-rechter-gewalt.html

Todesopfer

Podcast Brandenburger Baseballschlägerjahre #8: Die Hinterbliebenen


In der Stadt Hoyerswerda gibt es auch ein Programm, ihr findet es HIER