{"id":773,"date":"2013-04-12T13:54:57","date_gmt":"2013-04-12T11:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=773"},"modified":"2013-10-09T16:14:53","modified_gmt":"2013-10-09T14:14:53","slug":"leipzig-rassistisch-der-schmale-grat-zwischen-stimmungsmache-und-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/leipzig-rassistisch-der-schmale-grat-zwischen-stimmungsmache-und-gewalt\/","title":{"rendered":"Leipzig rassistisch &#8211; Der schmale Grat zwischen Stimmungsmache und Gewalt."},"content":{"rendered":"<div>Von den 1990er Jahren bis in die Gegenwart. Unser Beitrag f\u00fcr die Brosch\u00fcre &#8222;<a href=\"http:\/\/www.chronikle.org\/inhalt\/brosch%C3%BCre-leipziger-zust%C3%A4nde-2012-erschienen\">Leipziger Zust\u00e4nde 2012<\/a>&#8220; von chronik.LE<!--more--><\/div>\n<p><strong>Viel wurde im Jahr 2012 \u00fcber die rassistischen Pogrome der 1990er Jahre im wiedervereinigten Deutschland geredet. Erinnerung und Gedenken an Ereignisse von 1991\/1992 trieben dabei sonderbare Stilbl\u00fcten wie die Pflanzung einer deutschen Eiche vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Von den krassen Auswirkungen der damaligen rassistischen Erhebungen sprach von den offiziellen Redner_innen jedoch niemand: der faktischen Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl durch die \u00c4nderung des Artikel 16 GG, beschlossen mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD im Mai 1993. Trotzdem die Zahl der Menschen, die in Deutschland um Asyl bitten, nach diesem heftigsten Einschnitt in die deutsche Asylpolitik rapide gesunken ist, sind Stimmungsmache und Gewalt gegen gefl\u00fcchtete Menschen in der Gegenwart wieder verst\u00e4rkt wahrnehmbar.<\/strong><\/p>\n<div><\/div>\n<p>In der gesamten Bundesrepublik hetzen B\u00fcrger_innen und Nazis gegen die Errichtung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Asylsuchende. Der Bundesinnenminister redet, wie in den 90er Jahren, von angeblichem \u201eAsylmissbrauch\u201c und behauptet, dass die infolge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes angehobenen Leistungen f\u00fcr Asylsuchende auf Hartz-IV-Niveau \u201eWirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c anziehen w\u00fcrden.[1] Nazimobs ziehen pr\u00fcgelnd und mordent durchs Land. Vieles erinnert an die 1990er Jahre auch die in Leipzig im Sommer 2012 ausgebrochene Stimmungsmache gegen Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, angeheizt und flankiert durch Teile der lokalen Medien.<\/p>\n<div id=\"magicdomid254\">\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch nicht erst die j\u00fcngsten Ereignisse zeigen, dass Leipzig nicht die Insel der Weltoffenheit und Toleranz ist, wie Medien es gern darstellen und wie es auch von der Stadt selbst gern propagiert wird. Auch in Leipzig herrsch(t)en \u201eganz normale\u201c deutsche Zust\u00e4nde. So kam es auch in Leipzig seit Beginn der 1990er Jahre zu einer Vielzahl von rassistischen und rechts motivierten \u00dcbergriffen, Gewalttaten und Morden. Die pogromartigen Ausbr\u00fcche in Rostock 1992 waren dabei sowohl Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Stimmung, die auch in Leipzig pr\u00e4sent war, als auch Motivation f\u00fcr Nachfolgetaten von Neonazis.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>R\u00fcckblick: die rechte Szene und deren gesellschaftliche Einbettung in Leipzig Anfang der 1990er Jahre<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Zuge der politischen Wende 1989 erstarkte die rechte Szene in ganz Ostdeutschland und somit ebenfalls in Leipzig. Rechte Parteien aus Westdeutschland begannen umgehend damit, im Osten auf Stimmenfang zu gehen. Die westdeutschen Nazis fanden schnell Unterst\u00fctzer_innen in Ostdeutschland und fingen unverz\u00fcglich an, Strukturen auf- und auszubauen, welche teilweise noch bis heute existieren. DVU und FAP buhlten um Anh\u00e4nger_innen und konnten vor allem in Gr\u00fcnau organisierte Strukturen etablieren. Leipzig hatte lange Zeit den gr\u00f6\u00dften Kreisverband der NPD. Sachsen ist auch heute das wichtigste Bundesland f\u00fcr die bedeutendste neonazistische Partei nach 1945, die hier erstmalig in ihrer Geschichte zwei Mal hintereinander (2004 und 2009) den Einzug in ein Landesparlament schaffte. Die DSU als Partei in der Grauzone zwischen rechtskonservativer CDU und neonazistischer NPD war zwischen 1999 und 2009 mit einem Abgeordneten im Leipziger Stadtrat vertreten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vor allem die Leipziger Montagsdemonstrationen f\u00fcr die Wiedervereinigung 1989\/90 wurden immer mehr zur B\u00fchne f\u00fcr nationalistisches und neonazistisches Gedankengut. Die Republikaner starteten zu dieser Zeit eine Werbeoffensive und verteilten mehr als 15.000 Flyer in Leipzig. \u201eDie Massen [haben denen] das Zeug nur so aus den H\u00e4nden gerissen, weil sie so unverbl\u00fcmt den Ha\u00df der Massen, die mittlerweile dazu gesto\u00dfen waren, r\u00fcberbrachten\u201c illustriert Conny M., regelm\u00e4\u00dfige Teilnehmerin der Montagsdemos zu dieser Zeit.[2] Bei den letzten Montagsdemonstrationen bildeten Nazis zeitweise einen eigenen Block an der Spitze des Zuges und machten Jagd auf vermeintlich Linke und Migrant_innen. Auf Protest gegen dieses Auftreten wurde von Seiten der demonstrierenden B\u00fcrger_innen mit Schm\u00e4hungen und Gewalt reagiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Auch im Alltag transformierte sich die Deutscht\u00fcmelei in gewaltsame Neonazi\u00fcbergriffe. Immer wieder wurden Jugendclubs wie der Sack, ein ehemaliges FDJ-Kulturhaus in Sch\u00f6nefeld, oder die Villa, damals noch ans\u00e4ssig in der Karl-Tauchnitz-Stra\u00dfe im Zentrum, Ziel von Naziangriffen. Die Nazis kamen zumeist in Gruppen bis zu 30 AngreiferInnen, bewaffnet mit Steinen, Schlagst\u00f6cken, Totschl\u00e4gern, Reizgas und auch Schusswaffen. In Connewitz, das sich damals zum links-alternativen Stadtteil zu entwickeln begann, war regelm\u00e4\u00dfig \u201eFascho-Alarm\u201c, eine Art Fr\u00fchwarnsystem, wenn ein Naziangriff auf besetzte H\u00e4user oder Projekte bekannt wurde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Aktionen der Neonazis h\u00e4uften sich nicht nur, sondern sie wurden auch zunehmend militanter und gef\u00e4hrlicher. Als trauriges Indiz daf\u00fcr k\u00f6nnen mehrere Angriffe auf Unterk\u00fcnfte von Fl\u00fcchtlingen in dieser Zeit gelten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Solche rassistischen Angriffe hatten sich in jener Zeit bundesweit und auch in Leipzig zum \u201enationalen Volkssport\u201c entwickelt. So griffen beispielsweise am 4. Mai 1990 mehrere rechte Jugendliche das Wohnheim in der Liliensteinstra\u00dfe im Stadtteil Leipzig- Gr\u00fcnau an. Sie zerst\u00f6rten dabei T\u00fcren und Fensterscheiben. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter wurde das Fl\u00fcchtlingsheim im Leipziger Vorort Liebertwolkwitz angegriffen. Bereits vorher hatte es innerhalb kurzer Zeit zwei Angriffe auf das Geb\u00e4ude gegeben, ohne dass die Polizei ihren Schutz verst\u00e4rkt und \u00f6ffentlich Stellung dazu bezogen oder Initiative ergriffen h\u00e4tte. Ein weiterer \u00dcberfall ereignete sich am 31. August 1991. An diesem Tag spielte die Naziband St\u00f6rkraft im Gr\u00fcnauer Jugendclub Arena. Im Anschluss griffen ca. 80 Nazis die nahe gelegene Unterkunft mit Steinen, Flaschen, Kn\u00fcppeln und Brands\u00e4tzen an. Der Tod der darin lebenden Menschen wurde billigend in Kauf genommen. Die Polizei griff w\u00e4hrend des \u00dcberfalls nicht ein, sondern nahm im Nachgang nur vereinzelt Personalien auf. Die T\u00e4ter_ innen konnten sich der Unterst\u00fctzung aus der Nachbarschaft des Plattenbauviertels gewiss sein. Ein Gro\u00dfteil der B\u00fcrger_innen nahmen die T\u00e4ter_innen in Schutz und best\u00e4rkten diese somit in ihrem Handeln. In einer Reportage des ARD-Magazins Monitor bekundeten auf der Stra\u00dfe befragte Gr\u00fcnauer_innen allen Alters, dass sie auf der Seite der Nazis stehen und sich m\u00f6glicherweise an n\u00e4chsten Angriffen sogar beteiligen w\u00fcrden. Bei der Frage nach Mitleid winkten die Befragten ab, wetterten stattdessen freim\u00fctig gegen die Asylsuchenden und schreckten auch vor Beschimpfungen wie \u201eViehzeug\u201c nicht zur\u00fcck. Mit diesem Wissen planten die Neonazis direkt nach der Tat einen nochmaligen Angriff auf die Unterkunft, bekannten sich \u00f6ffentlich im Fernsehen zu ihren rassistischen Einstellungen und auch den Tod der Bewohner_innen des Heims in Kauf zu nehmen.[3] Die Bilder der Monitor-Reportage bringen die rassistische Grundstimmung dieser Zeit sehr eindr\u00fccklich zutage: Nazis f\u00fchrten auch in Leipzig das aus, was ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung dachte und die Polizei lie\u00df sie weitestgehend gew\u00e4hren, ob aus Angst, wegen Personalmangels oder aufgrund stiller Zustimmung. Dass sowohl die soziale Betreuerin der Fl\u00fcchtlinge als auch die Redakteur_innen des Magazins selbst das Bild von \u201estehlenden, lauten und die Ordnung st\u00f6renden\u201c Sinti und Roma und damit mehr oder weniger subtil Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Abneigung gegen\u00fcber \u201eNicht-Deutschen\u201c wecken, macht das Bild komplett.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Vorbildwirkung und Folgen<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das erste rassistische Pogrom im wiedervereinigten Deutschland ereignete sich im September 1991 in Hoyerswerda. Neonazis griffen damals in der osts\u00e4chsischen Stadt unter Mithilfe und Applaus vieler B\u00fcrger_ innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen bzw. Asylsuchenden an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterk\u00fcnfte f\u00fcnf Tage lang, bis schlie\u00dflich alle Heimbewohner_innen aus der Stadt gebracht wurden. Die Ereignisse von Hoyerswerda versch\u00e4rften die rassistische Stimmung nicht nur im Osten Deutschlands. In der Folge wurden bundesweit Wohnst\u00e4tten von Migrant_innen angegriffen. In der Nacht des 2. August 1992 \u00fcberfielen ca. 50 Nazis nach einem Discobesuch das Fl\u00fcchtlingslager im Leipziger Vorort Holzhausen. Sie verw\u00fcsteten es systematisch und schlugen zwei Menschen aus Rum\u00e4nien zusammen, die sich ihnen entgegenstellten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die rassistische Hatz in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 stellte den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der Stimmung dieser Zeit dar. Rostock-Lichtenhagen war ein Pogrom und Ergebnis staatlichen Handelns. Denn die offiziellen Stellen hatten die Situation drastisch zugespitzt. Die Menschen, die vor Krieg und Not aus ihren Etwa 80 Neonazis versuchten Herkunftsl\u00e4ndern geflohen waren &#8211; dies waren damals vor allem Roma aus S\u00fcdosteuropa &#8211; wurden von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden abgewiesen und sich selbst \u00fcberlassen. Die CDU brachte in dieser Situation ihre bereits seit 1988 erhobene Forderung nach der Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl in Stellung. Hatten sich SPD und FDP anfangs dagegen gewehrt, war Rostock der Dammbruch f\u00fcr deren Umorientierung, so dass im Mai 1993 die \u00c4nderung des Grundgesetzes, Artikel 16, mit einer Zweidrittelmehrheit durch den Bundestag ging.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das vollst\u00e4ndige Versagen der Polizei, die in jenen Augusttagen in Rostock die Migrant_innen dem mordwilligen Mob \u00fcberlie\u00df, und dass die Politik schlie\u00dflich zugunsten dieses Mobs einlenkte, motivierte diesen noch weiter. Mit drastischen Konsequenzen: von Januar bis November 1992 z\u00e4hlt die Polizei 1.900 neonazistische Gewalttaten, darunter 608 Brandanschl\u00e4ge und 15 Sprengstoffattentate. 16 Menschen starben in dieser Zeit infolge von Anschl\u00e4gen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den sieben Tagen nach den Ausschreitungen in Rostock gab es bundesweit mindestens 40 Anschl\u00e4ge auf Wohnheime von Fl\u00fcchtlingen. Rostock diente dabei auch Leipziger Neonazis als Vorbild. Das Fl\u00fcchtlingsheim in Markkleeberg wurde am 26. August 1992 in den fr\u00fchen Morgenstunden von Neonazis angegriffen. Gezielt fuhren sie mit ihren Autos vor und warfen Brands\u00e4tze auf das Gel\u00e4nde. Dieses Szenario wiederholte sich in den folgenden N\u00e4chten, ohne das die Polizei einschritt. Der 28. August 1992 wurde zur Horrornacht f\u00fcr Migrant_innen und Antifaschist_innen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum an diesem Tag in Leipzig stattfindenden Fu\u00dfballspiel des VFB Leipzig (1. FC Lok Leipzig) gegen Rostock luden Leipziger Nazis ihre Rostocker Kamerad_ innen ein, mit ihnen ein Fl\u00fcchtlingsheim zu \u00fcberfallen. Engagierte Antifaschist_innen konnten dies zuerst verhindern, indem sie sich einer Gruppe Rostocker Nazi-Hools entgegenstellten. Wenig sp\u00e4ter gelang es etwa 100 Nazis nichtsdestotrotz das Fl\u00fcchtlingsheim in Gr\u00fcnau anzugreifen. Mehrere Hundertschaften der Polizei konnten verhindern, dass Schlimmeres passiert, zumindest an diesem Ort. Doch die Nazis lie\u00dfen nicht locker: wenig sp\u00e4ter in dieser Nacht brannten 30 Nazis das Fl\u00fcchtlingslager in Holzhausen nieder und z\u00fcndeten eine Handgranate. Die Fl\u00fcchtlinge konnten entkommen und wurden von einigen Anwohner_ innen versteckt. Die Nazis, unbehelligt von der Polizei, trafen sich nach diesen \u201eErfolgen\u201c an der Tankstelle in der Marschnerstra\u00dfe, bewaffneten sich dort mit mit Benzin gef\u00fcllten Flaschen und fuhren im Konvoi in Richtung Connewitz. Diesmal war das Markleeberger Fl\u00fcchtlingsheim Ziel der Brands\u00e4tze. Die Nacht wurde mit dem Wurf von Brandflaschen auf das Dach des Kulturzentrums Conne Island beendet. Das Feuer konnte rechtzeitig gel\u00f6scht werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Fl\u00fcchtlinge aus dem Lager in Holzhausen wurden nach dem \u00dcberfall am 28. August 1992 in ein ehemaliges Kulturhaus in Lindenthal bei Wahren gebracht. Dort sammelten sich bereits am n\u00e4chsten Tag wieder Nazis und warfen Steine gegen das Geb\u00e4ude. Erst als das Auto eines Fl\u00fcchtlings im Flammen aufging, vertrieb die Polizei die Angreifer_innen. Zwei Tage sp\u00e4ter wurden die Fl\u00fcchtlinge auch von dort weggebracht. Der damalige Leipziger Ordnungsdezernent Hans- Eberhard Gemkow zeigte sich entsetzt \u00fcber die rassistisch aufgeladene Stimmung in der Stadt. Bei einem Besuch in Leipzig-Gr\u00fcnau aus Anlass der Angriffe in der August-Nacht, schlugen ihm Hass und Drohungen entgegen. \u201eGanz normale B\u00fcrger_innen\u201c bekundeten, dass sie selbst Hand anlegen w\u00fcrden, wenn die Fl\u00fcchtlinge weiter in der Nachbarschaft verbleiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Step forward<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zwanzig Jahre danach hetzen Nazis, B\u00fcrger_innen und offizielle Politik bundesweit wieder und weiter gegen Fl\u00fcchtlinge. Aktuell sind insbesondere in Sachsen verst\u00e4rkt Mobilisierungen gegen die Errichtung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge festzustellen. Ob in Gr\u00f6ditz im Landkreis Mei\u00dfen, wo die NPD Ideengeberin einer schlie\u00dflich vom dortigen Stadtrat getragenen Unterschriftenkampagne gegen eine Asylsuchenden-Unterkunft war; ob in Chemnitz, wo Rechtspopulist_innen zu \u201eB\u00fcrgerstreifen\u201c gegen die s\u00e4chsische Erstaufnahmeeinrichtung f\u00fcr neu ankommende Asylsuchende aufrufen oder auch in Leipzig, wo es in einzelnen Stadtvierteln mobhafte Erhebungen gegen Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Asylsuchende gab und gibt \u2013 das Aggressionspotential w\u00e4chst. Mit ihrer \u201eBrandstifter\u201c-Tour steuerte die NPD im November 2012 gezielt Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Asylsuchende in Sachsen an und versuchte die sowieso ablehnende Stimmung weiter aufzuheizen. Mit Blick auf Leipzig l\u00e4sst sich allerdings konstatieren, dass die B\u00fcrger_innen, die sich seit dem Fr\u00fchjahr gegen die Unterbringung von wenigen Fl\u00fcchtlingen in ihrer Nachbarschaft engagieren, die NPD nicht brauchen und den \u00f6ffentlichen Schulterschluss mit ihr vermeiden. Wie ehrlich die nominelle Abgrenzung angesichts des Bekenntnisses gegen \u201ejeden Extremismus\u201c ist, sei dahingestellt. Es waren eben jene B\u00fcrger_innen, die dem NPD-Stadtrat Rudi Gerhardt f\u00fcr einen Redebeitrag in einer Ratsversammlung Applaus spendeten. Fakt ist, dass die eher besser gestellten B\u00fcrger_innen, insbesondere im Stadtteil Wahren, die rassistische Stimmungsmache selbst bestens beherrschen. Anstelle von realen Brands\u00e4tzen und Steinw\u00fcrfen praktizieren sie geistige Brandstiftung par excellence. Mit propagandistisch vorgetragenen Unterstellungen vom \u201eAnwachsen der Kriminalit\u00e4t und des Unsicherheitsgef\u00fchls f\u00fcr Frauen und Kinder, Drogen, M\u00fcll und der Wertminderung ihrer Grundst\u00fccke\u201c durch den Zuzug von Fl\u00fcchtlingen haben B\u00fcrger_innen in Wahren, aber auch in Gr\u00fcnau und Portitz einen lupenreinen Rassismus zur Schau gestellt, der dem der NPD im Kern in nichts nachsteht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Stimmung auf den zahlreichen B\u00fcrgeransammlungen im Sommer 2012 erinnerte an das progromhafte Klima der fr\u00fchen 1990er Jahre. Die Differenz l\u00e4sst sich in Art und Pr\u00e4sentation der vorgetragenen Argumente ausmachen. Von den Wortf\u00fchrer_innen der Engagierten v.a. in Wahren wird nicht offen gegen \u201eAusl\u00e4nder\u201c gehetzt, sondern mehr oder weniger subtil zwischen den Zeilen. Fadenscheinig bleibt allerdings auch ihre Parteinahme f\u00fcr die sonst von antirassistisch oder humanit\u00e4r ausgerichteten Initiativen erhobene Forderung nach eigenen Wohnungen f\u00fcr alle Asylsuchenden (\u201edezentrale Unterbringung\u201c). Nicht Humanismus treibt sie an, sich der Forderung anzuschlie\u00dfen sondern die Hoffnung, das unerw\u00fcnschte \u201eElend\u201c dann nicht vor ihrer eigenen Haust\u00fcr sehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201cEin zweites Rostock wollen wir hier nicht\u201c, war in einem der zahlreichen Protestbriefe an Stadt und Politik zu lesen. Doch \u201eRostock\u201c gilt den b\u00fcrgerlichen Rassist_innen zwanzig Jahre danach als Sinnbild der St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung und nicht als drastisches Beispiel f\u00fcr die Bedrohung der Unversehrtheit und der W\u00fcrde von Menschen. Flankiert wurden die j\u00fcngsten Aufwiegelungen gegen Fl\u00fcchtlinge in Leipzig \u00fcbrigens von der CDU. Dieselbe CDU, die die de facto Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl massiv vorangetrieben und schlie\u00dflich mit Stimmen der FDP und SPD umgesetzt hat. Die CDU, die in persona des Bundesinnenministers Friedrich heute wieder gegen vermeintliche \u201eWirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c Stimmung macht. Mit solcherlei Argumentation steht die CDU allerdings nicht alleine da, sondern kann sich auf ein, bereits beschriebenes, gesellschaftliches Klima berufen. Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, wie der ehemalige Bundesbanker und Sozialdemokrat Thilo Sarrazin, welcher mit seinen rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen eine ganze Zeit lang die \u00f6ffentliche Debatte pr\u00e4gte, sprechen das aus, was viele Menschen in Deutschland denken. Dabei sind Benachteiligung und Diskriminierung von Asylsuchenden in Sammellagern, das Aufrechterhalten der Residenzpflicht, Arbeitsverbote und minimale Sozialleistungen nach wir vor bittere Realit\u00e4t.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Grad zwischen rassistischen Einstellungen, menschenverachtender Politik und brachialer Gewalt ist auch in Leipzig nur sehr schmal.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Rassismus t\u00f6tet! Leipzig, Dezember 2012<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">[1] siehe <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/sofortmassnahmen-gegen-asylmissbrauch-innenminister-friedrich-will-schnellere-asylverfahren\/7251072.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/hans-peter-friedrich\/innenminister-klagt-ueber-fluechtlings-ansturm-auf-deutschland-26683892.bild.html\">hier <\/a><\/p>\n<p>[2] Vgl.: Mareth, Connie; Schneider, Ray: Haare auf Krawall: Jugendsubkultur in Leipzig 1980 bis 1991. Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 2010.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">[3] Vgl. Monitor: Angriff auf eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Leipzig 1991,<a href=\"http:\/\/www.youtube. com\/watch?v=3PDMWrqgrqg\"> www.youtube. com\/watch?v=3PDMWrqgrqg<\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">* Zum weiterlesen: <strong>Leipzig ganz rechts. Eine Dokumentation rechtsextremer Aktivit\u00e4ten in Leipzig 1989 &#8211; 1995<\/strong>, Antifaschistisches Brosch\u00fcrenkollektiv Leipzig 1995.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">* Erschienen in <a href=\"https:\/\/www.chronikle.org\/inhalt\/brosch%C3%BCre-leipziger-zust%C3%A4nde-2012-erschienen\"><strong>&#8222;Leipziger Zust\u00e4nde 2012&#8220; von chronik.LE<\/strong><\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">*\u00a0 Bild: <strong>Antirassistische Demonstration in Leipzig am 29. September 1997<\/strong>, Quelle: Cee Ieh Newsflyer<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den 1990er Jahren bis in die Gegenwart. 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