{"id":665,"date":"2013-01-27T09:19:24","date_gmt":"2013-01-27T07:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=665"},"modified":"2013-04-18T21:42:11","modified_gmt":"2013-04-18T19:42:11","slug":"urteil-im-fall-des-getoteten-andre-k-demo-am-samstag-26-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/urteil-im-fall-des-getoteten-andre-k-demo-am-samstag-26-1\/","title":{"rendered":"150 Menschen protestieren gegen das Urteil"},"content":{"rendered":"<p><strong>150 Menschen protestieren gegen das Urteil im Prozess gegen die M\u00f6rder des Wohnungslosen Andr\u00e9 K. und gegen Sozialdarwinismus<\/strong><\/p>\n<p>Die AG Sozialdarwinismus und die Kampagne &#8222;Rassismus t\u00f6tet!&#8220; haben im Zusammenhang mit der Urteilsverk\u00fcndung im Prozess gegen die M\u00f6rder des Wohnungslosen Andr\u00e9 K. zu dieser Aktion aufgerufen. Sozialdarwinistisches Gewalt bettet sich in ein gesamtgesellschaftliches Klima ein, so der Tenor der Demo. In der Nacht zum 27. Mai 2011 wurde der schlafende Andr\u00e9 K. am Oschatzer S\u00fcdbahnhof von mindestens f\u00fcnf M\u00e4nnern im Alter von 16 bis 36 Jahren brutal zusammengeschlagen. K. erlag am 1. Juni 2011 seinen schweren Verletzungen. Unter den mutma\u00dflichen T\u00e4tern befindet sich auch Ronny S.(27), der der nords\u00e4chsischen JN, der NPD-Jugendorganisation, zuzurechnen ist.<br \/>\nNach \u00fcber einj\u00e4hriger Verhandlung vor dem Leipziger Landgericht ist am 25. Januar das Urteil gegen die f\u00fcnf T\u00e4ter im Prozess um die T\u00f6tung des wohnungslosen Andr\u00e9 K. gesprochen worden. Trotz der Forderung der Nebenklage, die Angeklagten Sebastian B. und Ronny S. wegen Mord aus niederen Beweggr\u00fcnden sowie die drei jugendlichen Beschuldigten wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen, folgte das Gericht dem nicht. Die Angeklagten erhielten hohe Haftstrafen, jedoch untersuchte das Gericht zu keiner Zeit ein sozialdarwinistisches Tatmotiv.<br \/>\n&#8222;Die T\u00e4ter&#8220;, so Miriam Schleicher, Pressesprecherin der Kampagnengruppe, &#8222;sind Neonazis, die aus sozialdarwinistischen Motiven gehandelt haben. Sie haben Andre K. ermordet, weil sie ihm ein geringeren sozialen Status zugeschrieben haben.&#8220; Diese Tat kann nur als Spitze eines gesamtgesellschaftlich verbreiteten Sozialdarwinismus gesehen werden. Das Handeln von Gerichten und Polizei ist daf\u00fcr exemplarisch, auch in diesem Fall: So \u00e4u\u00dferte der polizeiliche Ermittlungsf\u00fchrer, dass ihn ein Tatmotiv nicht interessiere, wenn er doch die T\u00e4ter habe.<br \/>\n&#8222;Das Tatmotiv wird nicht nur ausgeblendet, es wird gar nicht erst danach gesucht. Die gleichen Beamt_innen waren auch f\u00fcr die Hausdurchsuchungen bei zwei der T\u00e4ter verantwortlich und fand keine Hinweise f\u00fcr deren rechte Gesinnung, wobei sich die Frage stellt, ob \u00fcberhaupt danach gesucht wurde?&#8220;, so Schleicher.<\/p>\n<p>Auch Richter Nobert G\u00f6bel reproduzierte das Ungleichwertigkeitsdenken der T\u00e4ter, indem er Zeug_innen und auch die T\u00e4ter aufgrund ihres vermeintlichen sozialen Status herabw\u00fcrdigte. Das Verhalten des Richters illustriert die gesellschaftliche Einbettung sozialdarwinistischen Denkens. &#8222;T\u00e4ter, wie die im Fall des ermordeten Andr\u00e9 K., setzen lediglich um, was durch Gesellschaft und Politik vorgegeben wird.&#8220;, so Schleicher.<\/p>\n<p>Auf der Demonstration wurde in einem Redebeitrag auch auf die Folgen st\u00e4dtischer Ordnungspolitik f\u00fcr sozial Marginalisierte hingewiesen. Sitzgelegenheiten im innerst\u00e4dtischen Raum wurden schon vor Jahren derart umgestaltet, dass darauf Schlafen nicht m\u00f6glich ist. Durch das n\u00e4chtliche Schlie\u00dfen der Sparkassenfilialen in Leipzig werden Wohnungslose, die sich dort in kalten Jahreszeiten aufw\u00e4rmen, gezielt ausgeschlossen. Solche und \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen haben schwere Konsequenzen f\u00fcr die Betroffenen: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. z\u00e4hlt 274 Wohnungslose, die seit 1991 erfroren sind, weil sie keinen Schutz gefunden haben.<br \/>\nMiriam Schleicher dazu: &#8222;Abwertungs- und Ausschlussmechanismen gegen\u00fcber sozial Benachteiligten, wie sie an Bahnh\u00f6fen und Innenst\u00e4dten Praxis sind, m\u00fcssen ein Ende haben. Nicht \u00fcber Verbote, sondern durch Ursachenanalyse sozialer Benachteiligung ist eben jene aufzuheben. Verbote manifestieren Benachteiligungen und Ausschl\u00fcsse lediglich durch ihre Unsichtbarkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Spendenaufruf RAA Sachsen e.V.:<br \/>\nWas immer noch vonn\u00f6ten ist, ist ein w\u00fcrdiges Grab f\u00fcr Andr\u00e9 K. Die Familie des Get\u00f6teten wurde durch die Polizei von dessen Ermordung nicht informiert. Als die Angeh\u00f6rigen die Todesnachricht erhielten, war Andre K. bereits beerdigt: in einem Urnensozialgrab. Die Familie m\u00f6chte nun eine w\u00fcrdige Ruhest\u00e4tte f\u00fcr Andre K. Die daf\u00fcr entstehenden Kosten sollen durch Spenden erbracht werden. Bisheriger Spendenstand: 1.350,-Euro<\/p>\n<p>Spendenkonto: Jugend-, Kultur- und Umweltzentrum e.V.<br \/>\nKonto: 2200024013<br \/>\nBLZ: 860 555 92 (Sparkasse Leipzig)<br \/>\nVerwendungszweck: Spende Umbettung Andr\u00e9 K.<\/p>\n<p>&gt;&gt;&gt; <a href=\"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/index.php\/demo-gegen-jeden-sozialdarwinismus\/\">zum Aufruf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>150 Menschen protestieren gegen das Urteil im Prozess gegen die M\u00f6rder des Wohnungslosen Andr\u00e9 K. und gegen Sozialdarwinismus Die AG Sozialdarwinismus und die Kampagne &#8222;Rassismus t\u00f6tet!&#8220; haben im Zusammenhang mit der Urteilsverk\u00fcndung im Prozess gegen die M\u00f6rder des Wohnungslosen Andr\u00e9 K. zu dieser Aktion aufgerufen. 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