{"id":2885,"date":"2026-10-02T15:52:41","date_gmt":"2026-10-02T13:52:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2885"},"modified":"2026-10-20T16:22:00","modified_gmt":"2026-10-20T14:22:00","slug":"podiumdiskussion-was-bleibt-wenn-es-gewesen-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/podiumdiskussion-was-bleibt-wenn-es-gewesen-ist\/","title":{"rendered":"Podiumdiskussion am 23. Oktober: Was bleibt, wenn es gewesen ist?"},"content":{"rendered":"<p>\u201cNazis morden, der Staat schaut zu \u2013 Verfassungsschutz und <span class=\"caps\">NSU<\/span>\u201d<br \/>\n\u201cWo, wo, wo wart ihr in Hanau?\u201d<br \/>\n\u201cOury Jalloh, das war Mord \u2013 Widerstand an jeden Ort\u201d<\/p>\n<p>Wir alle kennen diese Parolen von Demonstrationen, haben sie mitgerufen, waren dabei emotional ergriffen, hatten das Bed\u00fcrfnis m\u00f6rderischer rechter Gewalt etwas entgegen zu setzen. <!--more--><br \/>\nDann kam die Abschlusskundgebung, die Kneipe danach und schon begann auch das Danach in unseren eigenen K\u00f6pfen.<br \/>\nDas Danach, nach der Gewalt, nach der emotionalen Verbundenheit, nach dem Gedenken. Unsere Leben gehen weiter unser Fokus endet nach der Gedenkkundgebung, der Insta-Story, dem Aussprechen, wie schlimm das doch alles sei. Andere Themen scheinen wichtiger, sehen besser aus, geben einem selbst mehr ein Gef\u00fchl der Widerst\u00e4ndigkeit gegen Staat, Nation und Kapital.<br \/>\nDoch es gibt auch Menschen, f\u00fcr die es kein Danach gibt. Die ermordet wurden, mit dem Tod geliebter Menschen umgehen m\u00fcssen oder einfach auf Grund gesellschaftlicher Strukturen immer in einem diffusen Davor leben m\u00fcssen, hoffend, dass nichts passiert.<\/p>\n<p>Als radikale Linke setzen wir uns selbst als Ziel, der Gesellschaft und ihrer Gewalt etwas entgegen zu setzen. F\u00fcr uns ist kontinuierliche und kritische Gedenkpolitik ein zentraler Bestandteil dieser Haltung und auch antifaschistischer Praxis. Wir k\u00f6nnen das Leid und die Gewalt, die bereits geschehen sind nicht verhindern oder im nach hinein aufl\u00f6sen, aber wir m\u00fcssen alles daran setzen, k\u00fcnftige Taten zu verhindern und daf\u00fcr ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Vergangenen notwendig.<\/p>\n<p>Diese \u2013 die deutschen \u2013 Zust\u00e4nde t\u00f6ten. Sie t\u00f6ten au\u00dferhalb des eigenen Staatsgebietes, in dem sie Menschen den r\u00e4umlichen Zugang zu Sicherheit vor Krieg und Armut verweigern. Sie t\u00f6ten an den europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen, wo sie mit Frontex mitverantwortlich f\u00fcr Push-Backs und massenhaftes Ertrinken im Mittelmeer sind. Und sie t\u00f6ten hier, in Deutschland, in Sachsen, in Leipzig durch konkrete Individuen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, \u201cVolk\u201d und \u201cVaterland\u201d bis aufs Blut zu verteidigen. Dass es das Blut derer ist, die sie als \u201canders\u201d begreifen, versteht sich von selbst und sie k\u00f6nnen sich als legitime Vollstrecker des Volkswillens der schweigenden Mehrheit und AfD-W\u00e4hler*innen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit hat die radikale Linke diesbez\u00fcglich schon oft versagt, zum Beispiel als Angeh\u00f6rige von Opfern des sogenannten <span class=\"caps\">NSU<\/span> \u201cKein zehntes Opfer!\u201d forderten und darauf hinwiesen, dass die T\u00e4ter*innen Neonazis sein k\u00f6nnten, wurde ihnen keine Unterst\u00fctzung zu Teil, tats\u00e4chlich noch nicht mal ein Ohr geschenkt. So etwas darf sich niemals wiederholen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben wir versucht, ein kritisches und antifaschistisches Erinnern an die rassistischen, sozialdarwinistischen und homosexuellenfeindlichen Morde an Kamal K., Gerhard S., Karl-Heinz T., Thomas K., Nuno L., Achmed B. Bernd G., Horst K., Gerhard Helmut B. und Klaus R. zu etablieren, ihre gesellschaftlichen Ursachen aufzuarbeiten und uns gegen eine menschenfeindliche gesellschaftliche Kontinuit\u00e4t zu stellen.<\/p>\n<p>Leider bemerken wir, dass es kaum Interesse an Auseinandersetzungen mit den Methoden und Funktionen politischen Gedenkens mehr gibt und der gr\u00f6\u00dfte Teil der radikalen Linken h\u00e4ufig nicht einmal mehr selbst inszenierende Gedenkpraxen w\u00e4hlt.<br \/>\nDie wenigen Akteur*innen die diese politische Praxis in den letzten Jahren f\u00fcr sich entdeckten, betreiben es auf eine Art, die darauf ausgelegt ist, sich selbst zu entlasten. Als Folge verleugnen sie die gesellschaftlichen Umst\u00e4nde der Tat, ihr Fortbestehen und ben\u00f6tigen die Verf\u00e4lschung des Geschehenen. All das sind f\u00fcr uns Formen von illegitimen Gedenken.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00f6chten wir euch am 23.10. um 19 Uhr ins Plaque zu einer (Podiums-)Diskussion \u00fcber die Funktionen, Notwendigkeiten und Gr\u00fcnden f\u00fcr politisches Gedenken einladen. Hier wollen wir mit einem Podium und euch dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch kommen, welche M\u00f6glichkeiten und Potentiale politisches Gedenken in sich tr\u00e4gt und welche Formen hierf\u00fcr besonders kritikw\u00fcrdig oder auch sinnhaft sind. Wie Gedenken entpolitisiert und instrumentalisiert wird. Wie mit dem komplizierten Spagat zwischen individueller Trauer und Gedenken als Praxis der Kritik umgegangen werden kann. Wie wir als radikale Linke ein historisches Bewusstsein, das aus der Vergangenheit heraus in der Gegenwart f\u00fcr die Zukunft k\u00e4mpft, entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn Gedenken basiert nicht nur auf Wissen, sondern auch auf (Deutungs-)Macht und Interessen. Es geht nicht nur darum, was erinnert oder vergessen gemacht wird, sondern auch darum, wie erinnert oder ausgelassen wird.<\/p>\n<p>Datum: <strong>23.10.2026<\/strong><br \/>\nUhrzeit: <strong>19:00 Uhr<\/strong><br \/>\nOrt: <strong>Plaque<\/strong> (Industriestra\u00dfe 101)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cNazis morden, der Staat schaut zu \u2013 Verfassungsschutz und NSU\u201d \u201cWo, wo, wo wart ihr in Hanau?\u201d \u201cOury Jalloh, das war Mord \u2013 Widerstand an jeden Ort\u201d Wir alle kennen diese Parolen von Demonstrationen, haben sie mitgerufen, waren dabei emotional ergriffen, hatten das Bed\u00fcrfnis m\u00f6rderischer rechter Gewalt etwas entgegen zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2888,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2885","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2885"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2885\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2892,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2885\/revisions\/2892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}