{"id":2833,"date":"2026-05-08T18:43:54","date_gmt":"2026-05-08T16:43:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2833"},"modified":"2026-05-22T18:47:00","modified_gmt":"2026-05-22T16:47:00","slug":"kurzbericht-zum-gedenken-an-bernd-g","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/kurzbericht-zum-gedenken-an-bernd-g\/","title":{"rendered":"Kurzbericht vom Gedenken an Bernd G."},"content":{"rendered":"<p>Wir spiegeln hier den Kurzbericht zum Gedenken an <a href=\"https:\/\/www.niemals-vergessen.org\/bernd-grigol\/\">Bernd G.<\/a> in Leipzig Wahren der Gruppe <a href=\"https:\/\/www.alea-le.org\/\">alea:<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 8.5.2026 gedachten Antifaschist:innen der Ermordung Bernd Grigols vor drei\u00dfig Jahren. Er wurde von drei Neonazis auf brutalste Art umgebracht. Das Gedenken fand auf dem Pater-Aurelius-Platz in Leipzig\u2013Wahren statt. Nach dem Verlesen eines Redebeitrages wurden in der n\u00e4hreren Umgebung Plakate, die \u00fcber die Tat informieren, angebracht. Anschlie\u00dfend wurden in der Gottla\u00dfstra\u00dfe, wo von Antifaschist:innen vor ein paar Jahren eine Gedenkplakette angebracht worden war, Blumen niedergelegt und die Plakette von einem Tag gereinigt.<!--more--><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir dokumentieren hier den Redebeitrag:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">30 Jahre ist es her, dass hier in Wahren der 43-j\u00e4hrige Bernd Grigol von drei Neonazis ermordet wurde. Bernd Grigol betrieb zusammen mit seinem Freund einen Laden in Leipzig. Aus seiner Homosexualit\u00e4t machte er hier im Stadtteil kein gro\u00dfes Geheimnis. Und auch seinen M\u00f6rdern war dieser Umstand wohlbekannt. In der Nacht vom 07. auf den 08. Mai beleidigen die drei Nazis ihn mit den Worten \u201eHau ab, du schwule Ratte!\u201c, ehe sie ihn schwerst misshandelten, ihm die Augen ausstachen und schlie\u00dflich t\u00f6teten. Mindestens 36 Mal stachen sie mit einem Messer auf ihr Opfer ein, warfen Bernd Grigol dann in den Autokofferraum eines vierten T\u00e4ters, um den reglosen K\u00f6rper anschlie\u00dfend in einem nahegelegenen See in Ammelshain zu schmei\u00dfen. Das Gericht erkennt zwar den Mord aus \u201eLust und Laune an k\u00f6rperlicher Misshandlung\u201d an und verurteilte die T\u00e4ter entsprechend, ein Todesopfer rechter Gewalt wollte das Gericht aber nicht erkennen \u2013 entgegen aller doch eindeutiger Hinweise aus der vorherigen Hausdurchsuchung und unzweifelhaften politischen Orientierung der T\u00e4ter.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 30 Jahren k\u00f6nnte manch einer jetzt vielleicht meinen, dass der Tod von Bernd Grigol und dessen Umst\u00e4nde zwar schrecklich gewesen waren, man ja nun aber auch durchaus mal Ruhe geben k\u00f6nnte mit dem ganzen Gedenken. Die Zeiten \u2013 und mit ihr die Gesellschaft \u2013 haben sich schlie\u00dflich ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was machen wir dann trotzdem hier? Gedenken bedeutet f\u00fcr uns zweierlei: einerseits nicht zu vergessen, wozu Menschen leichterdings f\u00e4hig sein k\u00f6nnen. Da reicht aus Sicht der T\u00e4ter das falsche Aussehen, die falsche Herkunft oder im Fall von Bernd Grigol die falsche, gelebte Sexualit\u00e4t, um einen Menschen zu ermorden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sicherlich hat sich der Stadtteil hier mittlerweile ver\u00e4ndert: Wenn Wahren Mitte der 1990er Jahre noch ein Schwerpunkt schwulenfeindlicher \u00dcbergriffe in Leipzig war, wie der damalige sogenannte Schwulenbeauftragte der Stadt Leipzig, Thomas Krakow, dem Stadtteil attestierte, so ist diese unr\u00fchmliche Poleposition so heute nicht mehr gegeben. Dennoch stellen wir fest: Sie nimmt aktuell wieder zu, die Anh\u00e4ngerschaft derer, die denken, dass Abweichungen von der Heterosexualit\u00e4t ein Angriff auf die deutsche Gesellschaft als Ganzes darstellen und entsprechend bek\u00e4mpft geh\u00f6ren. Das BKA weist in einem Lagebericht aus dem Jahr 2025 darauf hin, dass sich die Straftaten in den Bereichen \u201eSexuelle Orientierung\u201d und \u201eGeschlechtsbezogene Diversit\u00e4t\u201d seit 2010 in Deutschland nahezu verzehnfacht haben. Laut der Amadeu Antonio Stiftung kam es 2025 bei fast jeder zweiten CSD-Veranstaltung zu St\u00f6rungen oder \u00dcbergriffen \u2013 mit 111 F\u00e4llen ein Rekordhoch. Von rechten Gegendemonstrationen \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis hin zu Hetze und Sachbesch\u00e4digungen war alles vertreten. Und auch die AfD machte erst vor kurzem in ihrem Wahlprogramm f\u00fcr die diesj\u00e4hrige Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich, was aus ihrer Sicht das Problem ist. Sie bem\u00e4ngelt, dass \u201esexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen mittlerweile mehr Akzeptanz genie\u00dfen und offensiver beworben werden als die normale Familie aus Mann und Frau\u201d. Das soll sich \u00e4ndern. Sie sprechen sich \u201edaher klar gegen die staatliche Bewerbung und F\u00f6rderung alternativer Lebensentw\u00fcrfe aus. [\u2026] Die Sonderstellung der Familie aus Vater, Mutter und Kindern ist daher beizubehalten und als gesellschaftspolitisches Ziel zu formulieren, um die Zukunft und den Fortbestand unseres Volkes zu garantieren.\u201d Ferner \u201ewerden die verschiedensten Auspr\u00e4gungen nicht-normaler Geschlechtsidentit\u00e4ten oder abseitiger sexueller Vorlieben geradezu beworben und bei Kindern im Kindergarten- oder Grundschulalter ins Bewusstsein ger\u00fcckt. Das ist \u00fcbergriffig und geht zu weit!\u201d<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mit Personen passieren soll, die ihre \u201enicht-normalen Geschlechtsidentit\u00e4ten und abseitigen sexuellen Vorlieben\u201d nicht im stillen K\u00e4mmerlein belassen, l\u00e4sst die AfD offen. Die M\u00f6rder von Bernd Grigol taten es nicht. Er war ihnen so wenig wert, dass sie ihn vor 30 Jahren ermordeten und in einen See warfen. Und das ist der zweite Grund, warum wir auch dieses Jahr wieder hier sind. Es ist der anhaltende Kampf, den Ermordeten den Wert ihres Lebens zur\u00fcckzugeben. Dagegen zu k\u00e4mpfen, dass sie zu dem werden, was die Nazis aus ihnen machen wollten: ein Nichts, eine Bedeutungslosigkeit. Die M\u00f6rder von Bernd Grigol wollten, dass er verschwand, als h\u00e4tte es ihn nie gegeben. Deswegen ist unser heutiges Gedenken auch ein Kampf darum, dass die M\u00f6rder nicht gewinnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch nach 30 Jahren: In Gedenken an Bernd Grigol!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir spiegeln hier den Kurzbericht zum Gedenken an Bernd G. in Leipzig Wahren der Gruppe alea: Am 8.5.2026 gedachten Antifaschist:innen der Ermordung Bernd Grigols vor drei\u00dfig Jahren. Er wurde von drei Neonazis auf brutalste Art umgebracht. 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