{"id":2646,"date":"2024-03-20T18:53:32","date_gmt":"2024-03-20T16:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2646"},"modified":"2024-03-20T18:55:57","modified_gmt":"2024-03-20T16:55:57","slug":"redebeitrag-auf-der-kundgebung-am-8-maerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-auf-der-kundgebung-am-8-maerz\/","title":{"rendered":"Redebeitrag auf der Kundgebung am 8. M\u00e4rz"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlichkeit als frauen*feindliche Waffe<\/p>\n<p>Vorstellungen von Nat\u00fcrlichkeit nehmen im Weltbild der extremen Rechten und auch konservativer Aktuer:innen eine zentrale ideologische Funktion ein. Falsche Vorstellungen von Naturgesetzen dienen als Begr\u00fcndungen f\u00fcr soziale Ph\u00e4nomene. Gesellschaftliche Hierarchen, R\u00e4ume und Verhalten schlicht alles wird zur Natur des Menschen an sich verkl\u00e4rt.<br \/>\nSchlagworte wie Ethnopluralismus, Lebensraumprinzip oder Volksgemeinschaft, mit denen menschenfeindliche, rassistische Ideologie und Bestrebungen naturalisiert und legitimiert werden, sind uns allen bekannt.<\/p>\n<p>Aber auch die Naturalisierung von frauenfeindlichen Geschlechterbildern nimmt einen zentralen Platz im konservativen und v\u00f6lkischen Denken ein. Frauen und Vorstellungen von Weiblichkeit werden hoch stilisiert und als im v\u00f6lkischen Sinn sch\u00fctzenswert bezeichnet. Gemeint ist damit selbstverst\u00e4ndlich die &#8222;bio-deutsche&#8220; Frau und insbesondere ihr K\u00f6rper als Reproduktionsst\u00e4tte f\u00fcr den geforderten gesunden Volksk\u00f6rper und auch den Erhalt v\u00f6lkischer Kultur.<\/p>\n<p>Die Einteilung in Nat\u00fcrlich und Unnat\u00fcrlich dient dazu, Frauenfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zu begr\u00fcnden und aufrecht zu erhalten. Daraus folgt, dass Gewalt gegen jedes, von dieser Vorstellung abweichendes Verhalten als Verteidigung einer nat\u00fcrlichen Ordnung gesehen wird.<\/p>\n<p>Die gegenseitige Bedingung und Verschr\u00e4nkung menschenfeidlicher Ideologien, l\u00e4sst sich besonders gut in Erz\u00e4hlungen um rechte und v\u00f6lkische Bio-Politik,also der Erz\u00e4hlung des gro\u00dfen Austausches erkennen, die immer mehr an Popularit\u00e4t gewinnt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Feminismus und Emanzipation M\u00e4nner in westlichen Gesellschaften verweichlicht h\u00e4tten und dadurch die Geburtenrate zur\u00fcckgehe.<br \/>\nGleichzeitig k\u00e4men durch Migration und Flucht Millionen M\u00e4nner nach Europa. Angeblich mit dem Ziel \u00fcber mehrere Generationen einen Austausch der deutschen Bev\u00f6lkerung durchzuf\u00fchren. Und das alles soll von J\u00fcdinnen und Juden gesteuert sein.<\/p>\n<p>In dieser Vorstellung vermischen sich \u00fcberdeutlich Rassismus, Antisemitismus und Sexismus zum entmenschlichenden Bild des sexuell omnipotenten und unzivilisierten Migranten, des boshaften Juden und der verantwortlichen Frau. Die extrem Rechte konstruiert auf diese Weise einen direkten Zusammenhang von feministischen K\u00e4mpfen und Migrationsbewegungen zur Ausl\u00f6schung des \u201edeutschen Volkes\u201c.<\/p>\n<p>Martin Sellner erkl\u00e4rte beispielsweise, Frauen seien von Natur aus &#8222;emotional erpressbar&#8220; und somit f\u00fcr die angebliche &#8222;Masseninvasion&#8220; verantwortlich, ihre angebliche Unf\u00e4higkeit nein zu sagen, ist f\u00fcr ihn und seine Gesinnungsgenossen direkt mit dem herbeifantasierten Volkstod verbunden. Diese rassistische und sexistische Sichtweise wird durch Propaganda verst\u00e4rkt, die Frauen als potenzielle Volks-Verr\u00e4terinnen darstellt, die die &#8222;reine&#8220; Kultur und das homogene Volk bedrohen.<\/p>\n<p>Da aber da die Einheitlichkeit der Volksgemeinschaft f\u00fcr Rechte eine unbedingt zu erstrebende Kategorie ist, die auf jeden Fall verteidigt werden muss, greifen die wichtigsten ideologischen Bausteine bei der Abwendung der Katastrophe des gro\u00dfen Austausches ineinander: Antifeminismus, Antisemitismus und Rassismus. Und Neonazis greifen daf\u00fcr bekanntlich auch zur Waffe.<\/p>\n<p>So macht der Attent\u00e4ter von Ut\u00f8ya, Anders Breivik, in seinem Manifest neben dem Sozialismus auch den Feminismus f\u00fcr den Verfall der westlichen Gesellschaften und V\u00f6lker verantwortlich.<\/p>\n<p>Zusammenfassend betrachtet werden in der politischen Rechten patriarchale Geschlechterbilder in radikalster Form reproduziert.<br \/>\nIn direkter Beziehung zu weiteren Formen faschistischer Ideologie, konstituieren sie ein Weltbild, dass aktiv und passiv Menschenleben gef\u00e4hrdet und rechten Terror nicht nur legitimiert, sondern auch hervorruft.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wird deutlich, dass nicht nur die extreme Rechte sondern auch vermeintlich gem\u00e4ssigte Akteur:innen gezielt auf Feindbilder und Stereotypen zur\u00fcckgreifen, um menschenfeindliche Ideologie zu festigen und zu verbreiten.<\/p>\n<p>Dankbar werden hierbei regelm\u00e4\u00dfig extrem rechte Narrative aufgegriffen, welche \u00fcber die Zeit in nur leicht abgewandelter Form oder direkt \u00fcbernommen zum b\u00fcrgerlichen &#8222;Common Sense&#8220; avancieren: galt 2015 beispielsweise eine &#8222;das Boot ist voll&#8220; Mentalit\u00e4t noch als &#8222;rechtsextrem&#8220;, so herrscht 2024 auch bei den etablierten Parteien kaum Uneinigkeit \u00fcber die angebliche Notwendigkeit von Obergrenzen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Die Forderung nach dem offenen Grundrechtsbruch stellt hierbei kein Tabu mehr da.<\/p>\n<p>Die Instrumentalisierung von Geschlechterstereotypen und rassistischen Narrativen dient dazu, Angst zu sch\u00fcren und die eigene Ideologie zu rechtfertigen. Somit ist die Intersektionalit\u00e4t von Ideologien nicht nur ein theoretisches Konzept, sie bedroht auch in konkreten Handlungen, Politiken und Diskursen, die Grundlagen einer freien Gesellschaft.<\/p>\n<p>Jeder antifaschistische Kampf, jeder Schritt hin zur befreiten Gesellschaft muss dezidiert feministisch sein. Der Kampf um eine Gesellschaft frei von Frauenfeindlichkeit darf und kann nicht hinten angestellt werden, wie auch K\u00e4mpfe gegen Rassismus und Antisemitismus. Zum einen, weil auch Frauen, migrantisierte und rassifizierte Menschen sowie J\u00fcd:innen ein Recht auf Befreiung haben, zum anderen, weil sie eben keine blo\u00dfen Nebenwiderspr\u00fcche darstellen, sondern eng verwobene Bedingung f\u00fcr die Menschenfeindlichen Zust\u00e4nde in denen wir leben.<\/p>\n<p>Deshalb bleibt zum Schluss zu sagen: Feminsimus hei\u00dft Volks- und Vaterlandsverat und so muss es auch sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlichkeit als frauen*feindliche Waffe Vorstellungen von Nat\u00fcrlichkeit nehmen im Weltbild der extremen Rechten und auch konservativer Aktuer:innen eine zentrale ideologische Funktion ein. Falsche Vorstellungen von Naturgesetzen dienen als Begr\u00fcndungen f\u00fcr soziale Ph\u00e4nomene. Gesellschaftliche Hierarchen, R\u00e4ume und Verhalten schlicht alles wird zur Natur des Menschen an sich verkl\u00e4rt. 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