{"id":2623,"date":"2023-12-05T16:24:57","date_gmt":"2023-12-05T14:24:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2623"},"modified":"2023-12-06T18:19:37","modified_gmt":"2023-12-06T16:19:37","slug":"ue30-frueher-war-ich-mal-politisch-organisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/ue30-frueher-war-ich-mal-politisch-organisiert\/","title":{"rendered":"\u00dc30: Fr\u00fcher waren wir mal politisch (organisiert)"},"content":{"rendered":"<p>Gro\u00df war das Interesse zu den Hintergr\u00fcnden und zum Ablauf der Veranstaltungen, auch \u00fcber Leipzig hinaus, mit diesem Text soll auf die Nachfragen geantwortet werden. In den letzten Jahren machte sich Unverst\u00e4ndnis und Unmut \u00fcber das vermehrte Aufkommen autorit\u00e4rer kommunistischen Gruppen (K-Gruppen) breit, welches meist jedoch nicht \u00fcber pers\u00f6nliche oder Kneipentischgespr\u00e4che hinaus kundgetan wurde. Unterschiedliche Thesen f\u00fcr die vermeintliche \u201eAttraktivit\u00e4t\u201c dieser K-Gruppen (von manchen auch als \u201eRotgruppen\u201c bezeichnet), war der Mangel an alternativen Angeboten f\u00fcr junge Linke, verpasster Wissenstransfer oder gar ein Generationswechsel mit mangelnden Austausch untereinander. Es gibt nat\u00fcrlich noch weitere und andere Thesen f\u00fcr das vermehrte Aufkommen dieser Gruppen in Leipzig, aber die Idee der \u00dc30-Veranstaltungen entsprang aus einem Zusammenhang, der sich eigentlich damit besch\u00e4ftigte, den vermeintlichen Mangel an Angeboten f\u00fcr junge Linke zu bearbeiten. Dieser Zusammenhang konnte sich letztendlich nicht auf eine gemeinsame Herangehensweise bez\u00fcglich weiteren Angeboten f\u00fcr j\u00fcngere Menschen verst\u00e4ndigen und wie so oft mangelte es an den ber\u00fchmten \u201eKapazit\u00e4ten\u201c.<\/p>\n<p>Gegen die These, dass es an Angeboten f\u00fcr junge Linke mangelt sprach zudem die Tatsache, dass es mit dem Offenen Antifa Treffen, der Skillsharing-Reihe und den vielen neuen politischen Zusammenh\u00e4ngen der letzten Jahre, die nicht den K-Gruppen zu zurechnen sind, Angebote f\u00fcr j\u00fcngere Linke existieren. Daraus ergab sich die \u00dcberlegung, ob es vielleicht eher an Angeboten und R\u00e4umen mangelt f\u00fcr jene, die fr\u00fcher mal organisiert waren oder es gerne wieder w\u00e4ren, aber nicht mehr unter oder um die 20 Jahre alt sind. Aus dieser Runde entstand daher der Gedanke, dass es nicht an Angeboten f\u00fcr j\u00fcngere Linke mangelt, sondern auch an M\u00f6glichkeiten f\u00fcr jene, die aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht mehr in politischen Zusammenh\u00e4ngen organisiert sind oder es bisher nicht waren und ein Alter erreicht haben, bei dem es oft zu skeptischen Blicken kommt, wenn sie die \u00e4ltesten im Raum sind.<\/p>\n<p>Die Idee war also eine Reorganisierung f\u00fcr jene, die bereits Erfahrungen in linken politischen Kontexten gesammelt haben und vielleicht Anschluss verloren haben und auf der Suche nach erneutem sind, verbunden mit der Hoffnung, dass bestimmte Diskussionen nicht erst gef\u00fchrt werden m\u00fcssen, weil es schon eine Grundlage gibt. Das Ziel der \u00dc30- Veranstaltungen war und ist keine Situationsanalyse der Leipziger Verh\u00e4ltnisse oder eine gro\u00dfe Debatte darum, wieso und weshalb unterschiedlichste (individuelle) Gr\u00fcnde zum Ende der eigenen politischen Aktivit\u00e4ten in klassischen linken Strukturen f\u00fchrten, noch was sich alles \u00e4ndern sollte um \u201edabei zu bleiben\u201c, wie es schon versucht wurde zu diskutieren. Ganz praktisch ging es um das Zusammenkommen und vernetzen, also eines Neustart f\u00fcr die Generation \u00dc30.<\/p>\n<p>In Vorbereitung der ersten Veranstaltung befragten wir Menschen nach ihren pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden heute nicht mehr so politisch organisiert zu sein, wie sie es einmal waren. Die Antworten haben wir eingesprochen und bei der Veranstaltung abgespielt, aber auch genutzt um uns eine Struktur zu \u00fcberlegen, wie wir den ersten Abend gestalten wollten. Die Veranstaltung sollte nicht l\u00e4nger als zwei Stunden gehen, es sollte eine halbe Stunde Einf\u00fchrung ins Thema geben, Auflockerung der Stimmung, dann eine Stunde in kleineren Gruppen und am Ende eine halbe Stunde um noch einmal gemeinsam zusammen zu kommen und zu besprechen, was in den anderen Gruppen diskutiert wurde. So war die Vor\u00fcberlegung.<\/p>\n<p><strong>Der erste Abend<\/strong><\/p>\n<p>Die Resonanz war gro\u00df und der Raum voll. Am Eingang hing eine Ausschlussklausel f\u00fcr Cops, VS, Zutr\u00e4ger*innen f\u00fcr Beh\u00f6rden, Journalist*innen und f\u00fcr jene, die aus politischen Gr\u00fcnden (\u201cdas private ist politisch\u201d) aus ihren politischen Gruppen und Zusammenh\u00e4ngen geflogen sind.<br \/>\nEingef\u00fchrt wurde der Abend mit den oben beschriebenen \u00dcberlegungen und wie es dazu gekommen ist. Dann wurden die eingesprochenen Kommentare von den Menschen, die wir vorher befragt hatten abgespielt. Zur weiteren Auflockerung der Runde wurden thematisch passende Antworten eines Spiels \u201e129 Antifas haben wir gefragt, nennen sie etwas, dass\u2026\u201c von einer Soli-Party von vor ein paar Jahren vorgestellt. Dann sollte es in die unterschiedlichen Gruppen gehen, folgende standen zur Auswahl:<\/p>\n<p>&#8211; In der ersten Gruppe wurden politische Zusammenh\u00e4nge vorgestellt oder stellten sich selbst vor, die offen f\u00fcr neue Mitstreiter*innen sind und von der Zusammensetzung nicht prim\u00e4r aus Menschen unter oder um die 20 Jahre bestehen. Hier ging es also darum den Einstieg bei bestehenden Strukturen zu erm\u00f6glichen und ein Einblick daf\u00fcr zu bekommen, was diese Gruppen machen und was es f\u00fcr M\u00f6glichkeiten gibt.<\/p>\n<p>&#8211; Eine weitere Gruppe sollte die M\u00f6glichkeit er\u00f6rtern, eine neuen politischen Zusammenhang zu begr\u00fcnden, falls eine gewisse Anzahl an Menschen im Raum ist, die sich vielleicht (noch) kennt und bis zu dem Abend gar nicht wusste, dass jene anderen im Raum auch auf der Suche sind oder motiviert wieder etwas zu organisieren.<\/p>\n<p>&#8211; Die n\u00e4chste Gruppe war f\u00fcr jene, die zwar interessiert sind und motiviert, aber eher lockere und offene Formate und Angebote brauchen. Die w\u00f6chentliche Treffen vielleicht nicht schaffen oder eher sehr langfristig planen m\u00fcssen, also eine Veranstaltung, Demo, Kampagne oder auch ein Text eher etwas ist, was in viel l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen organisiert und geplant werden muss.<\/p>\n<p>&#8211; Eine weitere Gruppe sollte sich mit der Frage besch\u00e4ftigen, was es konkret braucht f\u00fcr Linke, die aufgrund von Familie und Beruf politische Zusammenh\u00e4nge verlassen haben und welche Angebote und Konzepte es braucht, damit m\u00f6gliche H\u00fcrden und Hindernisse abgebaut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8211; Eine andere Runde sollte erm\u00f6glicht werden, falls Menschen mit g\u00e4nzlich anderen Ideen und Vorstellungen zum Abend gekommen sind. Sich unter der Veranstaltung etwas g\u00e4nzlich anderes vorgestellt haben. Hier h\u00e4tte der Raum bestanden eine g\u00e4nzlich andere Veranstaltung zu planen und zu besprechen.<br \/>\nF\u00fcr den Fall, dass sich Menschen von keinerlei dieser Gruppen\/Runden angesprochen f\u00fchlten, wurden allgemeine Fragen vorher formuliert, die mitgegeben wurden und diskutiert werden konnten.<\/p>\n<p>Im Anschluss der Vorstellung dieser Gruppen entwickelte sich eine kurze Diskussion. Einige Stimmen fragten nach der Analyse der Situation in Leipzig oder meinten, dass es auch Gr\u00fcnde f\u00fcrs Ende mancher politischer Gruppen oder Aktivit\u00e4ten gibt. Aus der kurzen Diskussion entsprang der Vorschlag, dass sich dazu gerne eine eigene Runde zusammen finden kann, die das diskutieren und besprechen kann. Das Angebot wurde letztendlich nicht wahrgenommen, so gab es an diesem Abend drei Gruppen, die sich zum diskutieren zusammen gefunden haben.<\/p>\n<p>In der ersten Gruppe stellten sich die Vertreter*innen und die Arbeit ihrer Zusammenh\u00e4nge vor, beantworteten Fragen und diskutierten abschlie\u00dfend noch eigene Erfahrungen der politischen Aktivit\u00e4ten im \u201eAlter\u201c. Die anderen beiden Runden orientierten sich zwar an einigen Fragen, die vorher mitgegeben wurden, diskutierten aber sonst recht intensiv zum Thema. In dem einem Zusammenhang war der Wunsch nach Vernetzung sehr gro\u00df. Vor allem das Thema auf Demonstrationen in der Stadt mit die \u00e4ltesten zu sein und im bekannten und Freund*innenkreis kaum oder keine Menschen zu haben, mit denen sie zusammen auf eine Demonstration oder Kundgebung gehen k\u00f6nnen. Alleine unterwegs zu sein, kann zu negativen Erfahrungen f\u00fchren. Hier gab es am Ende der Veranstaltung eine Runde, die sich genau dazu besprochen hatte und vernetzte.<\/p>\n<p><strong>Die folgenden \u00dc30-Treffen<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem ersten \u00dc30 Treffen im April, gab es sechs weitere, das letzte im November. Waren die nachfolgenden Termine noch recht gut besucht, fiel in den Sommermonaten die Beteiligung ziemlich mau aus. Einige Vernetzungen untereinander schienen wieder eingeschlafen zu sein. Jedoch hat sich ein eigener Zusammenhang aus den \u00dc30 Veranstaltungen konstituiert unter dem Arbeitstitel \u201cFlorida-Gruppe\u201d. Jener Zusammenhang ber\u00e4t und plant eigene Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die Zukunft und ist bisher immer auf allen \u00dc30-Treffen mit ansprechbaren Personen vertreten.<\/p>\n<p>Da au\u00dfer der entstanden \u201cFlorida-Gruppe\u201d immer wieder neue Menschen zu den \u00dc30-Treffen kommen und selten jene die schon mal da waren, ist eine kontinuierliche Arbeit an konkreten Themen oder m\u00f6glichen Projekten kaum m\u00f6glich. Weitere \u00dc30-treffen sind angedacht. Wie es jedoch letztendlich weiter geht, liegt auch an der \u00dc30-Bubble und inwieweit diese sich wieder reorganisieren m\u00f6chte und kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00df war das Interesse zu den Hintergr\u00fcnden und zum Ablauf der Veranstaltungen, auch \u00fcber Leipzig hinaus, mit diesem Text soll auf die Nachfragen geantwortet werden. 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