{"id":2590,"date":"2023-09-02T16:00:23","date_gmt":"2023-09-02T14:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2590"},"modified":"2023-09-03T15:02:38","modified_gmt":"2023-09-03T13:02:38","slug":"redebeitrag-5-jahre-rassistische-ausschreitungen-2018-kein-vergeben-kein-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-5-jahre-rassistische-ausschreitungen-2018-kein-vergeben-kein-vergessen\/","title":{"rendered":"Redebeitrag: 5 Jahre rassistische Ausschreitungen 2018 &#8211; kein Vergeben, kein Vergessen!"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Antifaschist*innen,<\/p>\n<p>wir finden es super, dass es diese Veranstaltung gibt und an jene Tage 2018 in Chemnitz erinnert wird, an denen abermals die bundesweite \u00d6ffentlichkeit auf eine Stadt in Sachsen gerichtet war mit ihrer all\u00e4tgliche rechte Gewalt, deren Strukturen und den Rassismus in diesem Land.<\/p>\n<p>Unsere Solidarit\u00e4t gilt den Betroffenen der rechten Gewalt in Sachsen und den stabilen Antifaschist*innen in Chemnitz und \u00fcberall, die sich nicht unterkriegen lassen. Menschen aus unserem Zusammenhang waren ab dem 26. August und auch noch nach dem &#8220; Wir sind mehr&#8220; \u2013 Konzert in Chemnitz gegen die Rechten Aufm\u00e4rsche in der Stadt zugegen und haben die Entwicklungen in der Stadt weiter beobachtet, als die mediale Aufmerksamkeit schon abgeebbt war.<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren beteiligen wir uns an den antifaschistischen Protesten in Sachsen gegen den rechten Mob, egal wo er sich gerade wieder zusammenrottet. Anfang 2018 stellten wir uns den rassistischen Mob in Wurzen entgegen, der immer wieder gezielte Angriffe gegen Gefl\u00fcchtete organisierte. Aus diesen Erfahrungen versuchten wir im April 2018 an die inhaltlichen Diskussionen anzukn\u00fcpfen die im Zuge von Pegida\/Legida, Heidenau, Bautzen, Freital und die vielen weiteren Orte in Sachsen aufgekommen sind.<\/p>\n<p>Wir schrieben den Beitrag \u201c<a href=\"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/antifa-gib-mir-irgendwas-das-bleibt\/\">Gib mir irgendwas, das bleibt.\u201d \u2013 \u00dcberlegungen und Reflexionen \u00fcber die Notwendigkeit, Pogrome zu verhindern<\/a>\u201d. Wir w\u00fcrden es begr\u00fc\u00dfen wenn bei der R\u00fcckschau auf die Ereignisse 2018 in Chemnitz , auch an Debatten angekn\u00fcpft w\u00fcrde und diese fortgef\u00fchrt werden. Wir sind und ziemlich sicher, dass es bis zum n\u00e4chsten rechten gro\u00dfen Mob auf den Stra\u00dfen in Sachsen wie 2018, nicht mehr weit ist. Da die Debatte aber schwerlich heute hier zu leisten ist, wollen wir auf einen Aspekt aus jenen Tagen 2018 in Chemnitz eingehen, der uns als Gruppe in Erinnerung geblieben ist.<\/p>\n<p>Am 1. September kam es zum gemeinsamen rechten Aufmarsch mit der AfD, Pegida, Pro Chemnitz und vielen weiteren Strukturen, eigentlich alles extreme Rechte Personal was bundesweit zur Verf\u00fcgung stand. Vieles davon wird heute sicherlich in unterschiedlichen Beitr\u00e4gen thematisiert werden. Wir m\u00f6chten jedoch daran erinnern, dass es an diesem Tag einen Polizeikessel gegeben hat in dem sich ungef\u00e4hr 350 Antifaschist*innen befanden, der sich von 18-22 Uhr im Bereich des Roten Turms befunden hatte. Auf Landtagsanfragen von Juliane Nagel antworte das Innenministerium, dass dabei 121 Personalien aufgenommen wurden und die Grundlage der Verdacht auf Landfriedensbruch und angebliche Sachbesch\u00e4digung gewesen seien. Menschen aus dem Kessel berichtete danach von Polizeigewalt gegen sie, Angriffen durch Neonazis auf den Kessel.<\/p>\n<p>Wir erlebten an diesem Tag bei allen m\u00f6glichen Initiativen und Gruppen immer wieder, dass es abgestritten wurde, dass es diesen Kessel \u00fcberhaupt gab. Alle Versuche bspw. die Abreise von \u201cLeipzig nimmt Platz\u201d zu stoppen und alle Hinweise, dass da noch hunderte Antifaschist*innen in der Ma\u00dfnahme der Polizei sind, wurden abgeblockt. Als der Kessel gegen 22 Uhr spontan aufgel\u00f6st wurde standen Menschen zum Teil ohne ihre Bezugsgruppen oder den Strukturen da, die die An- und Abreise nach Chemnitz f\u00fcr diesen Tag organisiert und durchgef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Wir sind noch heute fassungslos dar\u00fcber, wie der Kessel vom \u00fcberwiegenden Teil der Antifaschist*innen ignoriert wurde und teilweise einfach abgereist wurde und damit jegliche M\u00f6glichkeit, Druck auf die Einsatzleitung der Polizei aus den H\u00e4nden gegeben wurde. W\u00e4hrend die gekesselten Antifaschist*innen nicht wussten wie lange sich die Ma\u00dfnahme noch hinzieht und sie den unterschiedlichen Angriffen ausgesetzt waren, liefen immer noch parallel die Versammlungen der Rechten, die Parolen waren im Kessel und der Stadt noch gut zu h\u00f6ren und die Innenstadt voll mit Faschos, w\u00e4hrend sich Linke immer mehr zur\u00fcck zogen oder bereits abgereist waren. Im Nachgang hie\u00df es dann leider nicht \u201cDas ist schei\u00dfe gelaufen, darf sich nicht wiederholen und wie k\u00f6nnen wir das zuk\u00fcnftig sicherstellen.\u201d Sondern es wurde in Teilen immer noch geleugnet, dass es einen Kessel gegeben hatte, mit Abfahrtszeiten agrumentiert oder Abl\u00e4ufe umgedichtet.<br \/>\nWir waren schockiert und haben einiges an diesem Tag \u00fcber \u201cSolidarit\u00e4t\u201d untereinander lernen m\u00fcssen und Vertrauen in Teile antifaschisischer Strukturen verloren.<\/p>\n<p>Denken wir an Chemnitz 2018, dann denken wir nicht nur an die rechte Gewalt, den Mob, und an die Angst dieser Tage, sondern auch an die Entt\u00e4uschung die wir empfunden haben als hunderte Antifaschist*innen gekesselt waren. Neben der jahrelangen Repression gegen Antifaschist*innen in Sachsen, gerade in Leipzig, haben auch diese Erfahrungen in Chemnitz bei Antifaschist*innen spuren hinterlassen. Und einigen hier fallen sicherlich noch andere Momente ein, wenn sie sich gegen den Mob auf die Stra\u00dfe und f\u00fcr den Schutz von Betroffenen der rechten Gewalt gestellt haben.<\/p>\n<p>Nocheinmal, unsere Solidarit\u00e4t gilt den Betroffenen der rechten und rassistischen Gewalt in Sachsen und \u00fcberall, die jeden Tag damit Umgehen m\u00fcssen und wir werden weiter unser m\u00f6glichstes tun Betroffenen zur Seite zu stehen.<br \/>\nAber wir erwarten von Antifaschist*innen, egal ob einzeln oder als Organisation, sich auch Fehler einzugestehen und zu reflektieren und dar\u00fcber zu sprechen, denn weniger rassistische und rechte Mobilisierung werden es sicherlich in Sachsen nicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Antifaschist*innen, wir finden es super, dass es diese Veranstaltung gibt und an jene Tage 2018 in Chemnitz erinnert wird, an denen abermals die bundesweite \u00d6ffentlichkeit auf eine Stadt in Sachsen gerichtet war mit ihrer all\u00e4tgliche rechte Gewalt, deren Strukturen und den Rassismus in diesem Land. 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