{"id":2560,"date":"2023-05-25T13:20:17","date_gmt":"2023-05-25T11:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2560"},"modified":"2023-06-09T13:20:35","modified_gmt":"2023-06-09T11:20:35","slug":"gegen-jeden-sozialdarwinismus-in-gedenken-an-andre-k","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/gegen-jeden-sozialdarwinismus-in-gedenken-an-andre-k\/","title":{"rendered":"Gegen jeden Sozialdarwinismus \u2013 In Gedenken an Andr\u00e9 K."},"content":{"rendered":"<p>In der Nacht zum 27. Mai 2011 wird der schlafende Wohnungslose Andr\u00e9 K. (50) am Oschatzer S\u00fcdbahnhof von mindestens f\u00fcnf M\u00e4nnern im Alter von 16 bis 36 Jahren angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Er wird nach dem Gewaltexzess schwer verletzt und hilflos zur\u00fcckgelassen und erst am Morgen des 27. Mai aufgefunden. K. erliegt am 1. Juni 2011 seinen schweren Verletzungen. Am 8. Juni nimmt die Polizei drei M\u00e4nner im Alter von 25 bis 36 Jahren fest. Unter den T\u00e4tern befindet sich Ronny S. (27) aus Oschatz, der der ehemaligen JN Oschatz bzw. dessen Nachfolger, der JN Nordsachsen, zuzurechnen ist.<\/p>\n<p>Selbst das Gericht bezeichnet den Angriff auf Andr\u00e9 K. als \u201eGewaltorgie\u201c. Dennoch lehnt der Vorsitzende Richter Norbert G\u00f6bel den Beweisantrag der Nebenklagevertretung, der darauf abzielt, m\u00f6gliche rechte bzw. sozialdarwinistische Tatmotive zu pr\u00fcfen, ab. Andr\u00e9 K. war obdachlos, diese Tatsache und die Gesinnung der T\u00e4ter waren Hinweise auf ein sozialdarwinistisches Motiv. Es teilt in Gewinner*innen und Verlierer*innen ein, schreibt ihnen somit einen gesellschaftlichen Marktwert zu, womit die Abwertung von Menschen einhergeht. Sozialdarwinismus wendet sich oft gegen Personen, die an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden, wie etwa Obdachlose, Alkoholiker*innen und Drogenabh\u00e4ngige.<\/p>\n<p>Wie weit diese Ressentiments verbreitet sind, zeigt sich auch vor Gericht: Im Prozess gegen die M\u00f6rder von Andr\u00e9 K. \u00e4u\u00dfert sich Richter G\u00f6bel bei der Vernehmung eines wichtigen Zeugen selbst herabw\u00fcrdigend gegen\u00fcber Erwerbslosen: \u201eSie m\u00fcssen sich doch erinnern k\u00f6nnen, Sie haben als Arbeitsloser doch sonst nichts zu tun.\u201c<\/p>\n<p>Im Januar 2013 werden die f\u00fcnf T\u00e4ter wegen Totschlags zu Freiheitsstrafen ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Andr\u00e9 K. hinterl\u00e4sst einen Sohn und eine Tochter und wird bis heute nicht offiziell als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt.<\/p>\n<p>Dieser Fall ist leider keine Ausnahme: Sozialdarwinismus als rechtes Tatmotiv wird allzu oft au\u00dfer Acht gelassen, die Opfer und ihr Leiden geraten in Vergessenheit. Sozialdarwinismus ist nicht nur einendes Moment rechter Bewegungen, sondern auch gesamtgesellschaftlich weit verbreitet. Die Menschen, die ohnehin tagt\u00e4glich an die Grenzen der Gesellschaft gedr\u00e4ngt, schikaniert und diskriminiert werden, erhalten auch, nachdem sie Opfer schwerer Taten wurden, keine gesellschaftliche Solidarit\u00e4t. Wir wollen uns sowohl inhaltlich mit Sozialdarwinismus auseinandersetzen als auch den Opfern dieser Gewalt gedenken.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gedenkveranstaltung Oschatz:<\/strong><\/p>\n<p>01.06.2023 am Oschatzer S\u00fcdbahnhof um 18 Uhr<\/p>\n<p><strong>Vortrag Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>07.06.2023 18 Uhr im Plaque<\/p>\n<p>Wohnungs- und Obdachlose werden von der Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Stra\u00dfe angegriffen. Die T\u00e4ter*innen praktizieren dabei gegen obdachlose Menschen einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes vorbereitet wird. Das brutale Ergebnis sind nach unterschiedlichen Statistiken mindestens 33 ermordete Obdachlose seit 1990. T\u00e4ter sind zumeist rechtsextreme Cliquen oder sogenannte \u201eunpolitische\u201c Jugendliche. Beide T\u00e4tergruppen teilen aber eine gemeinsame Ideologie, den Sozialdarwinismus. Was das ist und was er mit den deutschen Zust\u00e4nden zu tun hat, soll in einem Vortrag erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Der Referent Lucius Teidelbaum ist freier Journalist, Publizist und Rechercheur zum Thema extreme Rechte und anliegende Grauzonen. Von ihm erschien 2013 im Unrast-Verlag das Buch \u201eObdachlosenhass und Sozialdarwinismus\u201c.<\/p>\n<p>Gegen jeden Sozialdarwinismus! \u2013 Gegen jede Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft!<br \/>\nF\u00fcr eine solidarische Gesellschaft!<br \/>\nSolidarit\u00e4t mit den von Sozialdarwinismus Betroffenen!<br \/>\nIn Gedenken an den von Neonazis ermordeten Andr\u00e9 K. und andere aus sozialdarwinistischen Motiven Get\u00f6teten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht zum 27. Mai 2011 wird der schlafende Wohnungslose Andr\u00e9 K. (50) am Oschatzer S\u00fcdbahnhof von mindestens f\u00fcnf M\u00e4nnern im Alter von 16 bis 36 Jahren angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Er wird nach dem Gewaltexzess schwer verletzt und hilflos zur\u00fcckgelassen und erst am Morgen des 27. Mai aufgefunden. K. erliegt am 1. 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