{"id":2461,"date":"2021-09-22T15:56:24","date_gmt":"2021-09-22T13:56:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2461"},"modified":"2021-09-24T15:57:14","modified_gmt":"2021-09-24T13:57:14","slug":"redebeitrag-fuer-demo-in-zwickau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-fuer-demo-in-zwickau\/","title":{"rendered":"Redebeitrag f\u00fcr Demo in Zwickau"},"content":{"rendered":"<div id=\"wiki_429387\">\n<div class=\"wiki\" data-diff=\"\/wikis\/429387\/versions\/3\">\n<p>Seit nunmehr 10 Jahren haben wir die Gewissheit, dass Enver \u015eim\u015fek, Abdurrahim \u00d6z\u00fcdo\u011fru, S\u00fcleyman Ta\u015fk\u00f6pr\u00fc, Habil K\u0131l\u0131\u00e7, Mehmet Turgut, \u0130smail Ya\u015far, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kuba\u015f\u0131k und Halit Yozgat dem m\u00f6rderischen Rassismus des <span class=\"caps\">NSU<\/span> zum Opfer fielen. Auch die Polizistin Michelle Kiesewetter wurde durch die Rechtsterrorist*innen get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Nun ist es 10 Jahre her, dass Mundlos und B\u00f6hnhardt sich am 04.11.2011 nach einem gescheiterten Bank\u00fcberfall erschossen und Zsch\u00e4pe anschlie\u00dfend ihre gemeinsame Wohnung in Brand setzte, tagelang durch die Republik irrte, die Propaganda des <span class=\"caps\">NSU<\/span> verteilte und sich schlie\u00dflich selber den Beh\u00f6rden stellte. Erm\u00f6glicht wurde das jahrelange Morden durch ein breit gef\u00e4chertes Helfer*innen-Netzwerk, dessen Mitglieder weitestgehend bis heute unbehelligt agieren k\u00f6nnen. Beh\u00f6rden wie die Bundesanwaltschaft, Polizei und Verfassungsschutz zeigen auch weiterhin keinerlei Interesse daran etwas zu \u00e4ndern. Die versprochene Aufkl\u00e4rung, sowie Antworten auf die Fragen der Betroffenen des rechten Terrors und der rassistischen Ermittlungen, hat es bis heute nur kaum gegeben.<\/p>\n<p>\u201cDer Schmerz wird gr\u00f6\u00dfer, nach 21 Jahren\u201d, weil \u201cdie Fragen bleiben\u201d.<\/p>\n<p>Warum ihr Vater? \u2013 \u201cIch habe darauf noch keine Antwort\u201d sagte Semiya \u015eim\u015fek am 21. Jahrestag des Angriffes auf ihren Vater in diesem Jahr.<\/p>\n<p>\u201cEs muss in jeder Stadt Helfer des <span class=\"caps\">NSU<\/span> gegeben haben, daran glaube ich fest. Wenn wir nicht in diese Richtung ermitteln, dann kommen wir nicht weiter. Es wird immer wieder rassistische F\u00e4lle geben \u2013 wie Hanau. Es gibt in Deutschland ein gro\u00dfes Problem.\u201d, sagte sie am 9. September 2021<\/p>\n<p>Das sich der <span class=\"caps\">NSU<\/span> selbstenttarnen konnte, ist kein Zufall: Durch das jahrelange Verdr\u00e4ngen, Verharmlosen und Unterst\u00fctzen rechter Strukturen, konnte der <span class=\"caps\">NSU<\/span> entstehen und gedeihen. W\u00e4hrend bereits im Sommer 2006 Angeh\u00f6rige und migrantische Communities auf Gro\u00dfdemonstrationen in Kassel und Dortmund forderten \u201c9 Opfer \u2013 Wir wollen kein 10. Opfer. Stoppt die M\u00f6rder\u201d, konzentrierten sich Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, Medien und Gesellschaft darauf eine T\u00e4ter-Opfer-Umkehr zu betreiben und die Angeh\u00f6rigen und \u00dcberlebenden zu drangsalieren. Auch die radikale Linke hatte diesem Narrativ nicht wahrnehmbar etwas entgegenzusetzen und scheiterte selbst daran, die rassistischen Motive zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Rechter Terror in Kaltland<\/strong><\/p>\n<p>Oktoberfestattentat, der antisemitische Doppelmord in Erlangen, der rassistische Brandanschlag in der Hamburger Halskestra\u00dfe, die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen, Mannheim-Sch\u00f6nau und Hoyerswerda und die rassistischen Brandanschl\u00e4ge bsp. in M\u00f6lln, Sollingen und L\u00fcbeck sind Teil der Geschichte rechten Terrors und seiner verdr\u00e4ngten Kontinuit\u00e4t. Der <span class=\"caps\">NSU<\/span> reiht sich ein in diese lange Tradition und l\u00e4sst sich ohne diese nicht verstehen: Die rassistische Mobilmachung der Nachwendejahre, das Erstarken rechter Strukturen in Ost und West und die fehlende Strafverfolgung rechter Gewalt der 90er Jahre vermittelte den T\u00e4ter*innen die Sicherheit, als Vollstreckende des Volkswillens legitimiert zur Tat schreiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rechter Terror ist l\u00e4ngst Normalzustand. Er zeigte sich besonders deutlich in den vergangenen Jahren: Hanau 2020, Halle 2019, der Mord an Walter L\u00fcbcke 2019, der Anschlag auf das <span class=\"caps\">OEZ<\/span> in M\u00fcnchen 2016 und mehrere hundert Todesopfer rechter Gewalt nach 1990, sind die drastischste Konsequenz des rassistischen Normalzustandes. Die Liste lie\u00dfe sich erweitern um den <span class=\"caps\">NSU<\/span> 2.0, die Gruppe Freital oder die fast t\u00e4glich neuen Meldungen \u00fcber das Auffliegen rechtsterroristischer Gruppen und Strukturen in Polizei und Milit\u00e4r. Die Kontinuit\u00e4ten rechten Terrors in Deutschland zeigen auch den Fortbestand des Zusammenspiels der Sicherheitsbeh\u00f6rden mit rechten Netzwerken auf.<\/p>\n<p>Und immer wieder geht es um Sachsen. In Zwickau konnte der <span class=\"caps\">NSU<\/span> jahrelang unbehelligt und bestens integriert wohnen und das Morden planen und umsetzen. Dennoch verwehrt sich die Stadt bis heute gegen eine konsequente Aufkl\u00e4rung der Taten und die Aufarbeitung der Rolle der Stadt in Bezug auf den <span class=\"caps\">NSU<\/span>. Dabei wohnen Personen aus dem Unterst\u00fctzer*innen-Netzwerk, wie beispielsweise Andr\u00e9 Eminger, noch heute in Zwickau und Umgebung. Abseits von kleinen Aktivist*innengruppen findet Gedenkarbeit in Zwickau nicht statt. Gerade in Zwickau waren Antifaschist*innen in den letzten Jahren von einer massiven Gewalt und Bedrohungslage durch rechte Strukturen ausgesetzt.<\/p>\n<p>Wir freuen uns, dass heute so viele Menschen in Leipzig auf der Stra\u00dfe sind und wir w\u00fcnschen uns eine k\u00e4mpferische Demo. So sehr wir im Aufruf f\u00fcr diese Demo das Bekenntnis zum antifaschistischen Selbstschutz und die Solidarit\u00e4t mit allen Betroffenen des rechten Terrors begr\u00fc\u00dfen \u2013 deswegen stehen wir auch hier \u2013 so sehr vermissen wir einen klaren Bezug zum militanten Antifaschismus. Auch dieser ist notwendig und legitim, eine Distanzierung halten wir f\u00fcr falsch. Militanter Antifaschismus ist auch in Leipzig und anderen Gro\u00dfst\u00e4dten notwendig, jedoch d\u00fcrfen wir dabei nicht vergessen, dass er auch in der Provinz und in Kleinst\u00e4dten wie z.B. Eisenach, Wurzen und Zwickau unerl\u00e4sslich ist. Wir rufen euch daher dazu auf mit uns am 6. November nach Zwickau zu kommen. Lasst uns zusammen den Opfern rechter Gewalt gedenken, die rassistische Kontinuit\u00e4ten aufzeigen und lasst uns gemeinsam die T\u00e4ter von morgen bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>In Leipzig treffen wir uns zur gemeinsamen Reise am 6. November um 12:30 Uhr am S-Bahnhof Connewitz. Organisiert euch und lasst die Faschos nicht in Ruhe. Freiheit f\u00fcr alle Antifaschist*innen! Wir sind alle 129er!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr 10 Jahren haben wir die Gewissheit, dass Enver \u015eim\u015fek, Abdurrahim \u00d6z\u00fcdo\u011fru, S\u00fcleyman Ta\u015fk\u00f6pr\u00fc, Habil K\u0131l\u0131\u00e7, Mehmet Turgut, \u0130smail Ya\u015far, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kuba\u015f\u0131k und Halit Yozgat dem m\u00f6rderischen Rassismus des NSU zum Opfer fielen. Auch die Polizistin Michelle Kiesewetter wurde durch die Rechtsterrorist*innen get\u00f6tet. 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