{"id":2404,"date":"2020-10-29T17:48:21","date_gmt":"2020-10-29T15:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2404"},"modified":"2020-12-03T17:48:32","modified_gmt":"2020-12-03T15:48:32","slug":"redebeitrag-von-rassismus-toetet-auf-der-demo-am-24-10-2020-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-von-rassismus-toetet-auf-der-demo-am-24-10-2020-3\/","title":{"rendered":"Redebeitrag von \u201eRassismus t\u00f6tet!\u201c auf der Demo am 24.10.2020"},"content":{"rendered":"<p>Wir vergessen nicht.<\/p>\n<p>Seit 10 j\u00e4hren stehen wir hier und erinnern an den den Mord an Kamal.<br \/>\nIch hatte nie das Gl\u00fcck ihn pers\u00f6nlich kennen zu lernen. Auch seine Familie lernten ich und andere erst nach dem Mord an Kamal kennen. Wir waren bei ihm zu Hause, wir standen an seinem Grab, gedachten ihm und erinnerten an ihn, zusammen mit seiner Familie und Freund*innen.<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpften mit der Familie vor Gericht f\u00fcr die Bennenung der Motive der beiden Neonazis, die ihn ermordeten. Sie ermordeten Kamal, weil sie bekennende Rassisten sind.<\/p>\n<p>Wir haben nicht vergessen, was der Familie im Zuge der Ermittlungen angetan wurde. Die rassistischen Funkspr\u00fcche der Polizei am Tatabend, die rassistischen Beschimpfungen am Stra\u00dfenrand beim Trauerzug zum Friedhof durch Passant*innen. Wir haben auch die rassistischen Kommentierungen in der Lokalpresse nicht vergessen. Den Rassismus in der <span class=\"caps\">LVZ<\/span> oder der Leipziger Internetzeitung L-IZ, die uns Kaffeesatzleserei vorwarfen, weil wir auf die politische Organisierung der T\u00e4ter hinwiesen. Die L-IZ meinte sogar, wir w\u00fcrden \u201eGesinnungsjustiz\u201c betreiben.<\/p>\n<p>Wir haben den Prozess nicht vergessen. Polizist*innen, die sich nicht an Nazi-Tattoos auf dem ganzen K\u00f6rper der beiden T\u00e4ter erinnern konnten. An Thor Steinar Klamotten, die die T\u00e4ter trugen. Dass sich der Kripo-Beamte weigerte den Tatabend zu rekonstruieren in dem er sich nicht \u201ctraute\u201d die einschl\u00e4gig bekannte Kneipe \u201eK\u00e4fer\u201c auf der Wurzner Stra\u00dfe, zu betreten, weil sie ihm zu \u201czwielichtig\u201d erschien.<\/p>\n<p>Wir haben die wohl k\u00fcrzeste Hausdurchsuchung von rund einer Viertel Stunde in der Geschichte der Stadt beim Sohn eines Leipziger Polizisten nicht vergessen. Bei dieser wurde nichts beschlagnahmt , obwohl dies der Auftrag f\u00fcr die Polizist*innen vom Staatsschutz war, um etwas \u00fcber die Motive der T\u00e4ter zu erfahren.<br \/>\nDie Tasche des einen T\u00e4ters war weg. Sie wurde ein paar Tage sp\u00e4ter vom Vater \u2013 selbst ein Polizist, der sich auf Facebook ebenfalls einschl\u00e4gig \u00e4u\u00dferte \u2013 ins Gef\u00e4ngnis gebracht. Fragen, wie die Tasche in seinen Besitz gelangt war, warum sie nicht in der Wohnung seines Sohnes war, werden nicht gestellt.<\/p>\n<p>Aufgearbeitet wurde das nie. Auch nicht die Situation mit den Sanit\u00e4ter*innen, die sich eines Abends weigern, medizinische Hilfe bei der Familie von Kamal zu leisten.<br \/>\nWir vergessen nicht, dass sich die Stadtspitze nie zu dem rassistischen Mord ge\u00e4u\u00dfert hat, an keiner Stelle gegen\u00fcber der Familie ihr Beileid bekundete.<\/p>\n<p>Wir vergessen nicht, dass der Bruder von Kamal f\u00fcr einen Redebeitrag auf einer Demonstration in Gedenken an Kamal hier, am Tatort, wegen angeblicher \u201eVolksverhetzung\u201c angezeigt wurde, als er schilderte, was ihm und seiner Familie in Bezug auf den Mord an seinem Bruder alles widerfahren ist. Wir haben absolutes Verst\u00e4ndnis, dass er mit dieser Stadtgesellschaft brechen wollte. Die staatlichen Strukturen sahen das nat\u00fcrlich anders und gingen gegen ihn vor. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass jemand aus der Familie hier gestanden, und durch ein Mikro zu uns gesprochen hat.<\/p>\n<p>All das vergessen wir nicht.<\/p>\n<p>Wir vergeben nichts!<br \/>\nDaniel, du \u201etreibende Kraft\u201c eines rassistischen Mordes, du Polizistensohn, wir vergeben dir nicht. Wir wissen, was du vor dem Oktober 2010 gemacht hast.<br \/>\nDass du im Oktober 2005 in Langerwehe bei Aachen einen nicht-rechten Jugendlichen u.a. als \u201cSchei\u00df-Zecke\u201d beschimpft und k\u00f6rperlich bedroht hast. Als du im Februar 2007 im Landgericht Aachen wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt wurdest, als du zugesehen hast, wie eine junge Frau aus dem Umfeld der Kameradschaft Aachener Land von zwei \u201cKameraden\u201d misshandelt wurde. Dass du im gleichen Jahr zu drei Jahren Haft verurteilt wurdest wegen Geiselnahme und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung. Dies geschah, weil du gemeinsam mit anderen Neonazis bei einer kameradschaftsinternen Racheaktion zun\u00e4chst die Schwester eines \u201cKameraden\u201d \u00fcber Stunden entf\u00fchrt hast, um dessen Aufenthaltsort zu erfahren, und mit dem erpressten Wissen \u00fcber den Mann hergefallen seid.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass du immer noch ein Fascho bist. Wir sagen, es gibt keine Ruhe f\u00fcr Faschisten wie dich! Wir wissen, dass du wieder drau\u00dfen bist und weiter machst. All das vergessen und vergeben wir nicht.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen uns, dass kein Opfer rechter Gewalt je vergessen wird. Wir werden auch in den n\u00e4chsten Jahren hier am Tatort sein und vielleicht seid ihr es auch mit uns, der Familie und allen Freundinnen, die f\u00fcr eine Gesellschaft k\u00e4mpfen, in der kein Mensch mehr ermordet wird.<br \/>\nWir wollen, dass der rechter Terror aufh\u00f6rt. Daf\u00fcr bedarf es aktiver Menschen, Antifaschist*innen, Migrantifas, Fantifas und viele mehr. Euch alle, die ihr hier seid und noch mehr.<\/p>\n<p>Niemand ist vergessen nichts ist vergeben! Kamal K., das war Mord, Kampf dem Rassismus an jedem Ort!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir vergessen nicht. Seit 10 j\u00e4hren stehen wir hier und erinnern an den den Mord an Kamal. Ich hatte nie das Gl\u00fcck ihn pers\u00f6nlich kennen zu lernen. Auch seine Familie lernten ich und andere erst nach dem Mord an Kamal kennen. 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