{"id":2372,"date":"2020-10-29T15:20:05","date_gmt":"2020-10-29T13:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/?p=2372"},"modified":"2020-11-29T15:20:14","modified_gmt":"2020-11-29T13:20:14","slug":"redebeitrag-von-alternative-dresden-news-auf-der-demo-am-24-10-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-von-alternative-dresden-news-auf-der-demo-am-24-10-2020\/","title":{"rendered":"Redebeitrag von &#8222;Alternative Dresden News&#8220; auf der Demo am 24.10.2020"},"content":{"rendered":"<p>Von einen mutma\u00dflichen Rechten Mord versuch und dem Schweigen danach<\/p>\n<p>Wir sind von der unabh\u00e4ngigen und unkommerziellen Nachrichten Plattform \u201e<a href=\"https:\/\/www.addn.me\/\">Alternative Dresden News<\/a>\u201c. Wir schreiben \u00fcber Aktionen, Demonstrationen und was sonst noch so in Dresden und Umland passiert. Eigentlich halten wir keine Redebeitr\u00e4ge auf Demonstrationen, sondern berichten nur \u00fcber sie. Doch ein Ereignis ende August in Dresden f\u00fchrt dazu, das wir heute hier stehen und euch in dieser Form dar\u00fcber berichten.<\/p>\n<p>Was war Passiert?<\/p>\n<p>Am 28. August stach ein 16 J\u00e4hriger auf einer Free Tekk, also einer nicht angemeldeten und unkommerziellen Party, auf zwei Personen ein. Schon an sich ein schreckliches Ereignis deren Hintergr\u00fcnde es n\u00e4her zu beleuchten gilt. Schnell erreichten uns Informationen, dass es sich bei dem T\u00e4ter um einen Neonazi gehandelt haben k\u00f6nnte. Aus der Mitteilung der Polizei Sachsen war dies jedoch nicht zu entnehmen. Der Focus der Nachricht lag vor allen auf dem Ort der Tat: \u201eeiner illegalen Techno Party\u201c. Erst auf Nachfrage des Nachrichten Kollektives \u201eStra\u00dfengezwitscher\u201c erkl\u00e4rte die Polizei auf Twitter, das im Zuge der Zeugenvernehmungen heraus kam, das der Beschuldigte einen Hitlergru\u00df gezeigt und vor Begehung der Tat eine Person rassistisch beleidigt haben soll. Auch soll der Mutma\u00dfliche T\u00e4ter bereit in der Vergangenheit durch einschl\u00e4gige Delikte wie \u201eVerwenden von Kennzeichen Verfassungsfeindlicher Symbole\u201c aufgefallen sein. Wir berichten daraufhin das erste mal unter dem Titel \u201eMutma\u00dflicher rechts motivierter Messerangriff\u201c, entgegen der Ansicht der Polizei Sachsen, die ein politisches Tatmotiv vorerst ausschloss, auch wenn der Staatsschutz an den Ermittlungen beteiligt war.<\/p>\n<p>Das Schweigen zieht sich weiter!<\/p>\n<p>Trotz des Sachverhaltes, das es im Vorfeld der Straftat zu einer rassistischen Beleidigung kam, fanden sich in den Berichten der Lokalpresse von DNN \u00fcber SZ bis zu Mopo keine Bezugnahme darauf. Im allgemeinen waren keine gr\u00f6\u00dferen journalistische Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit der Tat zu sehen. Die wenigen Artikel schrieben im groben nur den Bericht der Polizei Sachsen ab. Dies \u00e4nderte sich auch nicht, als die \u201eUndogmatische radikale Antifa Dresden\u201c (URA) mit einer Demonstration durch die Dresdner Neustadt auf das m\u00f6gliche Motiv aufmerksam machte. Trotz ausf\u00fchrlichen Beitrag und Pressemitteilung fanden sich keine Berichte in den Zeitungen. Unabh\u00e4ngige Formate wie der Nachrichtenblog \u201eNeustadt Gefl\u00fcster\u201c oder wir waren die einzigen, die zu der Demonstration und dem Anliegen etwas ver\u00f6ffentlichten.\u2028Jedoch war es auch f\u00fcr uns schwer an n\u00e4here Informationen zu kommen.<\/p>\n<p>Durch den Kontakt zu Menschen, die auf der Party waren, lie\u00df sich nur ein unvollst\u00e4ndiges Bild zusammenstellen. Kaum jemand hatte etwas gesehen oder konnte mit Sicherheit den Tathergang rekonstruieren. Auch die Polizei gab keine weiteren Informationen heraus.<\/p>\n<p>Erst antifaschistische Recherche konnten zu mindestens n\u00e4here Informationen zu dem T\u00e4ter Florian Rosenkranz ans Licht bringen. Die Aktivist*innen beleuchteten in einem Beitrag das Facebookprofil, die Lebensumst\u00e4nde und Kontakte des 16-J\u00e4hrigen. Sie legten nahe, das der T\u00e4ter in einen Umfeld gro\u00df geworden sei, in der Gewaltaffinit\u00e4t und rechtes Gedankengut eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnten. \u00dcber seine Br\u00fcder bestand wohl direkter Kontakt ins Neonazistische Milieu. So folgte Rosenkranz mehreren \u00fcberregionalen Nazis und bezeichnete sich auf einen Account als \u201eFlo Hass im Blut\u201c und schm\u00fcckte ihn mit dem Nazispruch \u201eHart wie Kruppstahl, z\u00e4h wie Leder, Flink wie Windhunde\u201c. Wir berichteten im Anschluss an den Beitrag ausf\u00fchrlich \u00fcber die Recherche. Auch wenn es keine festen Belege f\u00fcr einen neonazistische Tat gibt, war es uns wichtig aufzuzeigen, das es Anhaltspunkte daf\u00fcr gibt und die Notwendigkeit besteht, in eine solche Richtung zu ermitteln. In der DNN kam erst knapp einen Monat nach den Ver\u00f6ffentlichungen des Beitrages einen Artikel, der die Erkenntnisse ber\u00fccksichtigte. Die Polizei hingegen geht weiterhin von keinen rechten Tatmotiv aus.<\/p>\n<p>Was bleibt?<\/p>\n<p>Die Berichterstattung und Ermittlungen im Fall Florin Rosenkranz machen ein weiteres mal die Missst\u00e4nde im Freistaat Sachsen deutlich. Sie zeigen, dass h\u00e4ufig nur wenig Interesse an einer transparenten Aufarbeitung gibt, welche Motive einen 16-J\u00e4hrigen dazu bringen, auf zwei Menschen einzustechen. Es w\u00e4re nicht das erstemal. Erinnert sei etwa an den Prozess gegen die M\u00f6rder von Christopher W. in Aue. Das Gericht wollte trotz zahlreicher Hinweise kein rechtes Tatmotiv erkennen.<br \/>\nDer Fall zeigt auch, wie wichtig eine kritische Gegen\u00f6ffentlichkeit, antifaschistische Recherchen und Interventionen sind es, die immer wieder eine Aufarbeitung einfordert und h\u00e4ufig die journalistischen Arbeit \u00fcbernehmen. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass Journalist*innen der Lokalpresse mit der gleichen Akribie arbeiten. Das die Arbeit und Informationspolitik der Polizei als politischer Akteur kritisch hinterfragt werden muss, steht au\u00dfer Frage.\u2028Wir hoffen das auch im Fall des zweifachen Messerangriffes aus Dresden das Schweigen gebrochen wird und es zu einer transparenten Aufarbeitung kommt. Wir werden an dem Fall dran bleiben und weiterhin berichten.\u2028Danke an alle Aktivist*innen, die uns dabei unterst\u00fctzen und h\u00e4ufig wichtige Informationen liefern.<\/p>\n<p>Siamo tuti Antifascisti<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einen mutma\u00dflichen Rechten Mord versuch und dem Schweigen danach Wir sind von der unabh\u00e4ngigen und unkommerziellen Nachrichten Plattform \u201eAlternative Dresden News\u201c. Wir schreiben \u00fcber Aktionen, Demonstrationen und was sonst noch so in Dresden und Umland passiert. Eigentlich halten wir keine Redebeitr\u00e4ge auf Demonstrationen, sondern berichten nur \u00fcber sie. 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