{"id":2212,"date":"2019-02-07T14:52:04","date_gmt":"2019-02-07T12:52:04","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=2212"},"modified":"2019-02-14T15:06:46","modified_gmt":"2019-02-14T13:06:46","slug":"16-maerz-die-wartburgstadt-ins-wanken-bringen-bundesweite-antifa-demonstration-in-eisenach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/16-maerz-die-wartburgstadt-ins-wanken-bringen-bundesweite-antifa-demonstration-in-eisenach\/","title":{"rendered":"16. M\u00e4rz \u2013 \u201cDie Wartburgstadt ins Wanken bringen!\u201d Bundesweite Antifa-Demonstration in Eisenach"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:15px\">Wir fahren nach Eisenach, zur Anreise aus Leipzig werden bald weitere Informationen folgen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Der Aufruf zur Demonstration:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\"><strong>Die Wartburgstadt ins Wanken bringen!<\/strong><br><strong>Antifa in die Offensive!<\/strong><br><strong>Rechte Hegemonie durchbrechen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\"><strong>Aufruf zur bundesweiten antifaschistischen Demonstration in Eisenach am 16.03.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\"><strong>16.03. um 14 Uhr am Bhf. in Eisenach.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23eisenach1603&amp;src=typd\">#eisenach1603<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Rechte Mobilisierung und rassistische Vorf\u00e4lle, wie sie zuletzt in \nChemnitz zu beobachten waren, ziehen immer wieder die \u00f6ffentliche \nAufmerksamkeit auf sich. In der Berichterstattung erscheinen diese als \nbesondere Einzelf\u00e4lle, die allt\u00e4gliche bundesdeutsche Realit\u00e4t ger\u00e4t \noftmals aus dem Blick: \u00dcber rassistisch motivierte Angriffe sowie \n\u00dcberf\u00e4lle auf politisch Andersdenkende legt sich der b\u00fcrgerliche Konsens\n des Schweigens und Verharmlosens. Dies ist Alltag in vielen Orten. \nIrgendwo in Deutschland ist es immer unertr\u00e4glich. Auch in Th\u00fcringen.<br>\nTh\u00fcringen kann nicht nur einige rechte Hotspots wie Kahla, Ballst\u00e4dt und\n Hildburghausen aufweisen. Th\u00fcringens kommerziell erfolgreiche \nRechtsrockindustrie versammelt regelm\u00e4\u00dfig mehrere tausend Besucher*innen\n in Orten wie Themar. In Th\u00fcringen entstand mit TH\u00dcGIDA der \nerfolgreichste PEGIDA-Ableger in Deutschland. Der th\u00fcringische \nAfD-Landesverband zeigt sich als besonders v\u00f6lkisch-nationalistisch\u2026<br>\nDie Ignoranz gegen\u00fcber rechter Gewalt, wie sie sich auch in Th\u00fcringen \nzeigt, folgt einer langen Tradition. Die Verwobenheit von \nNeonazi-Strukturen mit (klein-)st\u00e4dtischen Gemeinwesen hat verheerende \nFolgen: Bewohner*innen decken rassistische \u00dcbergriffe oder bef\u00fcrworten \nsie sogar und die lokale Politik diskreditiert Widerstand gegen diese \nZust\u00e4nde als \u201aNestbeschmutzung\u2018. Auch in Eisenach.<br>\nDeshalb werfen wir an diesem Ort beispielhaft ein Schlaglicht auf die \nRealit\u00e4ten der deutschen \u201aVolksgemeinschaft\u2018. Wir wollen aufmerksam \nmachen auf die zahlreichen neonazistischen Gewalttaten der letzten \nJahre. Und wir wollen auf eine Stadt zeigen, in der solche \u00dcbergriffe \nheruntergespielt und stattdessen Neonazis hofiert werden. Unser Ziel ist\n es, die rechte Hegemonie in Eisenach anzugreifen, die engagierten \nAntifaschist*innen vor Ort zu unterst\u00fctzen und aufzuzeigen, was an \nvielen Orten in Deutschland Realit\u00e4t ist.<br>\nDas B\u00fcndnis Irgendwo in Deutschland ruft alle Antifaschist*innen dazu auf, am Samstag den 16.03.2019 nach Eisenach zu kommen!<br>\nGegen die deutschen Zust\u00e4nde, in Eisenach und \u00fcberall! Gegen die autorit\u00e4re Formierung!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontinuit\u00e4t rechter Gewalt<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Seit einigen Jahren ist in Eisenach ein deutlicher Anstieg an \nrassistisch und neonazistisch motivierten \u00dcbergriffen und Taten zu \nverzeichnen. So griffen im Fr\u00fchjahr 2017 zehn bewaffnete Neonazis eine \nLesung mit einem linken Fotojournalisten an. Einige Monate sp\u00e4ter wurde \nder Gedenkstein f\u00fcr die ehemalige Synagoge mit einem Hakenkreuz \nbeschmiert. Am 8.10.2017 wurde ein 58-j\u00e4hriger Mann von drei Personen \nrassistisch beleidigt und verletzt. Am darauffolgenden Wochenende wurde \nein Bandmitglied der linken Band Gloomster von zwei Personen mit \nPfefferspray angegriffen und mit Schlagst\u00f6cken ins Krankenhaus \ngepr\u00fcgelt. Selbst Kinder und Jugendliche werden von Neonazis bedroht, \nwie an einer Schule in der S\u00fcdstadt ebenfalls im Herbst 2017. Von \nFebruar bis April 2018 initiierte die NPD drei rassistische \nDemonstrationen unter dem Titel \u201eWir sind das Volk\u201c, denen bis zu 250 \nPersonen folgten. Im September 2018 griffen Kevin Noeske und f\u00fcnf \nweitere Neonazis unvermummt in einem Imbiss Linke an. Die gerufene \nPolizei tauchte erst nach 50 Minuten auf und rechtfertigte ihr sp\u00e4tes \nErscheinen damit, dass es in Eisenach Wichtigeres g\u00e4be. Eine Woche \nsp\u00e4ter wurde der oben genannte Gedenkstein erneut besch\u00e4digt. Die \nmutma\u00dflich verantwortlichen Neonazis, die in der N\u00e4he aufgegriffen \nwurden, trugen nicht nur Pfefferspray, sondern auch Schlagringe und \nElektroschocker bei sich. Zudem gab es immer wieder Angriffe und \nDrohungen gegen das offene Jugend- und Wahlkreisb\u00fcro RosaLuxx. Im \nVorfeld der Tanzdemo am 13.10.2018 wurde das B\u00fcro mit roter Farbe \nbeschmiert und auf dem Boden Morddrohungen hinterlassen.<br>\nDiese Angriffe und politischen Aktivit\u00e4ten von Rechten, die in ihrer \nH\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t zunehmen, m\u00fcssen ernstgenommen und gestoppt \nwerden!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechte Hegemonie<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Das Erstarken der Neonaziszene in Eisenach wurde durch die \nGleichg\u00fcltigkeit der Eisenacher Einwohner*innen bef\u00f6rdert, zum Teil \nsogar durch offene Zustimmung gest\u00fctzt.<br>\nMittlerweile pr\u00e4gen Neonazis und andere Rassist*innen das Stadtbild und \ndominieren die jugend- und subkulturellen Angebote im Umkreis. Wer durch\n Eisenach spaziert, bemerkt schnell die vielen gespr\u00fchten Keltenkreuze, \ndiverse \u201eNazikiez\u201c-Graffiti und sogar namentliche Drohungen gegen \nAntifaschist*innen an \u00f6ffentlichen Hausw\u00e4nden. Die Stadtverwaltung \nst\u00f6ren diese Symbole und Schriftz\u00fcge jedoch nicht und so bleiben sie oft\n jahrelang bestehen.<br>\nMit dem Ziel, linke und rechte K\u00fcnstler*innen zusammenzubringen, stellte\n die Eisenacher Versorgungs-Betriebe GmbH eine Bahnunterf\u00fchrung f\u00fcr eine\n Graffiti-Aktion zur Verf\u00fcgung. Der beauftragte Sprayer Max Kosta holte \ndazu wissentlich den gewaltt\u00e4tigen Neonazi Kevin Noeske ins Boot. \nVerantwortlich f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Nazi-Spr\u00fchereien in Eisenach, durfte\n dieser sich dann dort ganz legal verewigen.<br>\nAu\u00dferdem bestimmen rechte Gruppen unter wechselndem Namen das \nJugendangebot der Stadt. Der Nationale Aufbau inszeniert sich tags\u00fcber \nals verantwortungsbewusste, \u201eheimatliebende\u201c Jugend, beispielsweise \ndurch die S\u00e4uberung \u00f6ffentlicher Gr\u00fcnanlagen. Nachts sprayen sie dann \ngro\u00dffl\u00e4chig und machen damit ihre Dominanz im Stadtbild sichtbar. Auch \ngr\u00fcndete sich 2017 eine B\u00fcrgerwehr, deren Facebook-Gruppe Sicherheit f\u00fcr\n Eisenach knapp 2000 Follower*innen hat, die Gruppe B\u00fcrgerwehr \nUntersuhl, Gerstungen und Umgebung aus dem benachbarten Ort z\u00e4hlt \u00fcber \n2700. \u00dcber diese Gruppen verlaufen zahlreiche direkte Kontakte zu \norganisierten Neonazis und Reichsb\u00fcrger*innen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Burschenschaften &amp; Co.<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Eisenach kann jedoch mit mehr aufwarten als gut integrierten \nNeonazi-Kameradschaften. Die Deutsche Burschenschaft, die als \nDachverband der sogenannten \u201eschlagenden Verbindungen\u201c fungiert, \ninitiiert jedes Jahr den Deutschen Burschentag in Eisenach. \nFeministische Gegenproteste von au\u00dferhalb konnten vor Ort nicht Fu\u00df \nfassen, sodass es seit 2015 keinen \u00f6ffentlichen Widerspruch mehr gibt. \nFederf\u00fchrende Mitglieder der Deutschen Burschenschaft haben in den \nvergangenen Jahren mit rechtsradikalen Positionen auf sich aufmerksam \ngemacht. So wurde beispielsweise gefordert, dass potentielle Mitglieder \nneben der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft auch einen \u201eAriernachweis\u201c \nerbringen sollten. Hier agieren Neonazikader wie Philip Stein, \nseinerseits Mitbegr\u00fcnder der rechten NGO Ein Prozent, Inhaber des \nrechten Verlages Jungeuropa und Vorsitzender der Nazi-Burschenschaft \nGermania in Marburg. Stein attackierte zusammen mit anderen Neonazis auf\n dem Landeskongress der Jungen Alternative Hessen 2017 mehrere \nJournalist*innen. Auch die neurechte Identit\u00e4re Bewegung ist in Eisenach\n aktiv. Diese traten hier erstmals durch eine Banneraktion an der \nWartburg in Erscheinung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die AfD in Eisenach<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Wie \u00fcberall im Land, macht sich auch in Eisenach so langsam die AfD \nbreit. So ist seit 2014 der Sprecher des Landesvorstandes in der Stadt \nangekommen. Stefan M\u00f6ller, der in der bestehenden Legislatur ein \nAbgeordnetenmandat im Th\u00fcringer Landtag inne hat, \u00f6ffnete in Eisenach \nein B\u00fcrgerb\u00fcro der AfD. 2018 trat die Partei das erste Mal politisch in \nErscheinung. Die AfD stellt zur Oberb\u00fcrgermeisterwahl in 2019 einen \nKanditen: Gregor Modos, derzeit Referent der AfD-Landtagsfraktion. Modos\n sieht als Schwerpunkt in Eisenach, die Linksextremen. Er sagte selbst: \n\u201eLinksextremismus ist in Eisenach eine gro\u00dfe Gefahr, diese tritt massiv \nim Stadtbild auf.\u201c Eines seiner Ziele im Wahlkampf ist die \nOrdnungsbeh\u00f6rde zu reformieren und mit Hunden und ehemaligen Feldj\u00e4gern \nder Bundeswehr zu besetzen.<br>\nAm 24.4.2018 wollten Vertreter*innen der AfD, unter anderem Bj\u00f6rn H\u00f6cke,\n vor dem Opelwerk in Eisenach gemeinsam mit Mitarbeiter*innen f\u00fcr den \nErhalt des Werkes demonstrieren. Gewerkschaftsmitglieder und \nMitarbeiter*innen von Opel dr\u00e4ngten die AfD\u2019ler ab und verwehrten ihnen \nden Zutritt zur Kundgebung.<br>\nAm 1. Mai 2018 organisierte die AfD in Eisenach eine gro\u00dfe Kundgebung. \nNeben Redebeitr\u00e4gen von H\u00f6cke und J\u00fcrgen Pohl (Mitglied im Bundestag) \nwar auch Lutz Bachmann als Ehrengast vor Ort.<br>\nIm n\u00e4chsten Jahr sind Kommunalwahlen in Eisenach und es bleibt abzuwarten, in welcher St\u00e4rke die AfD in den Stadtrat einzieht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Flieder Volkshaus<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Ein zentraler Ort der Begegnung organisierter Neonazis verschiedener \nStr\u00f6mungen und Eisenacher Einwohner*innen ist das Flieder Volkshaus. Die\n Immobilie im Eisenacher Stadtkern wurde im Jahre 2014 von der NPD \nerworben und dient seither als Austragungsort f\u00fcr Parteiveranstaltungen,\n rechte Vortr\u00e4ge, Konzertabende und als Treffpunkt f\u00fcr internationale \nNeonazi-Strukturen wie Combat 18. So spielten hier bereits die \nNeonazibands Die Lunikoff Verschw\u00f6rung, Oidoxie und Kategorie C, w\u00e4hrend\n zu anderer Zeit die vorbestrafte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck \nvortragen konnte.<br>\nDas Haus fungiert nebenbei auch als Landesgesch\u00e4ftsstelle der NPD, wo \nunter anderem der ehemalige NPD-Landeschef und geb\u00fcrtige Eisenacher \nPatrick David Wieschke verkehrt. Er ist seit den 1990er Jahren aktiver \nNeonazi und war Mitglied des Th\u00fcringer Heimatschutzes, der Gruppe, aus \nwelcher der NSU hervorging. Im Jahre 2000 organisierte Wieschke einen \nSprengstoffanschlag auf einen t\u00fcrkischen Imbiss in Eisenach. Zudem wird \ndavon ausgegangen, dass er Kontakt zum NSU-Kerntrio hielt.<br>\nDas Flieder Volkshaus wird au\u00dferdem regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr private \nVeranstaltungen an die Einwohner*innen der Stadt vermietet, die dort \nz.B. Familienfeiern abhalten. Es gibt wenig Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit dem \nrechtsradikalen Veranstaltungszentrum und kaum Hemmungen, die R\u00e4ume mit \ngewaltt\u00e4tigen Neonazis zu teilen. So werden \u00fcber Hochzeiten und \nKindergeburtstage die rechten Strukturen mitfinanziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der NSU in Eisenach<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Der NSU hatte viele Verbindungen nach Th\u00fcringen und enttarnte sich \nnach einem Bank\u00fcberfall in Eisenach 2011 selbst. Nachdem die beiden \nNSU-Mitglieder Uwe B\u00f6hnhardt und Uwe Mundlos in dem Eisenacher Stadtteil\n Stregda entdeckt wurden, begingen sie Suizid. In den Ermittlungsakten \nfinden sich Hinweise auf lokale Neonazis, die jedoch nie weiterverfolgt \nwurden. Auch in diesem Zusammenhang zeigt sich, dass das Interesse der \nEisenacher Einwohner*innen an den Verbindungen des NSU mit hiesigen \nNeonazi-Strukturen und der Einbindung des Ortes in die Verbrechen des \nNSU sehr gering ist. Bei der letzten Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer \ndes NSU im November 2017 beteiligte sich so gut wie keine \nZivilgesellschaft.<br>\nIm Flieder Volkshaus werden dagegen ungest\u00f6rt und unbeachtet Spenden f\u00fcr\n die Prozesskosten von Andr\u00e9 Eminger gesammelt, dessen Beteiligung am \nNSU inzwischen auch gerichtlich nachgewiesen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Abwehr und Verharmlosung<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">In Eisenach zeigt sich beispielhaft, wie eine Mischung aus \nGleichg\u00fcltigkeit, Ignoranz und stiller sowie offener Zustimmung \nmitverantwortlich daf\u00fcr ist, dass Rechte in Eisenach wie \u00fcberall in \nDeutschland Aufwind haben. Diese Entwicklung wird durch ein komplexes \nZusammenwirken von einzelnen Akteur*innen, gesamtgesellschaftlicher \nAkzeptanz und dem Herunterspielen durch staatliche Institutionen \ngetragen.<br>\nDie Stadt Eisenach inszeniert sich als \u201areflektierte Kulturst\u00e4tte\u2018, \nw\u00e4hrend zugleich rassistische und neonazistische Umtriebe als Handlungen\n \u201abesorgter B\u00fcrger*innen\u2018 verharmlost werden. Im Jahr 2017 erkl\u00e4rte die \nPolizei entschlossen: \u201eEisenach ist kein Angstraum\u201c, obwohl sie mehrfach\n zu \u00dcbergriffen hinzugerufen wurde. Dass Eisenach sehr wohl ein Ort der \nAngst ist, wissen die Betroffenen der Gewalt leider nur allzu gut \u2013 alle\n anderen interessiert es nicht.<br>\nDies ist nicht spezifisch f\u00fcr Eisenach, sondern ein allzu bekanntes \ngesamtgesellschaftliches Muster: Rechte Gewalt wird verharmlost, die \n\u00dcbernahme politischer Verantwortung verweigert. Rechtstaatliches Image \nund deutsche Realit\u00e4t klaffen immer weiter auseinander.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Antifaschistisches Engagement<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Doch gibt es in Eisenach seit Jahren auch Initiativen, die sich gegen\n Rechtsextremismus, Intoleranz und Ausgrenzung einsetzen \u2013 zum Beispiel \ndas \u201cB\u00fcndnis gegen Rechtsextremismus Eisenach\u201d, welches aus \nverschiedenen Parteien und Verb\u00e4nden besteht. Regelm\u00e4\u00dfig organisiert \ndieses Aktionen f\u00fcr Vielfalt, Religionsfreiheit und gegen Faschismus. \nEine parteiunabh\u00e4ngige, autonome Gruppe stellt die \u201cAntifaschistische \nLinke Eisenach\u201d dar. Diese organisierte in j\u00fcngster Vergangenheit eine \nTanzdemonstration und versucht mit dezentralen Aktionen, den anhaltenden\n rechtsextremen Tendenzen etwas entgegenzusetzen. Des weiteren besitzt \ndie Th\u00fcringer Landtagsabgeordnete Kati Engel (Die Linke) ihr Jugend- und\n Wahlkreisb\u00fcro \u201cRosaLuxx.\u201d in Eisenach. Das B\u00fcro wurde schon mehrfach \nZielscheibe f\u00fcr politisch motivierte Sachbesch\u00e4digung. Auch gibt es \nviele junge, alternative Menschen, die immer wieder Opfer von \ngewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen seitens rechtsextremen Gruppierungen werden. \nSeit kurzem existiert auch wieder eine \u201cLinksjugend\u201d. Auch Eisenacher \nPunkbands wie bspw. Gloomster engagieren sich seit Jahren gegen die \nanhaltenden Zust\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Mit dem Ziel den rechten Konsens etwas entgegenzusetzen und sich \ntrotz der st\u00e4ndigen Bedrohung durch Neonazis zu organisieren, kam der \nj\u00e4hrlich an wechselnden Orten im Freistaat stattfindende \nantifaschistische &amp; antirassistische Ratschlag Th\u00fcringen nach \nEisenach. So fand der 28. Ratschlag Anfang November 2018 statt. Die \nTeilnehmer*innen wurden mehrfach von mehreren stadtbekannten Neonazis \nangegriffen, die unter anderem mit Baseballschl\u00e4gern bewaffnet waren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">In der Stadt erfahren die antifaschistischen Bem\u00fchungen wenig \nR\u00fcckhalt. Das CDU-Kreisvorstandsmitglied Lars-Christian Schr\u00f6der \nbeschimpfte Aktivist*innen auf Facebook gar als \u201elinke Seuche\u201c und \n\u201ePack\u201c. Nicht zuletzt daran wird deutlich, dass viele \nParteipolitiker*innen nicht die gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffe, rechten \nSymbole oder Neonazi-Konzerte als Bedrohung werten, sondern den \nWiderstand gegen diese Zust\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Darum Eisenach<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Die Eisenacher Zust\u00e4nde sind dabei als Spiegel \ngesamtgesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse und rechter Hegemonie in deutschen\n (Klein-)St\u00e4dten zu verstehen: Neonazis verschiedener Organisationen mit\n etablierter Infrastruktur, rechte Dominanz in Stadtbild und \nJugendkultur, regelm\u00e4\u00dfige rassistisch motivierte Angriffe auf Menschen, \nEinsch\u00fcchterungen antifaschistischer Aktivist*innen und eine \nMehrheitsgesellschaft, die davon nichts wissen will.<br>\nDiese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund einer autorit\u00e4ren \nWende der gesamten Gesellschaft: steigende Zahlen rassistischer und \nantisemitischer Angriffe, Etablierung der AfD in allen Landesparlamenten\n und im Bundestag, \u00dcbernahme rechter Inhalte durch Politiker*innen von \nCSU bis Linkspartei (in verschiedenen Abstufungen), versch\u00e4rfte Asyl- \nund Polizeigesetze, zunehmende Repression gegen Linke, stete \nVerschiebung der Grenzen des Sagbaren in Politik und \u00d6ffentlichkeit, \nsteigende Akzeptanz f\u00fcr autorit\u00e4re Politik und Verschw\u00f6rungstheorien\u2026<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Deshalb gehen wir am 16. M\u00e4rz 2019 nach Eisenach, um gegen all dies \nzu demonstrieren: Gegen die Zust\u00e4nde in dieser Stadt, gegen die rechte \nVorherrschaft, gegen das Schweigen der Mitte. Aber auch gegen Eisenach \nals ein Beispiel unter vielen, als Ausdruck der rassistischen \nGesellschaft, des v\u00f6lkischen Friedens, des Zusammenhalts der \n\u201aVolksgemeinschaft\u2018 gegen alles \u201eUndeutsche\u201c. Wir wollen die \nAntifaschist*innen vor Ort unterst\u00fctzen, die lokalen Initiativen und \nMenschen in ihrem antifaschistischen Engagement best\u00e4rken! Sie stehen \nnicht allein!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\"><strong>Kommt nach Eisenach! Unterst\u00fctzt uns! Fahrt mit uns! <\/strong><br><strong>Antifa in die Offensive!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir fahren nach Eisenach, zur Anreise aus Leipzig werden bald weitere Informationen folgen. 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