{"id":2000,"date":"2017-07-28T13:39:06","date_gmt":"2017-07-28T11:39:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=2000"},"modified":"2018-10-15T14:10:55","modified_gmt":"2018-10-15T12:10:55","slug":"veranstaltungen-zum-25-jahrestag-des-pogroms-in-rostock-lichtenhagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/veranstaltungen-zum-25-jahrestag-des-pogroms-in-rostock-lichtenhagen\/","title":{"rendered":"Veranstaltungen zum 25. Jahrestag des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen"},"content":{"rendered":"<p>\u201cWir kriegen euch alle!\u201d \u2013 Nicht nur aufgrund der menschenverachtenden Andeutung sollte diese Parole auf Kundgebungen\/Demonstrationen von Kontexten, die sich als emanzipatorisch verstehen, keine Verwendung finden bzw. Kritik hervorrufen, sobald sie dennoch skandiert wird. Auch sollte sie keine Verwendung finden, da ihr menschenverachtender Gehalt, w\u00e4hrend sie beim Pogrom in Rostock-Lichtenhagen gegr\u00f6lt wurde, zum Vorschein kam.<\/p>\n<p>Zwischen dem 22. und 26. August 1992 \u2013 und damit vor nunmehr 25 Jahren \u2013 versammelten sich mehr als 4.000 Deutsche, darunter hunderte Neonazis und damit dennoch mehrheitlich Personen, die sich als gesellschaftliche \u201cMitte\u201d betrachtet h\u00e4tten bzw. dies auch wurden, um gewaltt\u00e4tig gegen die Zentrale Aufnahmestelle f\u00fcr Asylbewerber (ZaST) sowie das von vietnamesischen <span class=\"caps\">DDR<\/span>-Vertragsarbeiter*innen bewohnte \u201cSonnenblumenhaus\u201d vorzugehen.<\/p>\n<p>Nach mehrt\u00e4gigen Angriffen war es dem Mob gelungen die Gefl\u00fcchteten aus dem Viertel zu jagen. Anschlie\u00dfend griffen sie mit Steinen und Brands\u00e4tzen die nahegelegene Wohnunterkunft der vietnamesischer <span class=\"caps\">DDR<\/span>-Vertragsarbeiter*innen an. Das mehrt\u00e4gige Pogrom wurden begleitet von frenetischen Jubel sowie dem Rufen von Parolen wie \u201cDeutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus!\u201d und eben \u201cWir kriegen euch alle!\u201d.<\/p>\n<p>Dass sie vor allem letzteres wollten und erreichten, zeigte sich durch das Agieren der deutschen Rassist*innen sowie den Folgen: Um \u201calle zu kriegen\u201d wurden beide Geb\u00e4ude mit Steinen und Molotowcocktails angegriffen. Nachdem die ZaST am 24. August ger\u00e4umt wurde, konzentrierten sich die Angriffe auf das weiterhin bewohnte \u201cSonnenblumenhaus\u201d, in dem sich zu diesem Zeitpunkt noch 115 Vietnames*innen befanden. Das Geb\u00e4ude wurde weiter mit Steinen und Brands\u00e4tzen beworfen, in die untersten Etagen wurde sich Zugang verschafft, gepl\u00fcndert und Inventar angez\u00fcndet. Folglich brannte es auch im \u201cSonnenblumenhaus\u201d und die deutschen AngreiferInnen bewegten sich im Haus und versuchten in weitere Etagen vorzudringen.<\/p>\n<p>Sie wollten ihre Drohung \u201cWir kriegen euch alle!\u201d in die Tat umsetzen. Die Eingesperrten mussten sich selbst helfen und entkamen erst \u00fcber das Dach erst in die benachbarte, leerstehende ZaST. Dort weiter in erreichten sie ein anderes, bewohntes Haus (Aufgang Nr. 15), in dem ihnen erst nach zahlreichen Versuchen eine (!) T\u00fcr f\u00fcr Frauen und Kinder ge\u00f6ffnet und damit Hilfe und Schutz gew\u00e4hrt wurden.<\/p>\n<p>So betrachtet, ist es beim \u201cblo\u00dfen\u201d Wollen der RassistInnen geblieben. Doch nur scheinbar. Zwar Gl\u00fccklicherweise wurde w\u00e4hrend des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen keine Person get\u00f6tet, aber erreicht wurde seitens der RassistInnen ihre angestrebten Ziele. Sie brauchten gar nicht \u201calle zu kriegen\u201d, denn der Staat erledigte, was sie forderten: Die Abschiebung vieler der 115 Vietnames_innen sowie der Asylsuchenden aus Rum\u00e4nien. So erfuhr das \u201cWir kriegen euch alle!\u201d durch staatliche Unterst\u00fctzung quasi einer Erweiterung. \u201cWir kriegen euch alle! Und schieben euch ab!\u201d.<\/p>\n<p>Auch erzielten sie das Einlenken der <span class=\"caps\">SPD<\/span> auf die Linie von <span class=\"caps\">CDU<\/span>\/<span class=\"caps\">CSU<\/span>. Und damit die Abschaffung des damaligen Asylrechtes. Die Pl\u00e4ne zur Grundgesetz\u00e4nderung lagen bereits in der Schublade, eine Kampagne gegen Asylsuchende war im vollen Gange und Rostock-Lichtenhagen wurde zynischer Weise als letztes Argument f\u00fcr die Abschaffung des Asylrechtes und damit des Grundrechts auf Asyl herangezogen. Jene \u00c4nderung wurde im Juni 1993 letzten Endes vollzogen.<\/p>\n<p>Mit dieser Veranstaltungsreihe wollen wir uns mit dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen n\u00e4her auseinandersetzen und eine andere\/weitere\/erg\u00e4nzende\/zus\u00e4tzliche Perspektive er\u00f6ffnen, die lange fehlte: Die der Betroffenen, der im \u201cSonnenblumenhaus\u201d eingesperrten Vietnames*innen.<\/p>\n<p>Ein weiterer ausf\u00fchrlicher Text zum Pogrom in Rostock: &#8222;<a href=\"https:\/\/irgendwoindeutschland.org\/rassistische-kontinuitaten-aufruf-zu-bundesweiten-aktionen-anlasslich-des-25-jahrestages-der-pogrome-von-rostock-lichtenhagen\/\">Rassistische Kontinuit\u00e4ten \u2013 Aufruf zu bundesweiten Aktionen anl\u00e4sslich des 25. Jahrestages der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen<\/a>&#8220;<\/p>\n<h2>Veranstaltungen:<\/h2>\n<p><strong>9. August, Mittwoch <\/strong><\/p>\n<p><strong>Film \u201cThe Truth lies in Rostock\u201d<\/strong><br \/>\nUm 19 Uhr beim Skorbut-Tresen in der <a href=\"http:\/\/meuterei.blogsport.de\/\">Meuterei (Zollschuppenstra\u00dfe)<\/a><\/p>\n<p>August 1992,Rostock Lichtenhagen.<\/p>\n<p>Die Polizei schaut einfach zu, als Faschisten die Zentrale Aufnahmestelle f\u00fcr Gefl\u00fcchtete (ZAST) und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen mit Molotowcocktails bombardieren.<\/p>\n<p>Eine Montage mit Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen H\u00e4usern, Interviews mit Antifaschist*innen, den vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen, der Polizei, mit B\u00fcrokraten, Neonazis und Anwohnern.<\/p>\n<p>Eine Dokumentation \u00fcber das heimliche Einverst\u00e4ndnis der Politik und \u00fcber die verbreitete Angst.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>18. August, Freitag<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vortrag in der St\u00f6 (Connewitz)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Um <strong>19 Uhr<\/strong> in der St\u00f6.<\/p>\n<p>Rostock-Lichtenhagen 1992: Kontext, Dimensionen und Folgen rassistischer Gewalt<\/p>\n<p>mit Autoren der Studie &#8222;Antiziganistische Zust\u00e4nde 2&#8220;<\/p>\n<p>Die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 gelten als die massivsten rassistischen Ausschreitungen oder gar das gr\u00f6\u00dfte Pogrom der deutschen Nachkriegsgeschichte: Tagelang wurden die Bewohner*innen einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft und eines Wohnheims f\u00fcr vietnamesische Vertragsarbeiter*innen mit Steinen und Brands\u00e4tzen angegriffen, w\u00e4hrend Tausende ihrer Nachbarn Beifall klatschten. Nachdem die Polizei sich auf dem H\u00f6hepunkt der Gewalt zur\u00fcckgezogen hatte, entgingen mehr als 100 Menschen in dem brennenden Haus nur knapp dem Tod in den Flammen. Der Eskalation vorausgegangen war ein anwachsender Rassismus in den Medien und der Politik. Ihr folgte nicht nur eine Welle rechter Gewalt, sondern auch die weitgehende Einschr\u00e4nkung des Grundrechts auf Asyl.<\/p>\n<p>Bundespolitische Debatten um vermeintliche \u201cScheinasylanten\u201d und \u201cZigeuner\u201d, institutionelles Versagen in der Fl\u00fcchtlingspolitik und eskalierende rechte Gewalt kamen in Rostock in einer verheerenden Dynamik zusammen. Hinterfragt werden muss insbesondere die Beteiligung der vielen ungez\u00e4hlten Anwohner*innen, die jeden Brandsatz mit Jubelrufen begr\u00fc\u00dften. In ihrer konformistischen Revolte verstanden sie sich nicht als Au\u00dfenseiter*innen oder gar \u201cExtremisten\u201d. Sie w\u00e4hnten sich in der Mitte der Gesellschaft, gar als Stimme des Volkes.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>23. August, Mittwoch<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kundgebung: &#8222;Aktiv Gedenken statt schweigend vergessen! In Erinnerung an alle Opfer rechter Gewalt.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>17:30 Uhr Schwanenteich hinter der Oper in Leipzig<\/p>\n<p>Aufruf: <a href=\"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/index.php\/kundgebung-aktiv-gedenken-statt-schweigend-vergessen\/\"><strong>Hier<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p><strong>24. August, Donnerstag<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/index.php\/24-august-im-conne-island-sonnenblumenhaus-das-pogrom-in-rostock-lichtenhagen\/\"><strong>Sonnenblumenhaus \u2013 Das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Einlass um 18:45 Uhr (Beginn 19 Uhr) auf der Fl\u00e4che des Sommerkinos im Conne Island (Koburger Stra\u00dfe 3)<\/p>\n<p>Am 25. August kommt es im Rahmen des 25. Jahrestages des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen zur Auff\u00fchrung des Theaterst\u00fccks \u201cSonnenblumenhaus\u201c im Institut fuer Zukunft (IfZ).<\/p>\n<p>Das von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos produzierte St\u00fcck dokumentiert das rassistische Pogrom von Rostock 1992 und \u201everarbeitet die Sicht der belagerten Menschen\u201c. Diese wurden daf\u00fcr ausfindig gemacht und interviewt. Aus ihren Aussagen wurde das St\u00fcck entwickelt.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten die Gelegenheit nutzen, um mit Dan Thy Nguyen vor der Auff\u00fchrung im IfZ \u00fcber das Pogrom in Rostock zu sprechen. Kunst- und Kulturschaffende haben oft die M\u00f6glichkeit, mit ihren Arbeiten Menschen auch au\u00dferhalb von politischen Zusammenh\u00e4ngen und Kontexten zu erreichen und sie zu einer intensiven, wenn auch zeitlich begrenzten, Auseinandersetzung mit ihren Themen zu bewegen. Vor welchen Herausforderungen sie dabei auch stehen, wenn es um die Erinnerung an Ereignisse wie in Rostock geht, werden wir ihn fragen.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>25. August, Freitag <\/strong><\/p>\n<p><strong>Theaterst\u00fcck: \u201cSonnenblumenhaus\u201d im Institut fuer Zukunft (IfZ) <span class=\"_Xbe\">Tierkliniken 38-40<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span class=\"_4n-j _3cht fsl\">von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span class=\"_4n-j _3cht fsl\">mit Claudiu M. Draghici, Jan Katzenberger, Djamila Manly-Spain<\/span><\/p>\n<p><span class=\"_4n-j _3cht fsl\">Regie: Dan Thy Nguyen<\/span><\/p>\n<p>1992 belagerten hunderte Neonazis und tausende Anwohner_innen tagelang eine Erstaufnahmestelle f\u00fcr Asylsuchende und einen angrenzenden Wohnblock ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen in Rostock-Lichtenhagen. \u00dcber Tage heizte sich die Stimmung auf, ohne dass die Polizei nennenswert intervenierte. Schlie\u00dflich flogen Brands\u00e4tze und die Geb\u00e4ude wurden gest\u00fcrmt. Das Theaterst\u00fcck dokumentiert das gr\u00f6\u00dfte und fast vergessene rassistische Pogrom der deutschen Nachkriegsgeschichte und verarbeitet die Sicht der \u00dcberlebenden.<\/p>\n<p><strong>Einlass 18:30<\/strong><br \/>\n<strong> Beginn 19 Uhr<\/strong><br \/>\nEintritt 5-10 Euro<\/p>\n<p>Eine Kooperationsveranstaltung zwischen &#8222;Rassismus t\u00f6tet!&#8220;-Leipzig, der Initiative &#8222;Leipziger Rede&#8220; und dem <a href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/KulturraumEV\/\">Kulturraum e.V. (KReV)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cWir kriegen euch alle!\u201d \u2013 Nicht nur aufgrund der menschenverachtenden Andeutung sollte diese Parole auf Kundgebungen\/Demonstrationen von Kontexten, die sich als emanzipatorisch verstehen, keine Verwendung finden bzw. Kritik hervorrufen, sobald sie dennoch skandiert wird. 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