{"id":1982,"date":"2017-06-19T16:21:59","date_gmt":"2017-06-19T14:21:59","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1982"},"modified":"2018-10-15T14:11:15","modified_gmt":"2018-10-15T12:11:15","slug":"aktiv-gedenken-statt-schweigend-vergessen-rassismus-toetet-in-gedenken-an-nuno-lourenco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/aktiv-gedenken-statt-schweigend-vergessen-rassismus-toetet-in-gedenken-an-nuno-lourenco\/","title":{"rendered":"Aktiv Gedenken statt schweigend Vergessen! \u2013 Rassismus t\u00f6tet! \u2014 In Gedenken an Nuno Louren\u00e7o"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Kundgebung am 4. Juli 2017 um 17:30 Uhr am Bhf. Gaschwitz<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Vortreffpunkt: 16.45 Uhr S-Bhf Connewitz<\/strong><\/p>\n<p>Der portugiesische Zimmermann Nuno Louren\u00e7o war wegen eines Montage-Auftrages f\u00fcr ein halbes Jahr nach Deutschland gekommen. Am 4. Juli 1998, Nuno Louren\u00e7os 49. Geburtstag, verlie\u00df er mit vier Kollegen die gemeinsame Unterkunft in Gaschwitz (Markkleeberg) bei Leipzig. W\u00e4hrend er von einer Telefonzelle aus mit seiner Familie in Portugal telefonierte, verlor das deutsche Fu\u00dfballteam bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Kroatien 0:3 und schied damit aus dem Turnier aus. Dies nahmen Neonazis zum Anlass, Jagd auf Migrant*innen zu machen. Nuno Louren\u00e7o und seine Kollegen wurden von acht 15- bis 21-j\u00e4hrigen Neonazis aus Leipzig und dem Leipziger Umland angegriffen. W\u00e4hrend seine Kollegen fliehen konnten, schlugen die mit Eisenketten bewaffneten Angreifer auf Nuno Louren\u00e7o ein und schn\u00fcrten ihm die Kehle zu, bis er am Boden lag. Sie traten weiter mit Springerstiefeln auf ihn ein. Dabei schrien sie rassistische Parolen.<\/p>\n<p>Nuno Louren\u00e7o wurde nach dem Angriff mit schweren Verletzungen und inneren Blutungen in ein Leipziger Krankenhaus gebracht. Am 29. Dezember 1998, ein knappes halbe Jahr sp\u00e4ter nach der Tat, starb Nuno Louren\u00e7o in Folge des Angriffs an seinen schweren Verletzungen in Portugal.<\/p>\n<p>Als Hauptt\u00e4ter wurde der 21-j\u00e4hrige Andreas Sch. aus B\u00f6hlen bei Leipzig ermittelt. Dieser soll mehrmals mit Springerstiefeln gegen den Kopf von Nuno Louren\u00e7o getreten haben. Nach eigener Aussage habe er es dabei knacken geh\u00f6rt. Im Nachgang der Tat sagte er: \u201eH\u00e4tte ich ein Messer gehabt, h\u00e4tte ich dieses Schwein abgestochen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Staatsanwaltschaft war das Tatmotiv \u201eAusl\u00e4nderfeindlichkeit\u201c klar. Die angeklagten Neonazis gaben selber an, \u201eAusl\u00e4nder hacken\u201c zu wollen. Die Anklage lief auf versuchten Totschlag bzw. gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung hinaus. Bei der Urteilsverk\u00fcndung am 20. September 1999 stellte das Gericht nach mehreren Monaten zwar fest, dass Nuno Louren\u00e7o an den Folgen der Tat gestorben sei, doch sei es nicht nachweisbar, dass die Angeklagten seinen Tod billigend in Kauf genommen oder mit Vorsatz gehandelt h\u00e4tten. Andreas Sch. wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt, seine Mitt\u00e4ter erhielten Bew\u00e4hrungsstrafen und gemeinn\u00fctzige Arbeitsstunden.<\/p>\n<p>Der Hauptt\u00e4ter trat seine Haftstrafe erst an, als das <a href=\"https:\/\/youtu.be\/eGkOq3yAxKA\"><span class=\"caps\">ARD<\/span>-Magazin \u201eMonitor\u201c die Tatsache skandalisierte, dass der zust\u00e4ndige Richter, Norbert G\u00f6bel<\/a>, keinen Termin f\u00fcr den Haftantritt bestimmt hatte. Ebenfalls hatte es die Kammer unterlassen, angeblich \u201eversehentlich\u201c, \u00fcber die Kosten der Nebenklage zu entscheiden. Gleichzeitig wurde darauf verzichtete den angeklagten Neonazis die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Damit verschuldete sich die Witwe Noemia Louren\u00e7o mit \u00fcber 17.500 Euro, da sie als Nebenkl\u00e4gerin f\u00fcr die Unterbringung und Fahrtkosten der Zeugen*innen aus Portugal aufkommen musste.<\/p>\n<p>Nuno Louren\u00e7o wird erst seit 2009 als Opfer rechter Gewalt in offiziellen Statistiken aufgez\u00e4hlt. Warum dies mehr als zehn Jahre gedauert hat, bleibt bis heute offen. Viele der damaligen T\u00e4ter leben heute wieder ungest\u00f6rt in ihrer alten Nachbarschaft auch in Gaschwitz.<\/p>\n<p>Wir wollen, dass Menschen wie Nuno Louren\u00e7o nicht vergessen werden, Menschen, die nicht ins Weltbild von deutschen T\u00e4terInnen passten und deshalb ihr Leben lassen mussten.<\/p>\n<p>Niemand wird vergessen, nichts ist vergeben.<\/p>\n<p>Eine Aktion im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201c<a href=\"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/index.php\/aktiv-gedenken-statt-schweigend-vergessen\/\">Aktiv Gedenken statt schweigend Vergessen!<\/a>\u201d.<\/p>\n<hr>\n<h4>\u201cunverkrampfter Partypatriotismus&#8220;<\/h4>\n<p>Bei nationalistischen Massenveranstaltungen wie der Fu\u00dfball-WM der M\u00e4nner kommt es immer wieder zu menschenverachtenden Exzessen, die zumeist verschwiegen werden. Durch die Verst\u00e4rkung des ohnehin vorhandenen nationalistischen kollektiven Bewusstseins und die Konstruktion einer \u201eWir\u201c gegen die \u201eAnderen\u201c Attit\u00fcde erfahren menschenverachtende Ideologien nochmals einen starken Aufwind. Dessen Folge sind unter anderem P\u00f6beleien und Angriffe auf Nicht-Deutsche, welche wie im Fall von Nuno Louren\u00e7o t\u00f6dlichen enden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren packen \u201cdie Deutschen\u201d anl\u00e4sslich internationaler Fu\u00dfballturniere der deutschen Herren gerne wieder in Massen das schwarz-rot-goldene Banner aus und freuen sich lauthals dar\u00fcber, \u201cDeutsche\u201d zu sein. In der b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit wird das Spektakel als \u201cunverkrampfter\u201d Partypatriotismus gefeiert, der negative Auswirkungen nicht kennt.<\/p>\n<p>Dass es aber bei diesen nationalistischen Massenveranstaltungen schon immer zu menschenverachtenden Exzessen kam, wird gerne verschwiegen. Denn damit m\u00fcsste eingestanden werden, dass die Einteilung von Menschen in ein \u201cWir\u201d und die \u201cAnderen\u201d anhand der Konstruktion vermeintlicher Nationalit\u00e4ten eine Grundlage f\u00fcr menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus bedeutet und bisweilen auch t\u00f6dlich enden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kundgebung am 4. Juli 2017 um 17:30 Uhr am Bhf. Gaschwitz Vortreffpunkt: 16.45 Uhr S-Bhf Connewitz Der portugiesische Zimmermann Nuno Louren\u00e7o war wegen eines Montage-Auftrages f\u00fcr ein halbes Jahr nach Deutschland gekommen. Am 4. Juli 1998, Nuno Louren\u00e7os 49. Geburtstag, verlie\u00df er mit vier Kollegen die gemeinsame Unterkunft in Gaschwitz (Markkleeberg) bei Leipzig. 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