{"id":1876,"date":"2016-05-16T19:38:38","date_gmt":"2016-05-16T17:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1876"},"modified":"2016-05-16T20:22:39","modified_gmt":"2016-05-16T18:22:39","slug":"kundgebung-fuer-eine-solidarische-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/kundgebung-fuer-eine-solidarische-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Kundgebung: F\u00fcr eine solidarische Gesellschaft!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 19. Mai m\u00f6chte Thilo Sarrazin sein neues Buch \u201cWunschdenken\u201d in der Handelsb\u00f6rse am Naschmarkt vorstellen. Mit ihm sprechen will <span class=\"caps\">LVZ<\/span>-Chefredakteur Jan Emend\u00f6rfer, womit <a href=\"http:\/\/www.engagiertewissenschaft.de\/de\/inhalt\/Leipzig_braucht_eine_Debatte_ueber_Rassismus\">die <span class=\"caps\">LVZ<\/span> wie beim Buch \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c, die B\u00fchne f\u00fcr die \u201eThesen\u201c Sarrazins bereitet<\/a>. Eingeladen zur Veranstaltung hat die <span class=\"caps\">CDU<\/span>-Mittelstandsvereinigung. Deren Kreisvorsitzender ist Ronald Pohle, der im vergangenen Dezember \u201eGummigeschosse gegen Chaoten\u201c gefordert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Gegen Intelligenzgef\u00e4lle \u2013 von <span class=\"caps\">SPD<\/span> bis LVZ\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erneut versucht Sarrazin die angebliche intelligente deutsche Elite, vor den nicht so &#8222;gebildeten&#8220; zu warnen und zu sch\u00fctzen, denn Deutschland droht angesichts des Ansturms von \u00bbMillionen kulturfremden Einwanderern mit durchschnittlich niedriger kognitiver Kompetenz\u00ab, der weitere Abstieg. Wie wichtig ihm auch das innerdeutsche Intelligenzgef\u00e4lle ist, war <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z5_p0aOzrAI\">schon 2010 in Potsdam sehr aufschlussreich<\/a>. Beachtet sei das vor sechs Jahren von ihm best\u00e4tigte &#8222;Intelligenzhoch\u201c in Sachsen und besonders in Dresden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der berechtigten Kritik \u00fcber den grassierenden Rassismus (1) wird jedoch das politische Konzept gerne \u00fcbersehen, das Sarrazin in seiner Schriften propagiert \u2013 und das mit seinem Rassismus aufs Engste verkn\u00fcpft ist. Dem promovierten \u00d6konom, der bereits in den 1970er und 1980er Jahren einflussreiche Positionen in Bundesministerien innehatte, treibt vor allem eine Sorge an: die Sorge, dass der deutsche Nationalstaat stark und m\u00e4chtig bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wird Sarrazin zufolge nur dann m\u00f6glich sein, wenn die Basis des heutigen deutschen Einflusses in aller Welt, eine kraftvoll exportierende Industrie auf technologisch modernstem Niveau, auf Dauer erhalten bleibt. Daf\u00fcr brauche Deutschland eine Bildungselite. Bei der Suche nach dieser stellt er immer wieder fest: Die so genannte Unterschicht steigt in Deutschland kaum in diese auf. Grund ist die sehr geringe Durchl\u00e4ssigkeit des deutschen Bildungssystems, hei\u00dft es in seri\u00f6sen Analysen. Sarrazin behauptet dagegen, Grund sei vielmehr die Erblichkeit von Intelligenz. Die Elitenf\u00f6rderung unter \u201eDeutschst\u00e4mmigen\u201c geh\u00f6rt elementar zu seinem Programm. Gute Intelligenznoten erteilt er dar\u00fcber hinaus Menschen aus Asien, stellt jedoch mit Bedauern fest: \u00bbNach Deutschland dr\u00e4ngen die hochbegabten Inder und Chinesen leider nicht\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbT\u00fcrken und Araber\u00ab aber, die seit den 1960er Jahren in die Bundesrepublik geholt wurden, um den Arbeitskr\u00e4ftemangel zu decken, also T\u00e4tigkeiten ausf\u00fchrten, die heute dem Niedirglohnsektor zuzuordnen sind, h\u00e4lt Sarrazin f\u00fcr weitaus weniger intelligent als die deutsche Bev\u00f6lkerung \u2013 und dies sei erblich bedingt. \u00bbEine gro\u00dfe Zahl an Arabern und T\u00fcrken\u00ab, schimpfte er schon 2009, \u00bbhat keine produktive Funktion, au\u00dfer f\u00fcr den Obst- und Gem\u00fcsehandel\u00ab, und es werde sich \u00bbvermutlich auch keine Perspektive entwickeln\u00ab. Dieser Bev\u00f6lkerungsteil \u00bbmuss sich auswachsen\u00ab, forderte er damals. Seine entwickelten Vorschl\u00e4ge, wie das geschehen kann: mit K\u00fcrzungen bei den Sozialleistungen, mit starkem Druck auf islamisch-gepr\u00e4gte Milieus, der seine Objekte zur Auswanderung treibt \u2013 und mit einem rigiden Einwanderungsstopp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarrazin bietet ein durch und durch rassistisches Konzept, wie Deutschland seine \u00f6konomisch nicht ben\u00f6tigten &#8222;Unterschicht\u201d loswerden k\u00f6nne. Durchsetzbar d\u00fcrfte es hierzulande bei einem weit verbreiteten Rassismus und Sozialdarwinismus<sup id=\"fnr2\" class=\"footnote\" data-diff-node=\"ins\" data-operation-index=\"2\"><ins data-operation-index=\"2\"><\/ins><\/sup> (2) ohne Probleme sein. Mehr als die H\u00e4lfte der Besserverdienenden h\u00e4lt Langzeitarbeitslose f\u00fcr \u201ewillensschwach, an ihrer Lage selbst schuld und f\u00fcr die Gesellschaft nutzlos\u201c. Das wird dann schnell in politische Forderungen \u00fcbersetzt. Franz M\u00fcntefering, damaliger <span class=\"caps\">SPD<\/span>-Bundesvorsitzender, Vizekanzler und Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Soziales sagte im Mai 2006: \u00bbNur wer arbeitet, soll auch essen.\u00ab Durch solche Statements werden sozial Benachteiligte entmenschlicht und abgewertet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sozialdemokratie t\u00f6tet!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sarrazin ist nicht in der falschen Partei, sondern bei den Sozialdemokrat_Innen genau am richtigen Ort. Mit der Niederschlagung der Novemberrevolution 1918 wurde fr\u00fchzeitig bewiesen, dass die <span class=\"caps\">SPD<\/span> f\u00fcr eine Law-and-Order-Politik ohne Kompromisse steht. Auch wenn daf\u00fcr die Demokratie gelegentlich in Blut gebadet oder ein linker Dissident zum Schweigen gebracht werden muss. Dieser Tradition wird sich bis heute treu geblieben. Ruhe und Ordnung sind dank der Mithilfe der Sozialdemokratie inzwischen zu weltweiten Exportschlagern geworden. So kann auf eine lange Tradition der milit\u00e4rischen Intervention in internationalen Konflikten zur\u00fcckgeblickt werden. Sei es das Engagement f\u00fcr den Ersten Weltkrieg oder die &#8222;Humanit\u00e4ren Eins\u00e4tze\u201c im Kosovo, Afghanistan oder irgendwo sonst auf der Welt\u00a0 wo die deutsche Sicherheit gef\u00e4hrdet war. Die immer wieder vorgetragenen Positionen Thilo Sarrazins sind in der <span class=\"caps\">SPD<\/span> keine &#8222;Randerscheinung\u201c, sondern Teil der politischen Ausrichtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSarrazins Behauptung, dass es besondere kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen gibt, kann heute niemand mehr mit Sachkenntnis bestreiten\u00ab, sprang der ehemalige <span class=\"caps\">SPD<\/span>-Bundesbildungsminister Klaus von Dohnanyi Sarrazin schon einmal bei. \u00bbIm Schatten unserer Geschichte und eines oft allzu einseitigen Bildes unserer Selbst scheuen wir uns vor Debatten und Worten, die bei anderen V\u00f6lkern gang und g\u00e4be sind\u00ab, f\u00fcgte der Sozialdemokrat an und weiter: \u00bbAlso bitte keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime. Es gibt sie. Man darf \u00fcber sie nachdenken, man darf sie benutzen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F\u00fcr eine solidarische Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem erinnert vieles an die \u00bbDas Boot ist voll\u00ab-Kampagne zu Beginn der 1990er Jahre: Die Medien quollen, damals gespeist von einem Konsens der deutschen Eliten, von rassistischer Stimmungsmache gegen die Asylsuchende \u00fcber. Das Ergebnis der Kampagne war h\u00f6chst konkret: 1993 wurde das alte bundesdeutsche Asylrecht faktisch abgeschafft. Deutschland machte sich auf den Weg, zur globalen Macht zu werden; Gefl\u00fcchtete, die Kosten verursachten und keinen direkten \u00f6konomischen Nutzen brachten, waren unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute, da die Bundesrepublik sich im globalen Konkurrenzkampf durchsetzen will, steht nach Auffassung von Teilen der Eliten ein weiterer Schritt an. Er richtet sich gegen die \u00f6konomisch nicht ben\u00f6tigte \u201cUnterschicht\u201d; eine Art Programmentwurf zum Thema wird regelm\u00e4\u00dfig von Thilo Sarrazin neu aufgegossen. Sarrazins Pamphlete geben die Richtung an, in die inzwischen Regierungsapparate praktisch zu arbeiten beginnen. Wie zu Beginn der 1990er Jahre geht es dabei nicht prim\u00e4r um rassistische Rhetorik und rassistische Debatten, sondern um h\u00f6chst konkrete rassistische Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden uns immer gegen Rassismus und Sozialdarwinismus stellen. Daher kann so eine Veranstaltung wie am Donnerstag auch nicht ohne unseren entschiedenen Widerstand statt finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen jeden Sozialdarwinismus und Rassismus! \u2013 Gegen jede Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft!<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Kundgebung um 18 Uhr am 19.Mai 2016 Grimmaische Stra\u00dfe \/ Naschmarkt<\/h2>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">FU\u00dfNOTEN:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Auch wenn es in der Mehrheitsgesellschaft sowie einigen \u201clinken\u201d Zusammenh\u00e4ngen en vogue ist, Rassismus nicht als solchen zu benennen, sondern als \u201cAusl\u00e4nderfeindlichkeit\u201d oder \u201cFremdenfeindlichkeit\u201d, benutzen wir diesen bewusst. Sowohl \u201cAusl\u00e4nderfeindlichkeit\u201d als auch \u201cFremdenfeindlichkeit\u201d reproduzieren Rassismus, wird den Betroffenen doch unterstellt \u201cfremd\u201d bzw. \u201causl\u00e4ndisch\u201d zu sein. Letzteres betrifft auch keine rechtliche Stellung, sondern den als \u201cfremd\u201d oder \u201causl\u00e4ndisch\u201d stigmatisierten Menschen wird eine Abweichung zugeschrieben, die sich auf ihr \u00c4u\u00dferes oder ihre vermeintliche Kultur bezieht, beides jedoch nicht der hiesigen Norm entspr\u00e4che. So sind Menschen von rassistisch-motivierter Gewalt betroffen, die nicht-wei\u00df sind, aber in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und die hiesige Staatsangeh\u00f6rigkeit besitzen.<sup id=\"fnr2\" class=\"footnote\" data-diff-node=\"ins\" data-operation-index=\"4\"><ins data-operation-index=\"4\"><\/ins><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><ins data-operation-index=\"4\">(2) Sozialdarwinismus ist, beruhend auf der Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft, ein Denken, das Menschen nach \u00f6konomischen N\u00fctzlichkeitskriterien bewertet. Es teilt in Gewinner_innen und Verlierer_innen ein, schreibt ihnen somit einen gesellschaftlichen Marktwert zu, womit die Abwertung von Menschen einhergeht. Menschen, denen keine N\u00fctzlichkeit zugeschrieben wird, werden als unn\u00fctz angesehen, gar als unwert. Dieser Mechanismus richtet sich gegen die vermeintlichen Verlierer_innen dieser Verwertungslogik, denen ihre eigene soziale Situation vorgeworfen wird, sie seien im Grunde selber Schuld an ihrer Lage. So wird aus einer realen sozialen Ungleichheit eine Ungleichwertigkeit gemacht.<\/ins><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Mai m\u00f6chte Thilo Sarrazin sein neues Buch \u201cWunschdenken\u201d in der Handelsb\u00f6rse am Naschmarkt vorstellen. Mit ihm sprechen will LVZ-Chefredakteur Jan Emend\u00f6rfer, womit die LVZ wie beim Buch \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c, die B\u00fchne f\u00fcr die \u201eThesen\u201c Sarrazins bereitet. Eingeladen zur Veranstaltung hat die CDU-Mittelstandsvereinigung. Deren Kreisvorsitzender ist Ronald Pohle, der im vergangenen Dezember [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1877,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,1],"tags":[],"class_list":["post-1876","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1876"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1886,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876\/revisions\/1886"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1877"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}