{"id":1754,"date":"2015-10-05T17:07:53","date_gmt":"2015-10-05T15:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1754"},"modified":"2015-10-10T13:22:50","modified_gmt":"2015-10-10T11:22:50","slug":"aufruf-zur-demonstration-am-24-10-5-years-of-anger-and-sorrow-fight-racism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/aufruf-zur-demonstration-am-24-10-5-years-of-anger-and-sorrow-fight-racism\/","title":{"rendered":"Aufruf zur Demonstration am 24.10.: 5 YEARS OF ANGER AND SORROW \u2013 FIGHT RACISM"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5 YEARS OF ANGER AND SORROW \u2013 FIGHT RACISM<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mord an Kamal K. j\u00e4hrt sich in der Nacht zum 24. Oktober das f\u00fcnfte Mal. Er wurde von den Neonazis Daniel K.und Marcus E. in der N\u00e4he des Leipziger Hauptbahnhofs erstochen, als er einen Freund unterst\u00fctzen wollte, der von den beiden Neonazis bedr\u00e4ngt wurde. Daraufhin bespr\u00fchte Daniel K., Sohn des Leipziger Polizeibeamten Jens K., der gleichfalls Sympathien f\u00fcr rechtes Gedankengut hegt, Kamal mit Pfefferspray und machte ihn somit verteidigungsunf\u00e4hig. Marcus E., der ein Messer mit sich f\u00fchrte, nutzte die Wehrlosigkeit Kamals und stach auf ihn ein. Trotz des13-st\u00fcndigen Versuchs der \u00c4rzt_innen, Kamals Leben zu retten, verstirbt er im Krankenhaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>LEIPZIG T\u00d6TET!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass jedoch hinter einer rechten Gewalttat bzw. einem rechts-motivierten Mord nicht per se organisierte Neonazis oder Menschen mit neonazistischen Einstellungen stehen m\u00fcssen, zeigt ein Mord, der sich am 30. Dezember bereits das 20. Mal j\u00e4hrt:<br \/>\nDie zwei Jugendlichen, Steffen S. und Marlon S. z\u00fcnden den Wohnungslosen Horst K., der in einer Stra\u00dfenbahn der Linie 15 schl\u00e4ft, an und schauen zu, wie er verbrennt. Steffen S. soll den Anblick als &#8222;cool&#8220; bezeichnet haben. Horst K. verstirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. \u00dcber 40 Prozent seines K\u00f6rpers weisen schwerste Verbrennungen auf. Ebenso das 20. Mal j\u00e4hrt sich am 17. Dezember der Mord an Gerhard Helmut B., den die drei Jugendlichen Marcus D., Rainer S. und Mike B. im Keller eines Abrisshauses in Gro\u00dfzschocher brutal zusammenschlugen und -traten. Bei dem Mord stand die Ablehnung der Homosexualit\u00e4t von Gerhard Helmut B. als Tatmotiv im Vordergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kamal K., Horst K. und Gerhard Helmut B. sind lediglich drei von mindestens zehn Todesopfern \u2013 Gerhard S., Klaus R., Achmed B., Bernd G., Nuno L., Thomas K., Karl-Heinz T. \u2013 rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig. Alle wurden aufgrund von rassistischen, sozialdarwinistischen oder homosexuellenfeindlichen Einstellungen der T\u00e4ter ermordet. An sie und alle anderen Todesopfer sowie Betroffenen rechter Gewalt wollen wir mit dieser Demonstration erinnern. Die dauerhafte Auseinandersetzung mit den Morden ist notwendig, sind diese doch lediglich ein Spiegelbild gesellschaftlicher Zust\u00e4nde, jener also, die solche Morde erst m\u00f6glich machen. Es ist die Akzeptanz und die Anerkennung von Aussagen und Meinungen die gegen Menschen gerichtet sind, die nicht den &#8222;deutschen Norm- und Wertvorstellungen&#8220; \u2013 wei\u00df, heterosexuell, besitzend, lohnarbeitend \u2013 entsprechen und somit abgewertet werden. So geschieht es fortw\u00e4hrend, dass die Todesopfer rechts-motivierter Gewalt sowie deren Angeh\u00f6rige bei der Aufarbeitung der Morde erneut stigmatisierende Erfahrungen machen. Gleiches l\u00e4sst sich auch f\u00fcr Betroffene rechter \u2013 verbaler wie non-verbaler \u2013 Gewalt feststellen. Der Umgang von Polizei, Justiz, Politik, Medien und B\u00fcrger_innen bei der Aufarbeitung ist dabei zentral. Dies sind keine Erkenntnisse, die allein im Zusammenhang mit der so genannten Aufarbeitung im Rahmen des NSU-Komplexes zu schlie\u00dfen w\u00e4ren, sondern bereits vorher ersichtlich waren. Der Mord an Kamal steht daf\u00fcr exemplarisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So bestand bereits bei den ermittelnden Polizist_innen wenig Interesse, die Tatmotivation herauszufinden. Darauf deutet u.a. die so genannte Hausdurchsuchung durch Staatsschutz und Polizei bei Daniel K. hin. In Daniel K.s Wohnung beschr\u00e4nkten sich die Beamt_innen auf verbotenes Material, trotz des Durchsuchungsbefehls der Leipziger Staatsanwaltschaft, der besagte, dass in der Wohnung des Tatverd\u00e4chtigen alles Material sichergestellt werden solle, welches &#8222;ausl\u00e4nderfeindlichen Inhaltes&#8220; ist. Letztendlich wurde gar nichts von den Beamt_innen beschlagnahmt, nicht mal die &#8222;Anstecker&#8220; auf denen &#8222;frei, sozial, national&#8220;, &#8222;Brutal Attack&#8220;, &#8222;White Boy&#8220; oder &#8222;Ku-Klux-Klan&#8220; zu lesen war. Intensiv wurde beim Sohn eines Leipziger Polizisten ohnehin nicht gesucht. So fanden die Beamt_innen angeblich auch keine Sachen mit rechten Aufschriften im Kleiderschrank des T\u00e4ters. Dies widersprach jedoch den Einlassungen, die Daniel K. vor Gericht gemacht hatte. Er hatte \u2013 angesprochen auf den Pullover mit neonazistischem Aufdruck, den er w\u00e4hrend der Tat trug \u2013 ge\u00e4u\u00dfert, dass er nicht \u00fcber neutrale Kleidung verf\u00fcge, da er sich diese nicht leisten k\u00f6nne. Auf Nachfrage r\u00e4umte ein Polizeizeuge ein, dass sich vielleicht doch Klamotten mit rechten Aufdrucken in der Wohnung befunden haben k\u00f6nnten, aber im Kleiderschrank nicht wirklich nachgeschaut wurde. Nat\u00fcrlich beteuerte Daniel K., wie viele Neonazis vor Gericht, aus der &#8222;rechten Szene&#8220; ausgestiegen zu sein. Eine klare Schutzbehauptung. Vor ein paar Monaten wurde bekannt, dass er wieder auf freiem Fu\u00dfe, erneut auf neonazistischen Veranstaltungen anzutreffen ist. Die Rolle des Vaters, Jens K., l\u00e4sst ebenfalls Fragen offen. Er gab wenige Tage nach dem Mord eine Reisetasche bei der Polizei ab, jedoch nach der Hausdurchsuchung. Diese war mit rechter Literatur und Kleidungsst\u00fccken mit rechten Aufdrucken gef\u00fcllt und w\u00fcrde Marcus E. geh\u00f6ren. Der Weg, den die Tasche genommen hatte, h\u00e4tte eigentlich Fragen aufwerfen m\u00fcssen. Die Tasche wurde bei der Hausdurchsuchung nicht gefunden, ebenso waren keine Anzeichen eines &#8222;Saufgelages&#8220; der beiden T\u00e4ter in der Wohnung von Daniel K. vorhanden, trotz anderweitiger Aussagen durch die T\u00e4ter. Doch jenes interessierte ermittelnde Beh\u00f6rden sowie die Justiz nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jene, in Form der Staatsanwaltschaft, signalisierte bereits nach den ersten Ermittlungen, kein rassistisches Tatmotiv erkennen zu k\u00f6nnen und h\u00e4lt an dieser Einsch\u00e4tzung bis heute fest. Es l\u00e4gen ihrer Ansicht nach \u201ekeine hinreichenden Anhaltspunkte f\u00fcr eine ausl\u00e4nderfeindliche Motivation\u201c vor. Die Kleidung der T\u00e4ter, ihre NS-verherrlichenden Tattoos sowie bei einer Hausdurchsuchung festgestellte einschl\u00e4gige Literatur bei Marcus E., spielen f\u00fcr die Staatsanwaltschaft keine Rolle. Selbst die Mitgliedschaft der beiden T\u00e4ter in neonazistischen Gruppierungen und Zusammenh\u00e4ngen schien keine Relevanz zu haben. Anders als beim rassistischen Mord an Achmed B. am 23. Oktober 1996, als st\u00e4dtische Vertreter_innen die rassistische Motivation der T\u00e4ter leugneten \u2013 so der damalige Oberb\u00fcrgermeister Hinrich Lehmann-Grube, der behauptete \u201eEin rechtsextremes Potenzial ist mir hier nie begegnet.\u201c sowie der so genannte Ausl\u00e4nderbeauftragter Stojan Gugutschkow, der erkl\u00e4rte: \u201eEs h\u00e4tte auch irgendeinen Deutschen treffen k\u00f6nnen.\u201c[1] \u2013 schwiegen beim Mord an Kamal Vertreter_innen des Leipziger Rathauses. Der OBM Burkhard Jung erachtete es als ausreichend, ein Betroffenheitsschreiben an den Fl\u00fcchtlingsrat und den Zentralrat der Muslime zu verfassen. Jedoch wurde es unterlassen und als nicht notwendig erachtet, ein pers\u00f6nliches Wort in Richtung der unmittelbar Betroffenen zu richten. Gleichfalls wurde sich zum Mord nicht politisch positioniert. Das Betroffenheitsschreiben unterstreicht dies. Wenn sich der OBM f\u00fcr den biographischen Hintergrund Kamals interessiert h\u00e4tte, w\u00e4re das Schreiben nicht an den Zentralrat der Muslime gegangen, denn Kamal war Christ. Es zeigt sich, auch hier wurde nach Zuschreibungen gearbeitet, wonach Menschen aus dem Irak muslimischen Glaubens seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung (LVZ) wurde die Perspektive der Staatsanwaltschaft zun\u00e4chst unhinterfragt \u00fcbernommen. Zudem verwiesen sie in einem Bericht vom 26.Oktober 2010, dass \u201eauch das Opfer\u201c kein \u201eunbeschriebenes Blatt\u201c und \u201epolizeibekannt\u201c sei. Zwischenzeitlich war unter anderem in der Kommentarspalte der LVZ-Online-Ausgabe kolportiert worden, dass es sich bei der &#8222;t\u00f6dlichen Auseinandersetzung&#8220; nicht um einen gezielten Mord, sondern um einen &#8222;Milieu-Streit&#8220; unter &#8222;Kriminellen&#8220; gehandelt habe. Durch diesen unsachlichen Hinweis, auch das Mordopfer sei &#8222;polizeibekannt&#8220; gewesen, leistete die LVZ haltlosen Spekulationen Vorschub, die einzig auf dem Vorurteil beruhen, dass Kamal als &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220; zwangsweise &#8222;kriminell&#8220; gewesen sei.\u00a0 Auch die sich als alternativ-gebende Onlinezeitung L-IZ verstand es damals, den Mord an Kamal zu entpolitisieren, die rassistische Tatmotivation zu leugnen und die an der Aufarbeitung interessierten Personen zu diskreditieren, indem ihnen vorgehalten wurde, Gesinnungsjustiz zu betreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rechte Morde als solche nicht-(an-)erkennen zu wollen, scheint ein Interesse der hiesigen Gesellschaft zu sein. Im Bezug auf Leipzig geht dies mit der m\u00fchseligen Aufrechterhaltung des Images als &#8222;weltoffene Stadt&#8220; einher. Nur ist es mit jener Offenheit vor\u00fcber, wenn als nicht-deutsch angesehene Menschen nach Leipzig kommen und auch noch hier bleiben und wohnen wollen. Ihnen \u2013 Gefl\u00fcchtete sowie als nicht &#8222;deutsch&#8220; wahrgenommene Menschen \u2013 wird mit Ablehnung begegnet: Mit allt\u00e4glichen rassistischen Anfeindungen, Abwertungen und Ausgrenzungen. Gefl\u00fcchtete werden zus\u00e4tzlich mit Protesten, Unterstellungen, Anschl\u00e4gen und menschenunw\u00fcrdigen Unterbringungsformen konfrontiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SACHSEN T\u00d6TET! DEUTSCHLAND AUCH!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Auseinandersetzung mit Rassismus[2] f\u00e4llt daher eine Konstante auf: Das Reden \u00fcber Rassismus und Rassist_innen scheint vorwiegend ein Reden \u00fcber etwas Vergangenes zu sein. Zumeist wird Rassismus mit dem Nationalsozialismus sowie mit neonazistischen Denken in Verbindung gebracht. Dies verkennt jedoch die Dimension rassistischer sowie generell menschenverachtender Einstellungen und kann als eine Ursache f\u00fcr das Nicht-(An-)Erkennen rechter Gewalt angesehen werden, was in der Aufarbeitung des NSU-Komplexes deutlich wird. Mehr als ein Jahrzehnt haben staatliche Stellen, Polizei, Medien und Gesellschaft die Morde an neun Menschen \u2013 Enver \u015e., Abdurrahim \u00d6., S\u00fcleyman T., Habil K., Mehmet T., \u0130smail Y., Theodoros B., Mehmet K., Halit Y. \u2013 dem Mafia- und Drogenmilieu zugeschrieben oder gar im Familienkreis der Get\u00f6teten vermutet. Zum Synonym daf\u00fcr wurde die verachtende Bezeichnung &#8222;D\u00f6ner-Morde&#8220;, die ein rassistisches Tatmotiv g\u00e4nzlich ausschlie\u00dft. Und trotz der Erkenntnis von Angela Merkel, wonach &#8222;Intoleranz und Rassismus [&#8230;] sich keineswegs erst in Gewalt&#8220; \u00e4u\u00dfern, sondern bereits &#8222;Vorurteile [&#8230;] ein Klima der Verachtung erzeugen&#8220; w\u00fcrden, muss diese hinterfragt werden, wenn ihre Konsequenz \u2013 oder vielmehr Drohung \u2013 folgende ist:<br \/>\n&#8222;Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzukl\u00e4ren und die Helfershelfer und Hinterm\u00e4nner aufzudecken und alle T\u00e4ter ihrer gerechten Strafe zuzuf\u00fchren. Daran arbeiten alle zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in Bund und L\u00e4ndern mit Hochdruck. Das ist wichtig genug, es w\u00fcrde aber noch nicht reichen. Denn es geht auch darum, alles in den M\u00f6glichkeiten unseres Rechtsstaates Stehende zu tun, damit sich so etwas nie wiederholen kann.&#8220; Jene Aussagen t\u00e4tigte sie im Februar 2012 anl\u00e4sslich der &#8222;Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer rechtsextremistischer Gewalt&#8220;, bei der der Opfer des NSU gedacht werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither gibt\/gab es acht NSU-Untersuchungsaussch\u00fcsse auf Bundes- wie L\u00e4nderebene, den Prozess zur Aufarbeitung des NSU in M\u00fcnchen und vor allem die Frage, warum hat sich bisher nichts ver\u00e4ndert? Weiterhin wird die Legende vom Terror-Trio aufrechterhalten. So solle der NSU lediglich drei Personen und keine weiteren Mitglieder_innen umfassen. Gleichfalls wurden bisher kaum Unterst\u00fctzer_innen ermittelt, nach weiteren sowie einem gr\u00f6\u00dferen Unterst\u00fctzungsumfeld wurde gar nicht erst gesucht. Sowohl der Prozess als auch die Untersuchungsaussch\u00fcsse forschen eben nicht mit aller Gr\u00fcndlichkeit und Konsequenz. Es gibt etliche offene Fragen, die die Zusammenh\u00e4nge zwischen NSU, gesellschaftlichem und institutionellem Rassismus und der Verstrickung und Mitverantwortung der Geheimdienste betreffen. Letztere werden durch Empfehlungen aus den Untersuchungsaussch\u00fcssen sowie durch Beschl\u00fcsse auf Bundesebene gest\u00e4rkt, anstatt diese aufzul\u00f6sen. In Sachsen wurde mit Gordian Meyer-Plath eine Person Verfassungsschutzpr\u00e4sident, der in den 90er Jahren beim brandenburgischen Verfassungsschutz als V-Mann-F\u00fchrer den Neonazi-V-Mann Carsten Szczepanski alias \u201ePiatto\u201c intensiv betreute. Szczepanski und Meyer-Plath hatten ein inniges Verh\u00e4ltnis: sie duzten sich, Meyer-Plath chauffierte Szczepanski zwischen Chemnitz und Brandenburg umher. Carsten Szczepanski besa\u00df n\u00e4here Informationen \u00fcber das so genannten NSU-Trio: zu deren Aufenthalt, Finanzierung, Bewaffnung und m\u00f6glichen Pl\u00e4ne. Jene gelangten \u00fcber den brandenburgischen VS jedoch erst sp\u00e4t bei anderen Stellen. Zugleich schien der rassistisch-motivierte Mordversuch, f\u00fcr den Szczepanski im Knast sa\u00df, keine Rolle zu spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur bei der angeblichen Aufarbeitung des NSU-Komplexes l\u00e4sst sich Merkels Aussage widerlegen, sondern ebenso bei der Thematisierung des Komplexes Flucht, Asyl und Migration, der gerne als &#8222;Fl\u00fcchtlingskrise\/-problem&#8220; oder &#8222;Asylkrise\/-problem&#8220; tituliert wird und vom eigentlichen ablenkt: Dem Rassismus in Deutschland und Europa. So gab der bayerische Ministerpr\u00e4sident Horst Seehofer bereits 2011 die Leitparole gegen Zuwanderer_innen aus: &#8222;Wogegen wir gr\u00f6\u00dfte Vorbehalte und Bedenken haben \u2013 und da werden wir uns in der Berliner Koalition str\u00e4uben bis zur letzten Patrone, liebe Freunde, und niemals nachgeben \u2013 dass wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bekommen.&#8220; Zweierlei wird damit erreicht: Einerseits wird Menschen, die nach Deutschland einwandern, so auch Gefl\u00fcchteten, unterstellt, lediglich &#8222;die deutschen Sozialsysteme&#8220; ausnutzen zu wollen. Dadurch wird eine Teilung in &#8222;gute und schlechte&#8220; Gefl\u00fcchtete bzw. in legitime und nicht-legitime Flucht-\/Einwanderungsgr\u00fcnde erzeugt. Andererseits zeigt Seehofer auf, wie sich gegen Einwanderung in Stellung gebracht werden kann: Mittels einer Bildsprache die auf den bewaffneten Kampf gegen &#8222;Nicht-Deutsche&#8220; abzielt. Die Entwicklung der letzten Monate gerade in Sachsen zeigt, wie sehr aus dem rhetorischen Kampf, reale Brandanschl\u00e4ge und Angriffe auf Gefl\u00fcchtete und als &#8222;fremd&#8220; stigmatisierte geworden sind. Es vergeht keine Woche mehr, in der nicht von Brandanschl\u00e4gen oder Angriffen auf als &#8222;fremd&#8220; stigmatisierte Menschen berichtet wird. Fast t\u00e4glich finden sich alleine in Sachsen tausende Rassist_innen an vielen Orten zusammen, um ihr so genanntes &#8222;deutsches Abendland&#8220; v\u00f6lkisch wei\u00df und &#8222;ausl\u00e4nderfrei&#8220; zu halten. Verst\u00e4ndnis und Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Forderungen erhalten sie dabei von Politik, Kultur, Kirche und Medien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>TOLERANZ T\u00d6TET!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt aber auch eine linke oder antirassistische Szene\/Bewegung, die all die Widerspr\u00fcche in dieser Gesellschaft aush\u00e4lt und ertr\u00e4gt. Die Zusammen mit Rassist_innen und Politiker_innen aller Parteien &#8222;Willkommensfeste&#8220; feiert, um am Image des &#8222;freundlichen und weltoffenen Deutschlands&#8220; zu basteln, w\u00e4hrend auf der anderen Seite der rassistische Mob auf die Dunkelheit f\u00fcr den n\u00e4chsten Angriff wartet oder in der n\u00e4chsten Veranstaltung \u00fcber den zu stoppenden &#8222;Zustrom&#8220; diskutiert wird und ein &#8222;Sondergesetz&#8220; das n\u00e4chste jagt. Bei dem die gewollte und inszenierte \u00dcberbelastung in Verwaltung und Politik damit entgegnet wird, dass die Deutschen ihren nicht mehr gewollten Plunder an der n\u00e4chsten Sammelstelle abgeben und so das eigene Gewissen beruhigen, doch irgendetwas gegen die &#8222;unhaltbaren Versorgungszust\u00e4nde&#8220; getan zu haben.<br \/>\nBeim Mord an Kamal ging es au\u00dfer f\u00fcr die Familie und ihre Unterst\u00fctzer_innen niemanden um Rassismus und die deutsche Normalit\u00e4t. Ein Umstand der sich bis heute h\u00e4lt. Bis zum n\u00e4chsten Mord, zum n\u00e4chsten Anschlag, zum n\u00e4chsten diskriminierenden \u201eAusl\u00e4ndersondergesetz&#8220; mit Todesfolge, bis zum n\u00e4chsten Gerichtsverfahren gegen Opfer und nicht die T\u00e4ter_innen eines Neonazianschlages. Sp\u00e4testens seit der Gesetzes\u00e4nderung 1993 ist das Leben eines Gefl\u00fcchteten in diesem Lande nicht mehr viel wert. Gesch\u00fctzt wird nicht dieser Mensch, sondern immer nur die_der T\u00e4ter_in und die verschworene deutsche Volksgemeinschaft, die deckend dahinter steht. Diese Tat kommt aus der Mitte der Gesellschaft, ob er oder sie nun organisierter Neonazi oder \u201enur\u201c organisierte_r Deutsche_r ist. Doch selbst eine harte Bestrafung von T\u00e4ter_innen, selbst eine in diesem Zusammenhang vom Gericht mitverantwortlich gemachte deutsche Volksgemeinschaft, macht weder Kamal noch all die anderen Opfer wieder lebendig. Sie starben als die vielen Opfer des allt\u00e4glichen m\u00f6rderischen Rassismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betroffenheit und Mitgef\u00fchl, auch als Ausdruck ehrlicher Anteilnahme, kann diese Morde nicht verhindern. Nur entschlossenes und unvers\u00f6hnliches Entgegentreten gegen alle Formen des Rassismus, sei es nun die Anmache in der Stra\u00dfenbahn, sei es die offensichtliche Diskriminierung von als \u201efremd\u201c definierten Menschen in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden wie der Universit\u00e4t Leipzig, seien es spezielle \u201eSondergesetze\u201c f\u00fcr Gefl\u00fcchtete oder \u201eNicht-Deutsche\u201c, seien es die zahlreichen Prozesse gegen die Opfer statt gegen die T\u00e4ter rassistischer Anschl\u00e4ge, seien es die menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen und Behandlungen, denen Asylsuchende in diesem Lande ausgesetzt sind, seien es die unm\u00f6glichen Arbeitsbedingungen, unter denen sie als Arbeitnehmer_innen hier oft arbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt nur eine Entscheidung, nie aber eine Entschuldigung oder gar einen Grund f\u00fcr Rassismus. Es gibt nur eine Entscheidung, nie aber eine Entschuldigung oder gar einen Grund f\u00fcrs Morden. Denn Rassismus t\u00f6tet schon da, wo er noch nicht das Messer gez\u00fcckt hat, wo er \u201enoch ganz normal\u201c ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Demonstration: 24. Oktober um 14:00 Uhr auf dem Markt in Leipzig<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p>Die Demonstration wird p\u00fcnktlich 14 Uhr beginnen! Damit wird es erm\u00f6glicht, nach der Demonstration nach Markkleeberg zu fahren, um dort dem Neonazi-Aufmarsch der &#8222;Offensive f\u00fcr Deutschland&#8220; (OfD) entgegenzutreten.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><strong>FU\u00dfNOTEN:<\/strong><br \/>\n[1] Bis heute haben weder Hinrich Lehmann-Grube noch \u2013 der weiterhin amtierende und nunmehrige Integrationsbeauftragte der Stadt Leipzig \u2013 Stojan Gugutschkow jene \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcckgenommen, obwohl Achmed B. seit Februar 2012 offiziell als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt ist. Eine zur Kenntnisnahme der Anerkennung sowie die Zur\u00fccknahme der Aussagen w\u00e4ren daher angebracht.<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">[2] Auch wenn es in der Mehrheitsgesellschaft sowie einigen &#8222;linken&#8220; Zusammenh\u00e4ngen en vogue ist, Rassismus nicht als solchen zu benennen, sondern als &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; oder &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220;, benutzen wir diesen bewusst. Sowohl &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; als auch &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; reproduzieren Rassismus, wird den Betroffenen doch unterstellt &#8222;fremd&#8220; bzw. &#8222;ausl\u00e4ndisch&#8220; zu sein. Letzteres betrifft auch keine rechtliche Stellung, sondern den als &#8222;fremd&#8220; oder &#8222;ausl\u00e4ndisch&#8220; stigmatisierten Menschen wird eine Abweichung zugeschrieben, die sich auf ihr \u00c4u\u00dferes oder ihre vermeintliche Kultur bezieht, beides jedoch nicht der hiesigen Norm entspr\u00e4che. So sind Menschen von rassistisch-motivierter Gewalt betroffen, die nicht-wei\u00df sind, aber in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und die hiesige Staatsangeh\u00f6rigkeit besitzen.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5 YEARS OF ANGER AND SORROW \u2013 FIGHT RACISM Der Mord an Kamal K. j\u00e4hrt sich in der Nacht zum 24. Oktober das f\u00fcnfte Mal. Er wurde von den Neonazis Daniel K.und Marcus E. in der N\u00e4he des Leipziger Hauptbahnhofs erstochen, als er einen Freund unterst\u00fctzen wollte, der von den beiden Neonazis bedr\u00e4ngt wurde. 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