{"id":1709,"date":"2015-07-12T15:45:59","date_gmt":"2015-07-12T13:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1709"},"modified":"2020-07-26T14:36:34","modified_gmt":"2020-07-26T12:36:34","slug":"emanzipatorische-kaempfe-verbinden-buendnis-fuer-einen-emanzipatorischen-block-beim-csd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/emanzipatorische-kaempfe-verbinden-buendnis-fuer-einen-emanzipatorischen-block-beim-csd\/","title":{"rendered":"Emanzipatorische K\u00e4mpfe verbinden! B\u00fcndnis f\u00fcr einen emanzipatorischen Block beim CSD"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\">Samstag, 18.07.2015, 14:00 Uhr, Markt: CSD-Demonstration mit einem emanzipatorischen Block<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eI wanna take you to a gay bar\u201c \u2013 Electric Six<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen dem Christopher-Street-Day (CSD) seine politische Sprengkraft zur\u00fcckgeben, die sich im Jahr 1969 erstmals bei den Stonewall-Unruhen manifestierte. Ausgang dieser Unruhen war eine polizeiliche Razzia im Stonewall Inn, einer Bar in der Christopher-Street in New York, die auch den innerhalb der Szene marginalisierten Queers einen Raum bot. So waren es vor allem obdachlose Jugendliche, Trans*idente, Schwarze Drag Queens und Butches, die am 28. Juni 1969 Opfer der staatlichen Repression wurden. Doch die kriminalisierten Menschen zerstreuten sich nicht. Sie blieben und initiierten einen ersten, f\u00fcnf Tage andauernden militanten Widerstand gegen die rigide Sexualmoral, die homo- und trans*feindliche Gewalt und die Willk\u00fcr staatlicher Beh\u00f6rden. Das war der Beginn der gay-liberation-Bewegung in den USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland sollte es noch weitere zwei Jahre dauern, bis sich durch Rosa von Praunheims Film \u201eNicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt\u201c die ersten Gruppen formierten. Aus denen entstanden die Rosa Radikalen als die Schwulenbewegung[1] der 1970er Jahre. Schwul war damals gleichbedeutend mit kriminell, abartig, krank und pervers. Doch statt sich diesen Zuschreibungen entgegenzustellen, wurden diese angeeignet. Man wollte dieser Gesellschaft unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcbertreten und nicht nur gegen Diskriminierung k\u00e4mpfen, sondern gegen die Strukturen, die diese hervorbrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWe\u2018ve got to show them we\u2018re worse than queer\u201c \u2013 Bikini Kil<\/strong>l<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch wenn die Rosa Radikalen aus heutiger Sicht in Theorie und Praxis zu kritisieren sind, sehen wir doch die Notwendigkeit an die urspr\u00fcngliche Radikalit\u00e4t zu erinnern, die zwischen Volksfeststimmung und Parteienwahlkampf auf dem CSD zu verschwinden droht. Zwar stellen queere Personen die heterosexuelle zweigeschlechtliche Ordnung schon durch ihre blo\u00dfe Lebensweise infrage, was sich nicht zuletzt in den Zahlen von lesben-, schwulen- und trans*feindlichen \u00dcbergriff en niederschl\u00e4gt. Aber statt dadurch eine Kritik an dieser Gesellschaft zu entwickeln, scheint den meisten der Weg der Assimilation, der Angleichung an den b\u00fcrgerlichen Mainstream, verhei\u00dfungsvoller. War der Fetisch-Block wirklich einmal eine Kampfansage an die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, so ist er heute zusammen mit den Tunten, Drags und Trans*menschen das Exotische, das zwar geduldet, von dem sich aber zugleich mit einem \u201eWir sind ja nicht alle so\u201c abgegrenzt wird. Aber deswegen wollen wir den CSD noch lange nicht aufgeben. Er bleibt Ausdruck eines Bewusstseins dar\u00fcber, dass Straff reiheit und eine vergleichsweise gro\u00dfe Liberalit\u00e4t noch lange nicht gleichbedeutend sind mit einer wirklichen Emanzipation. Dies und die unter den gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnissen immer noch progressive Raumnahme sind es, die den CSD f\u00fcr uns immer noch zu einer kritischen Veranstaltung machen. Uns soll es um mehr gehen, als um die Gleichstellung der sogenannten Homo-Ehe. Wir wollen keine Toleranz, die am Ende nichts anderes bringt, als eine Angleichung an den Status Quo. Es braucht eine soziale Bewegung, der es nicht mehr nur um die gesellschaftliche Gleichberechtigung, sondern um die Freiheit einer grunds\u00e4tzlich neuen Gesellschaft geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eNothing\u2018s about me or you honey, it\u2018s all about the angst and the money.\u201c \u2013 Ja, Panik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Forderung nach staatlicher Anerkennung von nicht-heteronormativen Geschlechterverh\u00e4ltnissen und -beziehungen sind legitime K\u00e4mpfe, in denen in den vergangenen Jahren auch in der BRD einiges erreicht werden konnte. So wurde im Jahr 2001 gleichgeschlechtlichen Paaren durch die Einf\u00fchrung der Lebenspartnerschaft erstmals auch ein rechtlicher Rahmen erm\u00f6glicht. Auch das im November 2013 in Kraft getretene Gesetz, wonach intersexuellen Babys nicht mehr sofort nach der Geburt ein Geschlecht zugewiesen wird, l\u00e4sst sich als ein Erfolg von K\u00e4mpfen um selbstbestimmtes Leben werten. Es sind jedoch nur kleine Schritte: die heterosexuelle Ehe und die Lebenspartnerschaft sind in vielerlei Hinsicht nicht gleichgestellt und trotz der Freilassung des Geschlechts in den ersten Lebensjahren ist es rechtlich nach wie vor nicht m\u00f6glich, eine andere gender-Identit\u00e4t als m\u00e4nnlich* oder weiblich* zu w\u00e4hlen oder die Kategorie \u201eGeschlecht\u201c g\u00e4nzlich abzulehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz dieser rechtlich-politischen Erfolge, zeichnet sich in diversen neu-rechten und klerikalen Protesten ein geschlechterpolitischer Rollback ab. Zum einen zeigen Gesetzes\u00e4nderungen nicht zwangl\u00e4ufig einen positiven Effekt im Alltag von LGBTTIQ*s (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans*idente, Intersexuelle und Queers). LGBTTIQ*-Feindlichkeit ist in der Gesellschaft tief verankert und beeintr\u00e4chtigt das Leben der Menschen auch an Orten abseits staatlicher Diskriminierung. Angst und Isolation, Beleidigungen und Gewalterfahrungen sind keine Ausnahmen, sondern allt\u00e4glich im Leben derjenigen Menschen, die nicht in das hegemoniale Bild der heterosexuellen Kleinfamilie passen. Zum anderen ist gegenw\u00e4rtig eine verst\u00e4rkte Organisierung von Sexist*innen und LGBTTIQ*-Feind*innen festzustellen. So demonstrierten am 21. Juni 2015 in Stuttgart 4.000 Menschen gegen Schulaufkl\u00e4rung \u00fcber Homo- und Transsexualit\u00e4t in Baden-W\u00fcrttemberg. Beim \u201eMarsch f\u00fcr das Leben\u201c im Jahr 2014 in Berlin protestierten 5.000 Menschen gegen Abtreibungen und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen \u00fcber ihren K\u00f6rper. In beiden Beispielen der christlich-fundamentalistischen Bewegungen marschierte die Europaabgeordnete der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) Beatrix von Storch in der ersten Reihe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei steht der Erfolg der AfD exemplarisch daf\u00fcr, dass erzielte Fortschritte stets umk\u00e4mpft bleiben. Ein Grund sich nicht auf den Erfolgen auszuruhen. Denn in \u00f6konomischen Krisensituationen k\u00f6nnen sich die gesellschaftlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse derart umgestalten, dass f\u00fcr die allgegenw\u00e4rtige \u201eToleranz\u201c pl\u00f6tzlich kein Platz mehr ist. Das Nebeneinander verschiedener \u201eLebensentw\u00fcrfe\u201c kann ebenso schnell wieder zugunsten traditioneller, reaktion\u00e4rer Geschlechter- und Beziehungskonzepte verworfen werden. Das globalisierte Kapital, welches die gegenw\u00e4rtige Geschlechterpolitik der Exportnation Deutschland bestimmt, ist auf flexible gesellschaftliche Strukturen im Leben der Menschen angewiesen und findet in \u201ealternativen\u201c Lebensstilen zu allererst auch neue Verwertungsm\u00f6glichkeiten. Im Gegensatz dazu generiert sich die Politik der AfD aus den Interessen der deutschen Familienunternehmen, die sich auf regionale M\u00e4rkte konzentrieren. Eine verst\u00e4rkte EU-Integration versch\u00e4rft lediglich Konkurrenz der lokal agierenden Unternehmen. Aus Entstehungskontext der AfD erkl\u00e4rt sich so auch deren reaktion\u00e4res Familienkonzept. Der Wunsch nach der patriarchalen Kleinfamilie wird in den Rollenbildern der AfD deutlich, die sich klar aus ihren Forderungen ergeben. M\u00e4nner seien eben M\u00e4nner und Frauen nun mal Frauen. Und eine Frau ist eben eine Mutter, die jegliche Haus- und Erziehungsarbeit leistet, wohingegen der Mann, also der Vater, das Geld nach Hause bringt. Diese Ideologien werden u.a. auch von der besserverdienenden Arbeiter*innenklasse aufgegriffen, die damit ihre Abstiegs\u00e4ngste in der \u00f6konomischen Krise in reaktion\u00e4rer Weise verarbeitet. Dadurch kann die AfD in Wahlen erfolgreich sein und auch ihren Einfluss auf politische Entscheidungen verst\u00e4rken. Das Beispiel AfD zeigt, wie gef\u00e4hrdet gesellschaftliche Emanzipationsprozesse und ein selbstbestimmtes Leben, angesichts fortschreitender Krisenerscheinungen und deren politischer Versch\u00e4rfung, sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00e4mpfe verbinden!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen ist es notwendig, nicht nur LGBTTIQ*-Diskriminierung zu bek\u00e4mpfen. Am Beispiel der Verschr\u00e4nkung zwischen Flucht und sexueller Diskriminierung wird deutlich, dass der Kampf um ein selbstbestimmtes Leben, auch ein Kampf gegen Staat, Nation und Kapital sein muss. Denn w\u00e4hrend deutsche Staatsb\u00fcrger*innen ihren Passeigent\u00fcmer teilweise als Paradies der sexuellen Freiheit feiern, werden die Mauern um die Europ\u00e4ische Union h\u00f6her und t\u00f6dlicher denn je. Menschen, die in ihren Herkunftsstaaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer nonkonformen Geschlechteridentit\u00e4t verfolgt werden und diese Grenzen \u00fcberwinden k\u00f6nnen, erhalten in Deutschland keinen Schutz. Denn Homo- und Transsexualit\u00e4t sind allein keine ausreichenden Gr\u00fcnde, um politisches Asyl und damit Schutz vor Gef\u00e4ngnis oder Todesstrafe zu bekommen. Deswegen k\u00e4mpfen wir nicht nur f\u00fcr eine sexuelle Befreiung, sondern f\u00fcr eine befreite Gesellschaft! Wir wollen lieben, wen und wie wir wollen! Wir wollen die bipolare Geschlechterordnungen abschaffen, nationale Grenzen einrei\u00dfen und die kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse \u00fcberwinden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr ein grenzenlos solidarisches und selbstbestimmtes Leben!<\/strong><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n[1] Es ist vielleicht schwierig, hier nicht von einer Lesbenbewegung zu sprechen, aber das ist teilweise nicht ganz genau gekl\u00e4rt, auch gerade weil sich viele lesbische Frauen noch bis in die 80er hinein selbst als schwul bezeichnet haben. Auch in der Literatur wird der Begriff sehr unterschiedlich gebraucht.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 18.07.2015, 14:00 Uhr, Markt: CSD-Demonstration mit einem emanzipatorischen Block \u201eI wanna take you to a gay bar\u201c \u2013 Electric Six Wir wollen dem Christopher-Street-Day (CSD) seine politische Sprengkraft zur\u00fcckgeben, die sich im Jahr 1969 erstmals bei den Stonewall-Unruhen manifestierte. 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