{"id":1628,"date":"2015-02-17T14:01:47","date_gmt":"2015-02-17T12:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1628"},"modified":"2015-03-18T14:01:14","modified_gmt":"2015-03-18T12:01:14","slug":"redebeitrag-von-rassismus-toetet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-von-rassismus-toetet\/","title":{"rendered":"Redebeitrag von &#8222;Rassismus t\u00f6tet!&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"wiki_html\">\n<p style=\"text-align: justify;\">13 Aufz\u00fcge der <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span> in Dresden, mittlerweile der dritte sog. \u201cSpaziergang\u201d des Leipziger Abklatschs <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> sowie eine Vielzahl weiterer Aufm\u00e4rsche anderer Ableger liegen hinter uns. Unserer Auffassung nach ist es verkehrt von einem Niedergang dieser Bewegung auszugehen. Wir teilen auch nicht die Meinung, dass <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span> und Co. ihren Zenit erreicht h\u00e4tten und somit in absehbarer Zeit wieder verschwinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso ist es verkehrt, lediglich auf Blockaden und Proteste jedweder Form gegen <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span>\/<span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> zu setzen und dabei zu glauben, dass das blo\u00dfe Verhindern oder Blockieren der Aufm\u00e4rsche ausreichen w\u00fcrde. Durchaus ist das Verhindern wichtig und ein solidarisches sowie konsequentes Vorgehen notwendig! Dies schr\u00e4nkt den Raum des Sag- und Machbaren der Teilnehmenden jener rassistischen und menschenverachtenden Aufz\u00fcge ein. Eine antifaschistische und antirassistische Intervention muss dennoch auch jederzeit au\u00dferhalb dieser Events stattfinden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Deutschland ist schon immer rechts!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problematische an solchen Annahmen, <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span> w\u00fcrde in absehbarer Zeit verschwinden, ist das Verkennen von nicht nur \u2013 aber vor allem \u2013 von rassistischen Kontinuit\u00e4ten. Und diese zeigen auf, dass das gesellschaftliche Klima nie anders als rechts war. Menschen, die als nicht-deutsch wahrgenommen werden, m\u00fcssen nicht erst seit der Sarrazin-Debatte mit pers\u00f6nlichen Einschr\u00e4nkungen, Diskriminierungen, Abwertung und Gewalt durch Staat und Gesellschaft leben. Dies zeigen uns personelle wie rechtliche Kontinuit\u00e4ten nach dem Nationalsozialismus. Dies zeigt uns die bundesdeutsche Asylgesetzgebung seit den 1980er Jahren. Dies zeigen uns die 184 bekannten Todesopfer rechter Gewalt seit 1990, wobei von etlichen Unbekannten auszugehen ist, vor allem vor 1990. Die zeigt uns die Hohe Akzeptanz von <span class=\"caps\">NPD<\/span>, <span class=\"caps\">DVU<\/span> und Republikanern die letzten Jahrzehnte, die immer wieder in Landesparlamente oder Gemeinder\u00e4te gew\u00e4hlt wurden. Dies zeigen uns Studien, wie die &#8222;Deutschen Zust\u00e4nde&#8220; oder die so genannten &#8222;Mitte-Studien&#8220;. Die als vermeintlich \u201cfremd\u201d definierten Menschen werden in Deutschland seit jeher stigmatisiert, ausgegrenzt, entrechtet, und in den schlimmsten F\u00e4llen sogar ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie diese von vermeintlich \u201cDeutschen\u201d abzugrenzen seien, stellt eine Studie f\u00fcr Integrations- und Migrationsforschung dar. Ihre Ergebnisse zeigen, dass fast 40 Prozent der Befragten nur solche Menschen als deutsch bezeichnen, die akzentfrei Deutsch sprechen, deutsche Vorfahren haben und kein Kopftuch tragen. Dahinter verbirgt sich v\u00f6lkisches Denken und damit der Wunsch nach einem ethnisch-homogenen Nationalstaat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Denken bei <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span> und <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Parole \u201cWir sind das Volk!\u201d, die die Anh\u00e4nger\/innen der &#8211;<span class=\"caps\">GIDAS<\/span> in Dauerschleife verwenden, kommt das v\u00f6lkische Denken besonders deutlich zum Vorschein. Es definiert, wer zum selbst ernannten \u201cdeutschen Volk\u201d geh\u00f6rt und wen die Rassist\/innen unter \u201cWir\u201d verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch verbirgt sich hinter der Parole nicht nur eine Abgrenzung nach au\u00dfen, also gegen die vermeintlich \u201cAnderen\u201d, sondern ebenso nach innen \u2013 konkret gegen Politiker_innen, Presse sowie jene, die gegen diese Aufm\u00e4rsche protestieren. Diese Menschen brauchen einerseits eine Masse, mit der sie sich bewegen und andererseits F\u00fchrungsfiguren, an denen sie sich orientieren k\u00f6nnen. Die &#8211;<span class=\"caps\">GIDAS<\/span> sind somit nicht nur v\u00f6lkisch, sondern ebenso autorit\u00e4r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor &#8211;<span class=\"caps\">GIDA<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcckblickend auf die vergangenen Jahre lassen sich einige solcher v\u00f6lkischen und autorit\u00e4ren Bewegungen ausmachen. Zum Einen w\u00e4ren da Aufm\u00e4rsche so genannter Vertriebenenverb\u00e4nde, die rassistischen Pogrome Anfang der 90er Jahre sowie die Aufz\u00fcge gegen die Wehrmachtsausstellung zu nennen. Zum Anderen kam es seit 2012 bundesweit zu rassistischen Mobilisierungen gegen Asylsuchende und die Errichtung von Gefl\u00fcchteten-Unterk\u00fcnften. Im Sommer 2014 kamen antisemitische Aufm\u00e4rsche und die \u201cMahnwachen\u201d-Bewegung hinzu, die in den s.g. Friedenswinter \u00fcberging. Letztlich ebenso die HoGeSa, die sich mittlerweile von <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span> losgesagt haben und sich der <span class=\"caps\">ENDGAME<\/span>-Bewegung, also der \u201cEngagierten Demokraten gegen die Amerikanisieurung Europas\u201d, einen potentenziellen Nachfolger der antisemitischen Montagsmahnwachen, angeschlossen haben. Trotz dessen werden sich auch weiterhin diverse Hooligangruppen an den rassistischen Aufm\u00e4rschen beteiligen, wie es wiederholt bei <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> deutlich wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das s.g. <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span>-Orgateam bekennt sich zu Kontakten zur Mahnwachenbewegung und lie\u00df u.a. den Reichsb\u00fcrger und Verschw\u00f6rungstheoretiker Stephane Simon mehrmals sprechen. Dieser nutzte jenes Podium, um seinen ganzen Hass gegen Politiker_innen, Medien und Demokratie abzulassen. <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> selbst zeigt ihre N\u00e4he zu den genannten Bewegungen bereits in ihrem Positionspapier und best\u00e4tigt diese N\u00e4he durch Reden ihres Orga-Teams. Oder auch durch die geladenen Redner\/innen, deren \u00c4u\u00dferungen gespickt waren von Verschw\u00f6rungstheorien. So war in der vergangenen Woche u.a. der aktive Querfrontler J\u00fcrgen Els\u00e4sser auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es geht auch um Abgrenzung!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar ist <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> deutlich radikaler zu verorten als <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span>, dennoch kann beiden eine Querfront-Funktion zugesprochen werden. So werden auch jene selbsternannten Linken bei <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span>\/<span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> aktiv, die schon zuvor die verschw\u00f6rungstheoretischen Mahnwachen als positiv betrachteten, sie besuchten, teilweise mit Reden begleiteten oder sogar organisierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt sich von all jenen Personen und Zusammenh\u00e4ngen abzugrenzen, denen eine ideologische Schnittmenge mit den <span class=\"caps\">GIDAS<\/span> zu konstatieren ist und sie in den Fokus der Kritik zu r\u00fccken. Somit ist ein Protest gegen <span class=\"caps\">PEGIDA<\/span>\/<span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> und Co. gleichzeitig auch ein Widerstand gegen eine rassistische, antisemitische, sexistische sowie eine auf Leistungs- und Konkurrenzdruck beruhende Gesellschaft. Schlussendlich ein Protest gegen Leipziger, S\u00e4chsische sowie Deutsche Zust\u00e4nde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zum Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher lasst uns heute jenen die Bewegungsfreiheit nehmen, die Menschen, die von Rassismus betroffen sind, in Angst versetzen und ihnen ihre Freiheiten einschr\u00e4nken. Lasst <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> nicht laufen! Lasst uns ihren Aufmarsch verhindern und zuk\u00fcnftig rassistische und andere menschenverachtende Ideologien entlarven und angreifen, auch wenn es selbsternannte Linke trifft. Das antirassistische Engagement darf dabei jedoch nicht nur auf wenige Tage im Jahr beschr\u00e4nkt bleiben. Die aktive Unterst\u00fctzung von Asylsuchenden und der Kampf gegen Deutsche Zust\u00e4nde muss auch fernab von <span class=\"caps\">LEGIDA<\/span> jeden Tag stattfinden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cRassismus T\u00f6tet!\u201d-Leipzig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Januar 2015<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13 Aufz\u00fcge der PEGIDA in Dresden, mittlerweile der dritte sog. \u201cSpaziergang\u201d des Leipziger Abklatschs LEGIDA sowie eine Vielzahl weiterer Aufm\u00e4rsche anderer Ableger liegen hinter uns. Unserer Auffassung nach ist es verkehrt von einem Niedergang dieser Bewegung auszugehen. 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