{"id":1483,"date":"2014-09-03T18:30:23","date_gmt":"2014-09-03T16:30:23","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1483"},"modified":"2017-12-08T11:40:01","modified_gmt":"2017-12-08T09:40:01","slug":"13-9-antirassistischer-kulturtag-im-leipziger-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/13-9-antirassistischer-kulturtag-im-leipziger-osten\/","title":{"rendered":"13.9. Antirassistischer Kulturtag im Leipziger Osten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am <strong>13.9.2014 wird es ab 12 Uhr im Stadtteilpark Rabet einen antirassististichen Kulturtag<\/strong> geben. Zum Programm geh\u00f6ren unterschiedliche Workshops (Graffiti, Siebdruck uvm.), Infost\u00e4nde, Musik von der <a href=\"http:\/\/www.microphone-mafia.com\/\">Microphone Mafia,<\/a> ein Workshop zu rassistischen Politzeikontrollen und eine Podiumsdiskussion unter der Fragestellung: &#8222;Die Eisenbahnstra\u00dfe, gef\u00e4hrlichste Stra\u00dfe Deutschlands?! Rassistische Sterotype oder Realit\u00e4t?&#8220;. Desweiteren bietet der Park eine Vielzahl an M\u00f6glichkeiten der sportlichen Aktivit\u00e4ten wie Fu\u00dfball, Volleyball, Tischtennis, Basketball uvm.<\/p>\n<p>+++ Update 04.09.2014+++<\/p>\n<p>Wir freuen uns neben <a href=\"http:\/\/www.microphone-mafia.com\/\">Microphone Mafia<\/a> nun auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=B8a_eQaIinE\">MC Nuri<\/a> auf unserer B\u00fchne begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen:<\/p>\n<p>Microphone Mafia &#8211; 14.30 Uhr<\/p>\n<p>MC Nuri &#8211; 20.00 Uhr<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier der Aufruf zum Tag:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kriminell ist nicht die Eisenbahnstra\u00dfe. Kriminell ist das System<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eisenbahnstra\u00dfe im Leipziger Osten ist laut einem ProSieben-Fernsehbeitrag die angeblich \u201cgef\u00e4hrlichste Stra\u00dfe Deutschlands\u201d. Der Beitrag reiht sich in andere Berichterstattungen sowie die Perspektive einen Gro\u00dfteils der Leipziger_innen ein, die die Eisenbahnstra\u00dfe als \u201cKriminalit\u00e4tsschwerpunkt\u201d betrachten und sich bedroht f\u00fchlen. Wie zumeist, wenn \u00fcber solche \u201cSchwerpunkte\u201d gesprochen wird, handelt es sich um einen Stadtteil, der im Durchschnitt einen h\u00f6heren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hat, als es andere Viertel im Stadtgebiet haben. Gern wird dabei der Begriff \u201cParallelgesellschaft\u201d verwendet. Nicht erw\u00e4hnt wird, dass sich nicht die Bewohner_innen der stigmatisierten Stadtteile verschlie\u00dfen, sondern sie seit jeher unerw\u00fcnscht und nicht willkommen, also schon immer ausgeschlossen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nach einer aufgeblasenen Kampagne, die Leipzig zu einem \u201ebesseren Berlin\u201c verkl\u00e4rt und die Stadt international in den Himmel lobt, setzt ein Trend der vermeintlichen Aufwertung ein, der auch ehemalige \u201eSchmuddelecken\u201c wie im Leipziger Osten nicht verschont.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschen mit geringem Einkommen, Migrationshintergrund oder solche deren Lebensumst\u00e4nde nicht in die schon damals gutb\u00fcrgerlichen Stadtteile passten, fanden sich in den Platten der Stadt und im Leipziger Osten.<br \/>\nMittlerweile hat sich vieles ver\u00e4ndert und auch hier wird angefangen, diese Ecken gewinnorientiert zu vermarkten. Nachdem der halbgare Versuch die Eisenbahnstra\u00dfe als \u201cMultikultimeile\u201d zu vermarkten, gescheitert ist, treten nun andere Mittel auf den Plan. Besser geeignet scheint es, sich der bisherigen Anwohner_innen zu entledigen. Dazu bedient mensch sich rassistischer Propaganda. So wie es bei jeder Gelegenheit die Lokalpresse und auch die Leipziger Polizei tut. Parallel dazu steigen die Mieten. Ein wirksames politisches Gegensteuern bleibt aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem versch\u00e4rft sich die soziale Situation weiter. W\u00e4hrend der wirtschaftlich-orientierte Umbau der Stadt voran geht, wird zeitgleich der Repressionsdruck in den so genannten \u201cProblemstadtteilen\u201d erh\u00f6ht. \u201c\u00dcberwachen und Strafen\u201d ist dabei das Motto und bedeutet auch in der Eisenbahnstra\u00dfe: mehr Kamera\u00fcberwachung, systematische und zunehmend willk\u00fcrliche Polizeipr\u00e4senz, ein eigener Polizeiposten und Rechtsfreiheit f\u00fcr die Staatsgewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nationalismus als Verschleierungszusammenhang<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Menschen aufgrund ihrer Lebensweise oder ihrer sozialen Lebensumst\u00e4nde dikriminiert und systematisch entrechtet werden, kommt nicht von Ungef\u00e4hr, sondern folgt einem gesellschaftlichen Prinzip. Sei es im realpolitischen Alltag, subtil \u00fcber mediale Debatten oder in der sozial-politischen Diskussion, letztendlich vollzieht sich eine Auslese der Gesellschaft in \u201ewertbringende\u201c und \u201ewertlose\u201c Mitglieder. Wer aus dem kapitalistischen Normalablauf herausf\u00e4llt, bildet die soziale \u201eUnterschicht\u201c, wird abgewertet und verachtet. Als Argumente werden entweder genetische Ursachen erdacht oder wer die Leistung nicht bringt, hat pers\u00f6nlich \u201eversagt\u201c. Dieser grassierende Sozialchauvinismus erfreut sich zunehmender Akzeptanz in allen Gesellschaftsschichten. Solang mensch seine eigenen Sch\u00e4fchen noch im Trockenen sicher w\u00e4gt, bleibt die befriedigende Aggression auf alle vermeintlich anderen, schw\u00e4cheren, gescheiterten Existenzen attraktiv. Gerade die Eisenbahnstra\u00dfe eignet sich in diesem Sinne als Negativ-Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die abstiegsbedrohten Biomarkt-Deutschen, Ordnungsfetischist_innen, Nazis, <span class=\"caps\">CDU<\/span> und ihr kleiner Stiefbruder \u201eAlternative f\u00fcr Deutschland\u201c(AfD).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diskriminierung als Hintergedanke<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht erst seit Sarrazin und der AfD wird medial die Angst vor einer angeblichen \u00dcberfremdung durch vor allem muslimische Einwander_innen gestreut. Dabei werden klare rassistische Stereotype bedient und wiederbelebt und von weiten Teilen der wei\u00dfen, deutschen Mehrheitsgesellschaft getragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nachweisbar gr\u00f6\u00dfer werdende Kluft zwischen Menschen mit hohem und niedrigem sozio\u00f6konomischen Status ist hierbei eine Ursache f\u00fcr den zunehmenden Rassismus. Es ist somit alles andere als zuf\u00e4llig, wenn mit der Verh\u00e4rtung unserer Lebensbedingungen die Ausgrenzung der von der Mehrheitsgesellschaft diskriminierten Menschen \u2013 wie beispielsweise Migrant_innen \u2013 gleicherma\u00dfen zunimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort des Staates steht jedoch im krassen Wiederspruch zur Abmilderung sozialer Probleme.<br \/>\nMehr Kameras, mehr polizeiliche Kontrollen, h\u00e4rtere Strafen tragen zur Normierung des Einzelnen bei und erinnern den ungeliebten, unproduktiven Teil der Gesellschaft an ihre vermeintlichen Aufgaben in der Bundesrepublik Deutschland.<br \/>\nEs resultiert eine zunehmend fl\u00e4chendeckende \u00dcberwachung und Bestrafung der Gesellschaft: M\u00f6glichkeiten des Aufbegehrens, der Solidarit\u00e4t und des Miteinanders werden sukzessive unm\u00f6glich gemacht. Offiziell wird von Sicherheitspolitik geredet, gemeint ist: Deine Daseinsberechtigung ist die Lohnarbeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werden die staatliche \u00dcberwachung und der grassierende Rassismus miteinander verbunden, so resultiert daraus das, was als \u201eracial profiling\u201c in Stadtteilen, die von der Polizei willku\u0308rlich als \u201eKriminalit\u00e4tsschwerpunkte\u201c gehandhabt werden, verstanden wird:<br \/>\n\u201eVerdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollen\u201c an Personen, die in irgendeiner Weise als von der Norm abweichend betrachtet werden. Anlass kann die \u00e4u\u00dfere Erscheinung, die Kleidung oder die Bewegungsart sein. Betroffene werden manchmal sogar mehrmals hintereinander kontrolliert. Rassismus tritt dabei als gesellschaftliches und institutionelles Problem auf \u2013 aufgrund der Zustimmung in der Mehrheitsgesellschaft k\u00f6nnen die Beh\u00f6rden sich viele Rechtsbr\u00fcche erlauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Criminials United<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das eigentliche Problem sind nicht \u201ekriminelle Strukturen\u201cder \u201eIntegrationsunwilligen\u201c , sondern eine Gesellschaft die einzig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Eine Gesellschaft in der so genannte \u201cFremde\u201d nicht willkommen sind und seit jeher angefeindet und angegriffen werden. Wer sich f\u00fcr ein Zusammenleben ausspricht, in dem nur die \u201cSt\u00e4rksten\u201d ein gutes Leben haben sollen, muss sich nicht wundern, wenn die \u201cSchwachen\u201d sich von dieser abwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stehen f\u00fcr eine Gesellschaft ein, die frei ist von Rassismus und sozialer Ausgrenzung. Eine Gesellschaft, die nicht nach kapitalistischen Gesichtspunkten ausgerichtet ist, sondern im Interesse aller Menschen, egal woher sie kommen. Das Problem liegt nicht in einer Stra\u00dfe oder einem Stadtteil, sondern das Probelm ist dieses System, das Menschen nur nach ihrer N\u00fctzlichkeit bewertet, sortiert, normiert und letztendlich zerst\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 13.9.2014 wird es ab 12 Uhr im Stadtteilpark Rabet einen antirassististichen Kulturtag geben. Zum Programm geh\u00f6ren unterschiedliche Workshops (Graffiti, Siebdruck uvm.), Infost\u00e4nde, Musik von der Microphone Mafia, ein Workshop zu rassistischen Politzeikontrollen und eine Podiumsdiskussion unter der Fragestellung: &#8222;Die Eisenbahnstra\u00dfe, gef\u00e4hrlichste Stra\u00dfe Deutschlands?! Rassistische Sterotype oder Realit\u00e4t?&#8220;. 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