{"id":1450,"date":"2014-06-03T10:49:44","date_gmt":"2014-06-03T08:49:44","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1450"},"modified":"2014-10-06T16:16:10","modified_gmt":"2014-10-06T14:16:10","slug":"redebeitrag-auf-der-demo-refugees-welcome-am-24-5-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/redebeitrag-auf-der-demo-refugees-welcome-am-24-5-2014\/","title":{"rendered":"Redebeitrag auf der Demo &#8222;Refugees welcome&#8220; am 24.5.2014"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seitdem im September 2013 der Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde bekannt wurde, regt sich in Leipzig Protest aus der Neonazi-Szene, aber auch aus der b\u00fcrgerlichen Ecke. Einw\u00e4nde, wie \u201eder Islam geh\u00f6rt nicht zu Deutschland\u201c, eine vermeintliche drohende \u00dcberfremdung der Stadt, inner-islamische Auseinandersetzungen oder aber die Ungeeignetheit des Standortes im Leipziger Ortsteil Gohlis heizen die Stimmung an.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Facebookseite der rein virtuell agierenden B\u00fcrgerinitiative \u201eGohlis sagt nein\u201c wurde ausgiebig dar\u00fcber sinniert, der verbalen Ablehnung auch Taten folgen zu lassen. Und die gen\u00fcsslich ausgebreiteten Pl\u00e4ne wurden Realit\u00e4t: im November 2013 platzierten Unbekannte f\u00fcnf aufgespie\u00dfte Schweinek\u00f6pfe und ein Feuer auf dem Baugel\u00e4nde. Erst nach diesem Akt distanzierte sich eine lokale CDU-Funktion\u00e4rin, die bis dahin im Namen der BI agierte. Katrin Viola Hartung, die auch hier in Gohlis f\u00fcr die CDU f\u00fcr den Stadtrat kandidiert, trat bis dahin als akteurin von \u201eGohlis sagt Nein\u201c in Erscheinung und zeichnete auch f\u00fcr eine Online-Petition gegen den Moscheebau verantwortlich. Bis April unterschrieben 11.000 Menschen, die zum gro\u00dfen Teil nicht aus Leipzig kommen, diese online-Petition. Bei der Unterschriften\u00fcbergabe zur Sitzung des Leipziger Stadtrates im April enttarnte sich die bis dahin gesichtslose BI als Initiative der NPD. Die gesamte NPD-Funktion\u00e4rsriege lief im Rathaus auf und demonstrierte St\u00e4rke. Hartung behauptete zu diesem Zeitpunkt die Petition vertrauensvoll in die H\u00e4nde der BI gegeben h\u00e4tte, ohne von deren NPD-Durchsetzung gewu\u00dft zu haben. Ein Blick auf die Facebook-Seite, auf der es von rassistischen Tiraden und NPD-Propagana nur so wimmelt, h\u00e4tte ihr wohl Klarheit verschaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem Asyl-Thema ist der Moscheebau f\u00fcr die NPD das Hauptkampffeld f\u00fcr die Wahlk\u00e4mpfe. Doch auch die AfD in Leipzig bl\u00e4st zum Sturm gegen den \u201eIslam light\u201c der Ahmadiyya-Gemeinde, der nur das Einfallstor f\u00fcr \u201est\u00e4rkere Varianten\u201c (des Islam) sei. Nicht zu vergessen die CDU: sowohl die f\u00fcr ihre zweifelhaften Aussagen zu Asyl bekannte Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla als auch der Landtagsabgeordnete und Stadtrat Wolf-Dietrich Rost positionierten sich klar gegen den Standort f\u00fcr das Gebetshaus. Beide taten sich bereits gegen Asylstandorte in ihren Wahlkreisen hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Stadt Leipzig leben sch\u00e4tzungsweise 5000 Muslime, die insgesamt f\u00fcnf Moscheen bzw. offene Gebetsr\u00e4ume nutzen k\u00f6nnen. Der Unterschied zum geplanten Neubau ist, dass dieser als Moschee erkennbar w\u00e4re. Zwei Zierminarette sollen das f\u00fcr 100 Menschen konzipierte Geb\u00e4ude schm\u00fccken. F\u00fcr die GegnerInnen ist genau dies eine Provokation und der Grund das Ende des von ihnen halluzinierten christlichen Abendlandes zu beschw\u00f6ren. Bereits in Berlin-Heinersdorf gab es 2006 heftige rassistische Proteste gegen das erste muslimische Gebetshaus mit Minaretten in Ostdeutschland. Auch hier mischten sich Nazis, zusammen mit etablierten rechts-au\u00dfen Politikerinnen und Politikern und ein B\u00fcrgermob, der bis aufs Messer gegen den Moscheebau vorging. In Berlin wurde die Moschee gebaut. Dies f\u00fchrte weder zu gro\u00dfr\u00e4umigen Missionierungen, zu Terroranschl\u00e4gen, K\u00e4mpfen zwischen rivalisierenden Glaubensrichtungen oder dazu, dass Biodeutsche aus dem Kiez verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wie kann sich eine antirassistische Linke in diese Debatte einbringen? Scheint es doch nicht angebracht mit wehenden Fahnen f\u00fcr ein Gebetshaus f\u00fcr Menschen egal welcher Glaubensrichtung auf die Stra\u00dfe zu gehen. Wie sagte der alte Marx? Religion ist das Opium des Volkes.<br \/>\nEs ist die Religionsfreiheit, die explizit die Freiheit nicht zu glauben einschlie\u00dft, die die Klammer f\u00fcr ein linkes Engagement in Sachen Moscheebau, ist. Es kann nicht darum gehen Religionen \u2013 egal ob das in Deutschland hegemoniale Christentum, das Judentum, den Islam etcpp \u2013 unkritisch gegen\u00fcberzustehen.<br \/>\nEs gilt die Doppelmoral aufzudecken, mit der gegen mangelnde Geschlechtergleichstellung oder mangelnde Offenheit gegen\u00fcber nicht-hetereosexuellen Lebensweisen bei nicht-christlichen Religionen agitiert wird. Insbesondere eine s\u00e4chsische CDU hat sich hier gegen\u00fcber der Ahmadiyya-Gemeinde nicht aus dem Fenster zu lehnen. Hinter der liberal daherkommenden Islamkritik verbirgt sich nichts anderes als eine kulturalistische Spielart des Rassismus. Es sind etablierte Protagonisten wie SPD-Mitglied Tilo Sarrazin oder die im Aufwind begriffene Alternative f\u00fcr Deuschtschland, die die tief sitzenden Ressentiments gegen den Islam sch\u00fcren und als etwas per se minderwertiges und Fremdes klassifizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn sich die Moscheedebatte in Leipzig im Moment in ruhigem Fahrwasser befindet, darf die mobilisierende Wirkung der islamfeindlichen und letztlich rassistischen Diskurse nicht untersch\u00e4tzt werden. Dies kann sich bspw. im Einzug der AfD ins Europaparlament am kommenden Sonntag erweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum: zeigen wir uns weiter solidarisch gegen die rassistischen und populistischen Mobilisierungen gegen den Moscheebau in Gohlis, egal ob er im Schlips-und-Anzug-Image der AfD oder in Gestalt der neonazistischen NPD und ihrer Schl\u00e4gertrupps daherkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rassismus t\u00f6tet! Leipzig, 24.5.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seitdem im September 2013 der Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde bekannt wurde, regt sich in Leipzig Protest aus der Neonazi-Szene, aber auch aus der b\u00fcrgerlichen Ecke. 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