{"id":1440,"date":"2014-06-11T12:54:55","date_gmt":"2014-06-11T10:54:55","guid":{"rendered":"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/?p=1440"},"modified":"2014-06-15T21:46:53","modified_gmt":"2014-06-15T19:46:53","slug":"leipzig-love-football-hate-the-world-cup-kundgebung-am-16-06-in-connewitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rassismus-toetet-leipzig.org\/index.php\/leipzig-love-football-hate-the-world-cup-kundgebung-am-16-06-in-connewitz\/","title":{"rendered":"Leipzig: LOVE FOOTBALL \u2013 HATE THE WORLD CUP! &#8211; Kundgebung am 16.06. in Connewitz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>In Gedenken an <a href=\"https:\/\/fckp3.dontexist.net\/blogs\/wordpress\/rassismus-toetet\/wordpress\/index.php\/rechts-motivierte-morde-in-leipzig-ein-uberblick\/\">Nuno Louren\u00e7o<\/a> \u2013 1998 in Leipzig w\u00e4hrend der WM von Faschisten ermordet<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren packen \u201cdie Deutschen\u201d anl\u00e4sslich internationaler Fu\u00dfballturniere der deutschen Herren gerne wieder in Massen das schwarz-rot-goldene Banner aus und freuen sich lauthals dar\u00fcber, \u201cDeutsche\u201d zu sein. In der b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit wird das Spektakel als \u201cunverkrampfter\u201d Partypatriotismus gefeiert, der negative Auswirkungen nicht kennt.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass es aber bei diesen nationalistischen Massenveranstaltungen schon immer zu menschenverachtenden Exzessen kam, wird gerne verschwiegen. Denn damit m\u00fcsste eingestanden werden, dass die Einteilung von Menschen in ein \u201cWir\u201d und die \u201cAnderen\u201d anhand der Konstruktion vermeintlicher Nationalit\u00e4ten die Grundlage f\u00fcr menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus bedeutet und bisweilen auch t\u00f6dlich enden kann. So erging es vor sechzehn Jahren Nuno Louren\u00e7o nach einem WM-Spiel, dass die deutsche Fu\u00dfball-Elf verloren hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der portugiesische Zimmermann Nuno Louren\u00e7o war wegen eines Montage-Auftrages f\u00fcr ein halbes Jahr nach Deutschland gekommen. Am 4. Juli 1998, Nuno Louren\u00e7os 49. Geburtstag, verlie\u00df er mit vier Kollegen die gemeinsame Unterkunft in Gaschwitz (Markkleeberg) bei Leipzig. W\u00e4hrend er von einer Telefonzelle aus mit seiner Familie in Portugal telefonierte, verlor das deutsche Fu\u00dfballteam bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Kroatien 0:3 und schied damit aus dem Turnier aus. Dies nahmen Neonazis zum Anlass, Jagd auf Migrant_innen zu machen. Nuno Louren\u00e7o und seine Kollegen wurden von acht 15- bis 21-j\u00e4hrigen Neonazis aus Leipzig und dem Leipziger Umland angegriffen. W\u00e4hrend seine Kollegen fliehen konnten, schlugen die mit Eisenketten bewaffneten Angreifer auf Nuno Louren\u00e7o ein und schn\u00fcrten ihn die Kehle zu, bis er am Boden lag. Sie traten weiter mit Springerstiefeln auf ihn ein. Dabei schrien sie \u201eBl\u00f6de Ausl\u00e4nder, Schei\u00df-Ausl\u00e4nder, verpisst euch.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nuno Louren\u00e7o wurde nach dem Angriff mit schweren Verletzungen und inneren Blutungen in ein Leipziger Krankenhaus gebracht. Am 29. Dezember 1998 starb Nuno Louren\u00e7o in Folge des Angriffs an seinen schweren Verletzungen in Portugal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Hauptt\u00e4ter wurde der 21-j\u00e4hrige Andreas Sch. aus B\u00f6hlen bei Leipzig ermittelt. Andreas Sch. soll mehrmals mit Springerstiefeln gegen den Kopf von Nuno Louren\u00e7o getreten haben. Nach seiner Aussage habe er es dabei knacken geh\u00f6rt. Nach der Tat sagte er: \u201eH\u00e4tte ich ein Messer gehabt, h\u00e4tte ich dieses Schwein abgestochen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Staatsanwaltschaft war das Tatmotiv \u201eAusl\u00e4nderfeindlichkeit\u201c klar. Die angeklagten Neonazis gaben selber an, \u201eAusl\u00e4nder hacken\u201c zu wollen. Die Anklage lief auf versuchten Totschlag bzw. gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung hinaus. Bei der Urteilsverk\u00fcndung am 20. September 1999 stellte das Gericht nach mehreren Monaten zwar fest, dass Nuno Louren\u00e7o an den Folgen der Tat gestorben sei, doch sei es nicht nachweisbar, dass die Angeklagten seinen Tod billigend in Kauf genommen oder mit Vorsatz gehandelt h\u00e4tten. Andreas Sch. wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt, seine Mitt\u00e4ter erhielten Bew\u00e4hrungsstrafen und gemeinn\u00fctzige Arbeitsstunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hauptt\u00e4ter trat seine Haftstrafe erst an, als das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eGkOq3yAxKA\">ARD-Magazin \u201eMonitor\u201c die Tatsache skandalisierte<\/a>, dass der zust\u00e4ndige Richter, Norbert G\u00f6bel, keinen Termin f\u00fcr den Haftantritt bestimmt hatte. Ebenfalls hatte es die Kammer angeblich \u201eversehentlich\u201c unterlassen, \u00fcber die Kosten der Nebenklage zu entscheiden. Gleichzeitig verzichtete sie den Angeklagten Neonazis wie in der g\u00e4ngigen Praxis \u00fcblich die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Damit verschuldete sich die Witwe Noemia Louren\u00e7o mit \u00fcber 17.500 Euro, da sie als Nebenkl\u00e4gerin f\u00fcr die Unterbringung und Fahrtkosten der Zeugen aus Portugal aufkam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nuno Louren\u00e7o wird erst seit 2009 als ein Opfer rechter Gewalt in offiziellen Statistiken aufgez\u00e4hlt. Warum dies mehr als zehn Jahre gedauert hat, bleibt bis heute offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Zust\u00e4nde in Brasilien vor, w\u00e4hrend und durch die WM<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur aufgrund ihres nationalistischen Charakters sowie daraus folgender Ausgrenzung und Abwertung von Menschen lehnen wir sportliche Gro\u00dfereignisse, wie die Weltmeisterschaft und auch die Olympischen Spiele ab, sondern ebenso aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Bev\u00f6lkerung des jeweiligen Austragungsortes. F\u00fcr weite Teile der B\u00fcrger_innen des diesj\u00e4hrigen WM-Gastgeberlandes, Brasilien, bedeutet dies im Konkreten: \u00dcberwachung, Verdr\u00e4ngung, Kriminalisierung, Ausschluss sowie die Einschr\u00e4nkung von Grund- und Menschenrechten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit nun mehr einem Jahr finden in Brasilien Proteste unter dem Motto \u201cOhne Rechte wird es keine WM geben\u201d statt. Diese fordern den freien Zugang zu qualitativ-besserer Bildung, zum Gesundheitssektor, zu bezahlbaren \u00f6ffentlichen Personenverkehr und das Recht, auch weiterhin in der Stadt leben zu k\u00f6nnen. Die Demonstrant_innen kritisieren dabei nicht den sportlichen Wettbewerb als solchen, sondern die seitens der FIFA sowie anderer Organisator_innen angestrebte Eventisierung bzw. \u00d6konomisierung des Sports. Ebenso im Fokus der Kritik stehen die immensen Kosten von offiziell 11 Milliarden Euro, die zu 80 Prozent staatlich- und damit \u00f6ffentlich-finanziert sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Ausrichtung der WM \u2013 sowie der in zwei Jahren folgenden Durchf\u00fchrung der olympischen Sommerspiele in Brasilien \u2013 gehen Aufwertungsprozesse einher, die jedoch nicht das Leben der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung verbessern, vielmehr geht es zu deren Lasten. Durch den Bau neuer Verkehrswege, Stadien, Apartments und Shoppingcentern m\u00fcssen die H\u00e4user und H\u00fctten \u00f6konomisch-benachteiligter Personen weichen. Lediglich \u00f6konomisch-bessergestellte Gruppen k\u00f6nnen die Konsumm\u00f6glichkeiten sowie den neu entstandenen Wohnraum nutzen. Wer es nicht kann, wird verdr\u00e4ngt und zwangsger\u00e4umt. Mindestens 300.000 Menschen sind von Zwangsr\u00e4umungen betroffen. Haupts\u00e4chlich trifft es die Bewohner_innen in den Favelas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur von Zwangsr\u00e4umungen und Verdr\u00e4ngung sind sie betroffen, sondern auch vom Sicherheitsdiskurs, der Armut als Sicherheitsrisiko ansieht, wodurch Betroffene Diskriminierungen und Willk\u00fcr durch Polizei- und Milit\u00e4reinheiten ausgesetzt sind. Die zivile \u201cBefriedungspolizei\u201d (UPP) besetzt seit 2008 mehrere Favelas, um gegen Kriminalit\u00e4t im Allgemeinen sowie im konkreten gegen Drogenkriminalit\u00e4t vorzugehen. Ihr gingen Aktionen der paramilit\u00e4rischen BOPE (\u201cBataillon f\u00fcr spezielle Polizeioperationen\u201d) voraus, die wochenlang mit martialischem Aufgebot an schweren Waffen, Helikoptern und gepanzerten Fahrzeugen die Favelas nach Waffen, Drogen und vermeintlichen Kriminellen durchsuchten. Nach der milit\u00e4rischen Besetzung folgen die Einheiten der UPP, die dauerhaft in den Favela stationiert sind und einer Besatzungsmacht gleich kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Sicherheitsgewerbe ist bei dieser WM ein florierendes. Mehr als eine Milliarde Euro ist f\u00fcr Sicherheit ausgegeben worden. Knapp 150.000 Sicherheitsbeamt_innen sollen die Spiele \u201csch\u00fctzen\u201d und zur Vermeidung von Unruhen wurde gar eine milit\u00e4rische Spezialeinheit gegr\u00fcndet. Ebenfalls gab es auch eine Zunahme von \u00dcberwachungstechnik. Die Anzahl der \u00dcberwachungskameras verdrei\u00dfigfachte sich in der Innenstadt von S\u00e3o Paulo auf ungef\u00e4hr 1.500.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Proteste gegen die WM bzw. die Zust\u00e4nde in Brasilien sollen auch w\u00e4hrend der Spiele fortgesetzt werden, um sie somit gegen\u00fcber der Welt\u00f6ffentlichkeit zu thematisieren. Doch sowohl der Staat, als auch die FIFA wollen das verhindern. So fordert der Fu\u00dfball-Weltverband eine Garantie, dass Demonstrationen nicht den Ablauf des Turniers st\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Weisungen der FIFA wurde Folge geleistet! Versuchte die brasilianische Regierung anfangs mit den Protestierenden in einen Dialog zu treten und Zugest\u00e4ndnisse zu machen, schlug das Handeln der regierenden Arbeiterpartei (PT) seit geraumer Zeit um. Es wurde auf Repression und Konfrontation gesetzt. Seither nehmen die Festnahmen sowie die Anzahl Verletzter bei Demonstrationen zu, wobei die Polizei nicht mit strafrechtlicher Verfolgung bei Rechtsverst\u00f6\u00dfen rechnen muss. Um die Proteste zu kriminalisieren, versuchen Politik, Justiz und Polizeibeh\u00f6rden gar pr\u00e4ventiv zu agieren und Personen zu inhaftieren, die bereits bei Demonstrationen von Repression betroffen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stigmatisierung geht gar soweit, dass ein Anti-Terror-Gesetz verabschiedet wurde, das Proteste verhindern soll, aufgrund eines ungenauen \u201cTerrorismus\u201d-Begriffs. Das Gesetz soll Strafen von 15 bis 30 Jahre Gef\u00e4ngnis umfassen. Damit soll der sichere Ablauf des Turniers nach FIFA-Vorgaben gew\u00e4hrleistet und Teilnehmende von Demonstrationen, bei denen es zu Auseinandersetzungen kommen kann, leichter bestraft werden. Auch soziale Bewegungen k\u00f6nnten durch das Gesetz in Zukunft dauerhaft kriminalisiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich: Die Annahme, sportliche Gro\u00dfereignisse seien ein Vorteil f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung des gastgebenden Landes, verkennt die derzeitigen Zust\u00e4nde in Brasilien. Politiker_innen gl\u00e4nzen mit der Durchf\u00fchrung der Spiele und \u00fcberspielen dabei soziale Probleme bzw. bek\u00e4mpfen die Betroffenen. Das Land, welches die WM austr\u00e4gt, soll einen Imagegewinn erfahren, der letztlich wieder verwertet werden kann. \u00d6konomisch-benachteiligte Menschen werden und bleiben immer vom Event \u2013 deren Teilnahme durch die hohen Ticketpreise nicht m\u00f6glich ist \u2013 sowie versprochenen sozialen Aufstieg ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Zust\u00e4nde benennen und entgegentreten!<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen, dass Menschen wie Nuno Louren\u00e7o nicht vergessen werden, Menschen, die nicht ins Weltbild deutscher T\u00e4ter_innen passen und deshalb ihr Leben lassen mussten. Wir sind solidarisch mit allen, die sich nicht der Logik deutsch-nationaler Kartoffelaufl\u00e4ufen und deren rassistischem und sexistischem Gebaren unterwerfen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit unserer Kundgebung wollen wir an die Menschen erinnern, die rechte Gewalt erfahren mussten (und m\u00fcssen). Wir wollen uns gegen den nationalistischen Irrsinn stellen und einen Kontrapunkt zu gewaltsamen Nationalstolz bieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso wollen wir dem Trugschluss entgegentreten, dass sportliche Gro\u00dfereignisse ein Vorteil f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung des gastgebenden Landes sind. Unsere Solidarit\u00e4t gilt daher jenen, die von \u00dcberwachung, Kriminalisierung, Repression, Verdr\u00e4ngung und Zwangsr\u00e4umung betroffen sind und weiterhin all jenen, die die Kraft und die M\u00f6glichkeit haben, dagegen aufzubegehren und f\u00fcr eine andere Gesellschaft k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen jeden Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Antisemitismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir schei\u00dfen auf Nationen und die WM!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kundgebung am 16.06.2014 um 18 Uhr Connewitzer Kreuz in Leipzig<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gedenken an Nuno Louren\u00e7o \u2013 1998 in Leipzig w\u00e4hrend der WM von Faschisten ermordet In den letzten Jahren packen \u201cdie Deutschen\u201d anl\u00e4sslich internationaler Fu\u00dfballturniere der deutschen Herren gerne wieder in Massen das schwarz-rot-goldene Banner aus und freuen sich lauthals dar\u00fcber, \u201cDeutsche\u201d zu sein. 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