Rassismus tötet! Leipzig

Kundgebung: Kein Freispruch für Nazis und Justiz – Kein Neonaziangriff wird vergessen / Die Zweite!

Am 10. Januar 2019 hätte vor dem Amtsgericht noch ein Verfahren gegen zwei weitere mutmaßliche Täter vom Neonazi-Angriff in Connewitz vom 11.01.2016 statt finden sollen. Der ursprünglich angesetzte Termin wurde jedoch kurzfristig abgesagt, ein Verteidiger der Täter sei krankheitsbedingt verhindert, hieß es. Wir wollen uns davon jedoch nicht abschrecken lassen den nächsten Termin beim Amtsgericht gegen nun vier Täter zu besuchen. Schaut jedoch vorher auf unsere Seite, falls der Termin wieder „kurzfristig“ verschoben wird.

Am 23. Januar 2019 soll nun das nächste Verfahren gegen Sven H., Kevin K, Alexander L. und Nik W. statt finden. Dazu ein paar Hintergründe gegen die vier Beschuldigten:     

Sven H. aus Gera arbeitet nach letztem Stand als Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Firma „Sanitäts- und Gesundheitshaus Carquevielle GmbH“. Er ist Mixed Martials Arts – Kämpfer und kämpfte bereits zwei Mal bei der „Imperium Fighting Championship“ und trainiert zusammen beim „Team Bäumler -ASC Ronneburg“. Er nahm im November 2013 an einer von der NPD organisierten Demonstration in Schneeberg teil. Außerdem steht Kevin K. vor Gericht, der ebenfalls aus Gera kommt. Zu sehen ist er in einem Spiegel TV Beitrag aus dem Jahr 2013 – als Rekrut bei der Bundeswehr. Auch er ist Mixed Martial Arts – Kämpfer und hat ebenfalls zwei Mal bei der „Imperium Fighting Championship“ gekämpft und findet sich auch beim „Team Bäumler – ASC Ronneburg“. Ebenfalls angeklagt ist Alexander L. aus Leipzig. Er wird Scenario Lok Leipzig, Rowdys Eastside und der Fanszene von Lok Leipzig zugerechnet. Er sei selbständiger Bauarbeiter und gehörte zu einer Gruppe aus ungefähr 40 Personen, die am 25. September 2016 in Gera von der Polizei festgesetzt wurden. Diese planten Fans der BSG Chemie Leipzig zu überfallen, dabei stellte die Polizei bei der Gruppe Messer, Schlagstöcke, Strurmhauben, Quartzhandschuhe, Pyrotechnik und Mundschutz sicher. Weiter wird gegen Nik W. aus Leipzig verhandelt. Er soll beim Imperium Fight Team trainieren und trägt ein Tattoo der Rowdys Eastside auf dem Rücken neben zwei Gesichtern von Soldaten, die SS-Mützen tragen. Er gehörte 2014 zu einer Gruppe die beim Auszug der NPD aus der Odermannstraße 8 in Lindenau das „nationale Zentrum“ abbaute und räumte. Auf den Facebook-Seiten der Beschuldigten fanden sich viele ähnliche Interessen wie: „Benjamin Brinsa, Fanszene Lokomotive Leipzig, Haifischbar Leipzig, Imperium Fighting Championship, Imperium Fight Team, PRO GSL Security, Tattoo Royal Wurzen, Tattoonick Stichfest, Bushido Muay Thai & Free Fight Team, Underdogs MC Saalekreis, LEGIDA, Thor Steinar, TiefSinn Fotografie, Christopher Henze“.

Viele der Angeklagten betreiben den Sport „Mixed Martial Arts“, sie sind in keinster Weise in „unpolitischen” Sportvereinen organisiert, dessen Mitglieder zufällig den NS-Aktivismus zum Hobby haben. Ganz im Gegenteil: Dahinter steht ein ganzes Neonazi-Netzwerk, welches Kampfsport einerseits erfolgreich vermarktet, andererseits aber diesen auch gezielt außerhalb sportlicher Wettkämpfe anwendet. Deutlich wurde die Existenz der rechten Netzwerke in Leipzig vor allem am 11. Januar 2016, beim Neonazi-Überfall auf Connewitz.

Unter den Täter_innen waren altbekannte Neonazi-Akteure aus dem Leipziger Umland, Protagonisten der rechten Lok-Fanszene, Geschäftsführer Leipziger Sicherheitsunternehmen und Kämpfer des „Imperium Fight Team“ bzw. der „Imperium Fighting Championship“.

Seit einer Weile beschäftigt sich das antifaschistische Ladenschlussbündnis mit einer Immobile, die ein wichtiger Bezugspunkt der örtlichen Szene ist, der Kamenzer Straße 10/12. Das Objekt im Leipziger Nordosten fungierte vor allem 2008/09 als Veranstaltungsort für Neonazikonzerte. Dies wurde seinerzeit von Stadt und Polizei mittels bauordnungsrechtlicher Auflagen eingeschränkt. Nichts desto trotz fanden im Objekt seitdem immer wieder punktuell neonazistische Konzerte und Partys statt. Der letzte Versuch am 13. Januar 2018 wurde von der Polizei unterbunden.

Seit 2017 ist die Kamenzer Straße 10 Trainingsort des „Imperium Fight Teams“ von Benjamin Brinsa. Ein Kampfsport-Gym, dass sich aus den Hooligan-Strukturen von Lok Leipzig und aus rechten Aktivist_innen der Region aktiviert. Auf dem stattlichen Areal im Leipziger Nordosten ist zudem auch der Motorradclub „Rowdys Eastside“ ansässig. Der seit 2015 bestehende Motorradclub firmiert auch als „Bruderschaft 18” – ein Kürzel für die Initialen Adolf Hitlers. Die ungefähr zehn Mitglieder sind neonazistische Fußballfans des 1. FC Lokomotive Leipzig. Sieben Angreifer aus Connewitz werden dem Motorradclub zugeordnet. Weiterhin fungiert das Objekt als Postadresse und mutmaßlicher Lagerort für diverse Gewerbe. Das Areal gehört seit 2007 Ludwig K., der seit Jahrzehnten Verbindungen in die Neonazi-Szene unterhält.

Ehemals KZ-Außenlager – heute Trainingsort für Neonazis

Außer einer kleinen Erinnerungstafel erinnert heute Nichts mehr an die Geschichte des zweistöckigen Gebäudes in der Kamenzer Str. 12 und des angrenzenden Areals. Hier befand sich zwischen Sommer 1944 und April 1945 das größte Frauenaußenlager des KZ Buchenwald. In dem mit Stacheldraht umzäunten und von SS-Wachmannschaften bewachten Außenlager „HASAG Leipzig“ waren über 5000 Frauen und Mädchen inhaftiert. Der Großteil von ihnen waren „politische“ und „jüdische“ Polinnen.

Die Häftlinge mussten jeden Tag in 12-stündigen Tag- und Nachtschichten unter schwersten Bedingungen Munition, Granaten und Panzerfäuste für den Rüstungskonzern Hugo-Schneider-AG HASAG produzieren. Untergebracht waren sie in einem ehemaligen Werksgebäude der HASAG. Dabei handelt es sich um jenes Gebäude, das heute unter der Adresse Kamenzer Str. 12 zu finden ist. Zur Unterbringung der Häftlinge hatte die HASAG dieses Gebäude in 23 sogenannte Blöcke unterteilt. In jedem Block waren mehrere hundert Frauen und Mädchen zusammengepfercht. Sie litten unter Hunger, Krankheiten, Erschöpfung und unter der Gewalt der SS und deutscher Betriebsangehöriger, der sie im Lager und bei der Arbeit ausgesetzt waren.

Rechte Netzwerke offenlegen

Einen weiteren Termin wollen wir euch nicht verschweigen, bereits am 22. Januar gibt es einen Prozess gegen Jonas F.. Er arbeitete 2013 bei der Firma „Heizung und Sanitärbau Leipzig GmbH“, boxt beim Bushido-Free-Fight-Team und spielt(e) Fußball beim SSV Stötteritz und Lok Leipzig. Einige seiner Interessen auf Facebook sind: „Alternative für Deutschland (AfD), Bushido Muay Thai & Free Fight Team, Bürgerinitiative Gohlis sagt Nein, Erik & Sons, Fanszene Lokomotive Leipzig, Identitäre Bewegung Deutschland, Imperium Fight Team, Imperium Fighting Championship, Label 23, LEGIDA, Strong Viking Deutschland, TiefSinn Fotografie, Wir sind Lok Leipzig“. Wir denken jedoch, dass der Prozess einen Tag später mit den vier Angeklagten interessanter sein dürfte.

Kommt am 23. Januar 2019 um 8 Uhr vor das Amtsgericht Leipzig. Wir haben keine Forderungen an die sächsische Justiz, die ihre Deals mit den Neonazis macht. Wir wollen auf die Hintergründe und Strukturen der rechten Netzwerke verweisen und deutlich machen, es sind diese Personen, die seit Jahrzehnten Menschen angreifen und den rechten Terror in Sachsen unterstützen. Dagegen hilft nur antifaschistischer Selbstschutz. Kommt zum Gericht, schaut euch die rechten Akteure an und organisiert euch.

23. Januar 2019 um 8 Uhr Amtsgericht Leipzig

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Lokaler Ableger der bundesweiten Kampagne Rassismus tötet